Wow. Wowwowwow.
Äthiopien erzählt eine Geschichte in den 30er Jahren, als die italienischen Faschisten im Land einfallen und die Äthiopier sich mit allem wehren, um die Autonomie vor den Italiener zu wahren, um das eigene Land ... Ja, weiterhin das eigene Land nennen zu können.
Beinahe wie in einem Film werden die Szenen beschrieben und saugen einen zwischen die Seiten, als wäre man selbst da, als würde man selbst erleben, was Hirut, Aster, Kidane, Ettore, Carlo und all die anderen erleben.
Leseempfehlung! Absolutes Highlight!
Ich weiß nicht so recht, wie ich dieses Buch bewerten soll. Sprachlich fand ich es eine Wucht! Ich habe etwas mehr als 570 Seiten gelesen und dabei das Gefühl, nur die Hälfte verstanden zu haben, aber gleichzeitig alles irgendwie erfasst zu haben. Eine große Menge an Empfindungen kam in mir auf, vermittelt durch diese besondere Sprache. Meiner Meinung nach ist das eine Kunst der Autorin. Und doch haben mich andererseits manche Darstellungen ermüdet. Ich hatte den Eindruck, es wird vieles wiederholt und es werden Dinge erzählt, ohne wirklich zu erzählen. Dank „Alle außer mir“ hab ich schon ein gewisses Vorwissen zur italienisch-äthiopischen Geschichte, was mir eine gute Basis für dieses Buch bietet. In „Der Schattenkönig“ wird ebenfalls der Krieg der Italiener (zu Zeiten von Mussolini) in Äthiopien erzählt. Was ich in „Alle außer mir“ zu viel an Information erhielt, wurde in „Der Schattenkönig“ eher mystisch und nebulös erzählt. Und ich kann nachvollziehen, warum nicht alles klar und deutlich erzählt wird, denn manchmal ist weniger mehr, vor allem, wenn es um die weibliche Perspektive geht. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob ich ohne mein Vorwissen den Inhalt verstanden hätte. Vielleicht hätte ich es sogar als zu anstrengend empfunden. Mich hat es bereichert, und ich hab eine weitere Perspektive auf den Krieg gewonnen, nämlich die weibliche.
S.307 „Mit Tariku werden sie so verfahren müssen wie mit allen anderen Leichen: Sie werden ihn ohne Zeremonie bestatten müssen, im Dunkeln, in namenloser Erde. Kirchen sind inzwischen leichte Ziele für die Flugzeuge. Friedhöfe werden mit Absicht bombardiert. Es wird kein Grab geben, keine Bestattung in geweihter Erde. Alles wird so getan werden müssen wie vieles andere in diesem Krieg: schnell und zweckmäßig.“
S.385 „Nachdem ich meinen ersten Sohn verloren hatte, wusste ich nicht, was ich war. Wie nennt man einen Vater ohne Sohn?“
S.549 „Ihm ist klar geworden, dass sich die Vergangenheit unmöglich mit der Zukunft verbinden lässt. Er weiß nur so viel: Es gibt keine Vergangenheit, kein „was geschah“, es gibt nur den Augenblick, der in den nächsten übergeht und alles mitnimmt, um sich ständig zu erneuern. Alles geschieht gleichzeitig.“