Hier und da ganz schön, aber auch etwas „underwhelming“. Ich hatte mir mehr davon versprochen.
Eigentlich mag ich leise Bücher ohne reißerischen Plot. Aber irgendwie ging das Buch nicht so recht an mich ran. Ich hatte nach all den positiven Rezensionen vielleicht auch zu hohe Erwartungen, aber ich konnte mit der Sprache, den Beschreibungen oder Bildern und Metaphern oft nichts anfangen. Vielleicht lag es auch an der Übersetzung aber, irgendwie hat’s nicht mit meiner Vorstellungskraft gematcht. („Füße scharrten mit hohlem Geflüster über nackten Zementboden“ … was ist „hohles Geflüster“? … „In seinem Blick lag etwas Kaltes […] etwas unnötig rücksichtsloses und doch verzweifelt Vorsichtiges“. Was soll das für ein Blick sein, was soll „verzweifelt vorsichtig“ bedeuten?)
Auch die Figuren blieben mir fremd und wenig nachvollziehbar. Was ist mit dieser Edith? Wieso bleibt Stoner in dieser Ehe? Die später sich ergebende Liebesaffäre fand ich viel zu vorhersehbar. Und seine Begeisterung für englische Literatur kam für mich auch nicht wirklich rüber. Dafür lastete mir die Erzählung irgendwie zu sehr auf diesem ganzen Universitätskram und dieser auch etwas konstruierten Feindschaft mit diesem Lomax.
Hm, schade, ich kann die Begeisterung nicht so ganz teilen. Sicher ein ganz netter Roman, kann man lesen, muss man aber nicht.
„Ein großartiger Roman über das Durchschnittsleben eines Mannes“ resümiert Schauspieler Elyas
M’Barek nach der Lektüre von John Williams Roman „Stoner“. Nicht dass M’Barek als der grösste
Kenner und kompetenteste Literaturkritiker der Szene gilt, aber dieses Zitat bringt das Werk
erstaunlich treffend auf den Punkt. Dieser Bewertung kann man sich - so viel vorweg - getrost
anschliessen. Aber eine wichtige Frage bleibt unbeantwortet. Doch dazu gleich.
John Williams war ein US-amerikanischer Autor und Herausgeber. 1955 bis 1985 lehrte er als
Dozent für Anglistik an der Universität von Denver. Mit diesem Stichwort aus seinem Lebenslauf
ist man fast schon bei der Handlung seines Romanes, auch wenn Williams vorweg Erwartungen
an autobiographische Parallelen herunterschraubt.
Stoner war Williams’ dritter Roman. Er handelt vom Leben eines einfachen Farmer-Jungen, der
abweichend von der familiären Tradition studieren darf, allerdings relativ rasch ohne Wissen seiner
hoffnungsvollen Eltern von seiner initialen Bestimmung eines Agrikulturstudiums zur Fakultät für
Englische Literatur wechselt. Durch stille Strebsamkeit, Begeisterung fürs Fach, Talent, Fleiß und
Ausdauer schafft er es zum Professor.
Das Gerüst dieser beruflichen Lebenslinie wird der kontinuierlichen Zeitachse folgend von einem
Privatleben aufgefüllt, das die üblichen, zeitlosen Stereotypien aufweist. Schüchterner Dozent trifft
schüchternes Mädchen, Heirat, Geburt einer Tochter, Kauf eines Hauses mit fast nicht
schulterbarer Verschuldung, zunehmende Entfremdung der Ehepartner, Affäre mit einer Studentin,
Mobbing am Arbeitsplatz, Tod der Eltern, ungewollte Schwangerschaft der Tochter mit - zu den
damaligen Zeiten - zwangsläufig folgender Verehelichung, Alkoholabhängigkeit der Tochter. In
fortschreitendem Alter Darmkrebsdiagnose und einsamer Tod des Protagonisten zwischen seinen
geliebten Büchern.
Mit leichten Variationen also eigentlich allseits bekannte Variationen des gleichen Themas „Leben“
oder „Life as usual“. Wiedererkennungseffekte en masse.
Der Roman wurde 1965 erstmals in den USA veröffentlicht und fand kaum Anklang. Ein zweiter
Versuch 1973 in England hinterließ ebenfalls keine nennenswerten Spuren. 2006 kam eine
inhaltlich identische Neuausgabe auf den Markt. Das Buch wurde plötzlich von der Kritik
wahrgenommen (darunter einige andere ausser M’Barek), erntete plötzlich höchstes Lob und
entwickelte sich in kurzer Zeit zum Weltbestseller, der ab 2013 auch in deutscher Übersetzung zu
haben war.
