
Bonobo Moussaka von Adeline Dieudonné Dieses kleine Buch hat mich sofort gepackt, weil es so herrlich bitterböse mit etwas Alltäglichem wie Weihnachten spielt. Hinter Glanzpapier und Familienritualen schaut Dieudonné genau hin und legt das frei, was man eigentlich lieber überdecken würde: Streit, alte Wunden, heimliche Gedanken. Ihr Ton ist spitz, ironisch und manchmal so schonungslos ehrlich, dass ich gleichzeitig lachen und schlucken musste. Besonders mochte ich, wie sie mit Erinnerungen, Beobachtungen und Gedankenfetzen arbeitet, fast wie ein innerer Monolog, der sich ständig selbst kommentiert. Da steckt viel Wut drin, aber auch Humor und dieser Blick für das Absurde. Es fühlt sich an, als würde man bei einem Weihnachtsessen am Tisch sitzen und dabei allen ins Herz schauen. Ganz perfekt war es für mich aber nicht. Gerade weil das Buch so kurz ist, rauschen manche Themen fast zu schnell vorbei. Ich hätte mir gewünscht, dass einige Dinge länger ausgeführt werden, bevor die nächste Spitze kommt. Auch die Nebenfiguren bleiben eher blass – im Zentrum steht ganz klar die Erzählerin und ihre Perspektive. Das Nachwort von Nike van Dinther bringt zwar noch einmal zusätzliche Deutung, aber ich persönlich hätte es gar nicht gebraucht, weil der Text schon für sich so stark wirkt. Am Ende bleibt Bonobo Moussaka für mich ein wilder, bissiger Schlag ins Gesicht der vermeintlichen Harmonie. Ein Buch, das nicht weichzeichnet, sondern direkt trifft – unbequem, klug und absolut lesenswert. ★★★★☆ (4 von 5 Sternen)