Und an dieser Stelle drängt sich die Frage auf: Warum? Wie kam es zu diesem Erfolg im zweiten
oder dritten Anlauf ungefähr 41 Jahre nach der Ersterscheinung?
Alles eine Frage des Zeitgeistes? Literarisch wertvoll waren der oft fast schon poetische Stil, die
empathischen Formulierungen und die bildlich-atmosphärische Ausgestaltung bereits bei der
Erstveröffentlichung. Der Charakter der Hauptfigur William Stoner mit seiner stoisch-ataraktischen
Geisteshaltung und passiven Duldsamkeit findet sein literarisches Pendant im ruhigen,
phasenweise vor sich hinplätschernden Verlauf der Geschichte. Sowohl Stil als auch Hauptfigur
bleiben durchgehend authentisch und gradlinig, alles ergibt sich einfach, alles geschieht einfach.
Das alles wurde nach 1965 nicht umgeschrieben.
Fehlte den Lesern (und Kritikern) Mitte der 60er und 70er Jahre der Sinn für die Schönheit seiner
Sprache oder für die zielsichere und markanten Beschreibung einer Epoche US-amerikanischer
Gesellschaftshistorie? War der Lebenslauf Stoners mit einer Bilderbuch-Karriere heraus aus der
ländlichen Armut für damalige Zeiten vorbildhaft, vielleicht sogar ideal, in jedem Fall aber zu
normal, um Aufsehen zu erregen?
Fiel dies alles im neuen Jahrtausend auf fruchtbareren Boden, da viele Leser mehr reflektierendes
Metaebenen-Denken mitbringen und die Lebenssinn-Frage hinter jeder Ecke lauert? Empfinden
die Menschen in den aktuellen Zeiten des Individualismus und der Singularitätsansprüche diese
altmodisch-konforme Gestalt des William Stoner mit seinem aus heutiger Sicht oft so
unglücklichen Leben als provozierende Reizfigur, da sie einem in vielen Abschnitten des Buches
den Spiegel vorhält? In Augenblicken, in denen man beim Lesen nicht weiß, ob man Stoners
Naturell und Verhalten nun bewundernswert oder empörend finden soll. In denen man mitleidet
und mitfühlt. Eben wie man es von sich selbst kennt.
Der Roman erzählt das Leben eines ganz normalen Mannes, William Stoner, der vom Farmer zum Literaturprofessor wird
Es ist kein lautes oder sehr aufregendes Buch aber genau deshalb für mich persönlich sehr gut es bringt dich zum Nachdenken. Die Sprache ist ruhig und klar viele Szene scheinen unspektakulär aber emotional treffen sie dich richtig.
Ein ruhiger, tiefgründiger Roman über ein ganz gewöhnliches Leben und genau das macht ihn so besonders. Keine großen Dramen, aber viele leise, ehrliche Momente, die lange nachwirken.
Nicht immer leicht zugänglich, aber definitiv lesenswert.
"Stoner"ein leises, tiefgründiges Buch über das Leben, seine Unsicherheiten und die Suche nach Bedeutung.
Kein lauter Klassiker – aber einer, der lange nachwirkt.
Fazit: Ein ruhiger, melancholischer Roman mit großer Tiefe nicht für jeden, aber für mich war es ein echtes Herzensbuch.
Ein sehr bewegendes Buch, und das, obwohl der Schreibstil eher klar, distanziert ist. Williams besticht nicht mit Pathos, sondern mit Nüchternheit. Das heißt allerdings nicht, dass seine Sätze kurz und leer sind, im Gegenteil: Er hat ein unglaubliches Feingefühl, mit dem er mir neue Empfindungen vorstellt und alte Bekannte aufweckt. Man spürt sofort, dass Williams mit Worten umgehen kann; er erzeugt (wie im Anhang beschrieben) eine „unterschwellige, verführerische Melodie der Worte“.
Sollte man den Roman nun nicht aus Liebe zu Sprache lesen, dann um William Stoners Willen. Stoner ist ein demütiger, schicksalergebener und dennoch kein gramgebeugter Mann. Es tut gut, ein wenig seiner Lebensphilosophie aufzusaugen, auch wenn seine Resignation stellenweise fast schmerzlich ruhig wirkt.
Mehr möchte ich nicht vorwegnehmen. Der Roman ist ein stilles Erlebnis, das lange nachhallt.
Ganz tolles, aber auch bedrückendes ( trauriges ) Buch
Ich hatte diese Wiederentdeckung von John Williams schon etwas länger im Regal stehen, habe mich aber nicht getraut zu lesen.
Was soll ich schreiben? Ich bin überrascht. Am Anfang hatte ich ein wenig Schwierigkeiten aber kam dann doch schnell in den Lauf hinein.
William Stoner tat mir an manchen Stellen im Buch schon Leid und mit diesem tragischen Ende, habe ich nicht gerechnet. War schon traurig und bedrückend.
Aber ganz klare Leseempfehlung!
Oh mein Gott...warum habe ich dieses Buch nicht schon viel eher gelesen. Es lag so lange auf meinem SUB und zwischenzeitlich wollte ich es sogar aussortieren.
Dank einer Booktuberin habe ich mich dann aber durchgerungen und es hat mich so tief berührt.
Wir lesen hier die Geschichte von William Stoner, der aus einfachen Verhältnissen stammt. Sein Vater schickt ihn auf die Universität, um Agrarwirtschaft zu studieren und im Anschluss frischen Wind auf die elterliche Farm zu bringen.
Während des Studiums entdeckt Stoner seine Leidenschaft für Literatur, wechselt den Studiengang und wird Professor.
Wir begleiten ihn auf seinem Lebensweg, der eigentlich nicht besonders aufregend ist, aber mich dennoch so gefesselt hat.
Ich hatte das Gefühl, ihn persönlich zu begleiten und bin ihm dementsprechend nah gekommen.
An einigen Stellen hätte ich ihn gerne geschüttelt und gefragt:"Warum lässt Du Dir das alles gefallen?"
Es war eine unglaublich bewegende Story und sie wird mir für immer im Gedächtnis bleiben.
Vor vielen Jahren gelesen. Der angenehme Schreibstil von John Williams ist mir bis heute gut in Erinnerung. Ich mochte die Atmosphäre des Buches und die Art und Weise, wie John Williams seinen Protagonisten gezeichnet hat, sehr. Habe es wirklich gern gelesen.
Das beste Buch, das ich je lesen durfte und eines der wenigen, die ich mehrfach gelesen habe. Die Geschichte um Stoner gehört zu den besten, die je geschrieben wurden.
Die Geschichte eines Mannes, dessen einziger Halt und Zuflucht im Leben die Literatur ist.
Alle Beziehungen in William Stoners Leben gehen zu Bruch und seine Passivität und Melancholie diesbezüglich machen einen zweitweise beinah wütend. Trotzdem hat seine Geschichte etwas unerklärlich tröstliches, vielleicht gerade aufgrund seiner Menschlichkeit, die durch John Williams dichte und schmucklose Sprache so gut zum Ausdruck gebracht wird.
As someone aspiring to do academic research and teaching, I saw myself in the personality of Stoner. Although, I think we differ in many respects, I learned a lot about myself while reading this book. The most important question I had about the live of Stoner was why he had to suffer so much sometimes. I really want to answer that question in future rereadings of this masterpiece.
Ich habe noch nie am Ende eines Hörbuchs so viel geweint. Ich wollte ihn nicht gehen lassen - Prof. William Stoner, eine der faszinierendsten und klügsten und einsamsten Figuren der Literatur. Wenn man selbst Literatur studiert hat, wünscht man sich, man hätte von ihm unterrichtet werden dürfen, letztlich vielleicht auch (dann und wann) man wäre er. Oft habe ich bei Hören mit all den falschen Entscheidungen meines Lebens gehadert und versuche nun meinen Frieden damit zu machen, dass ich das Angebot, an der Universität zu bleiben, damals aus falscher Loyalität ausgeschlagen habe...
Eine simple, aber auch sehr eindrückliche Literatur
William Stoner führt ein Leben, dass viele Menschen als wenig spektakulär bezeichnen würden. Er wächst auf einer Farm in Missouri auf und beginnt zu seinem 19. Lebensjahr das Studium der Agrarwissenschaften. Durch eine prägende Begegnung mit einem Dozenten entdeckt Stoner jedoch seine Liebe zur Literatur, wechselt sogleich das Studienfach und wird schließlich ein mehr oder minder erfolgreicher Literaturprofessor. In seinen frühen Zwanzigern lernt er seine Frau Edith kennen, mit der er bis zu seinem Lebensende eine nicht erfüllende Ehe führt. Lediglich eine außereheliche Liebschaft lässt ihn kurzzeitig fühlen, was es bedeutet, wahrhaftig geliebt zu werden.
Wie ihr bereits aus Stoners kurzer Vita herauslesen könnt, zeichnet sich sein Leben durch chronische Mittelmäßigkeit aus. Im Zentrum des Buches steht die Frage, die auch dem modernen Menschen immer mal wieder in den Kopf schießt: Was macht mein Leben lebenswert? Und wer legt eigentlich fest, was das Leben lebenswert macht? Denn von außen betrachtet, ist Stoners Leben nicht das, was man gemeinhin als bemerkenswert oder erfüllend betiteln würde. Doch Stoner tut etwas, was einige Menschen im Zuge ihres Lebens verlernen: Er bleibt sich selbst treu. Obwohl er in manchen Situationen so sehr leidet, dass es beim Lesen wehtut, hat er seine Werte nie verraten und die Konsequenzen seines Handelns stoisch ertragen. Somit liegt Stoners Leben eine gewisse Würde zugrunde, die sich nicht durch große Taten oder sichtbaren Erfolg auszeichnet, sondern im Ertragen des Leides und im Festhalten an seiner größten Passion, der Literatur, liegt.
Mit ‚Stoner‘ hat John Williams einen Roman erschaffen, der ohne schnörkelige Redewendungen, imposante Satzschachtelungen oder eine dramatische Handlung auskommt. Vielmehr steht die Durchschnittlichkeit von Stoner im Mittelpunkt, dessen Innenleben in einer einzigartigen sprachlichen Klarheit dargelegt wird. Besonders die letzten Seiten empfand ich als sehr berührend und haben mich darüber nachdenken lassen, was das Leben wirklich lebenswert macht.
Eine Aneinanderreihung von Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten. Stoners stoisches Ertragen dieser Zustände ist bewundernswert und quälend zugleich. Zuweilen hat es für mich gar etwas ekelhaftes - nämlich dann, wenn der Protagonist derart apathisch ist, dass er damit zum Mittäter wird. Er vermittelt nicht, er löst nicht auf, er reflektiert nicht, verzichtet nicht.
Sprachlich und technisch hat mir der Roman sehr gefallen. Und er hat große Emotionen in mir hervorgerufen. Was will Leser*in mehr? Aber persönlich würde ich mir die verzweifelte Wut gegenüber Stoners Nichtstun und die sich ausagierenden Memschen um ihn herum nicht nochmal im Feierabend antun :)
Ein wundervoller Roman über Liebe, Verlust, Ehe, gesellschaftliche Erwartungen und den Tod. Der Schreibstil ist klar und eindrucksvoll. Ein fantastisches Buch!
Zuerst hab ich mich mit dem Buch etwas schwer getan und habe nicht so richtig verstanden, in welche Richtung die Geschichte überhaupt gehen soll.
Aber als dem Hauptprotagonisten dann immer wieder schlimme Dinge angetan wurden im Verlaufe des Buches ("seines Lebens"), konnte ich nicht anders, als mit ihm zu fühlen.
Immer wieder hat "Stoner" kurze Augenblicke im Leben, die ihn zu einem glücklichen Menschen machen, welche ihm dann aber auch wieder auf umso grausamere Art und Weise wieder genommen werden.
Und nachdem die Menschen in seinem Leben mit ihm fertig sind, entscheidet einfach das Schicksal, wie es zu Ende gehen soll.
=> Traurig und Mitgefühlerregend
Hmmmm! Schwierig dieses Meisterwerk zu beschreiben. Es ist die Geschichte eines Mannes, die Geschichte seines Lebens und nicht zuletzt auch der Liebe zur Literatur.
Ich bereue bei so wunderbar übersetzten Büchern nicht in der Lage zu sein, diese Werke in der Originalsprache lesen zu können. Die Sprache des Buches ist wunderschön, die Geschichte berührend. Ich habe noch nie eine Beschreibung des Sterbeprozess, beschrieben aus der Perspektive des Sterbenden, als so wunderbar nachvollziehbar und ästhetisch empfunden wie am Ende dieses Buchs. Ein Buch das noch lange in mir nachhallen wird.
Ein gelungenes Leben misst sich nicht an Sichtbarkeit oder Applaus, sondern an der Treue zu sich selbst.
Ein gelungenes Leben muss nicht sichtbar oder anerkannt sein, um wertvoll zu sein. Stoner von John Williams zeigt, dass innere Wahrhaftigkeit, Integrität und Treue zu sich selbst mehr zählen als äußere Erfolge oder Applaus.
In einer Welt, die Sichtbarkeit mit Bedeutung verwechselt, erinnert uns Stoners stilles Leben daran, dass Echtheit auch im Unbeachteten bestehen kann.
Auch wenn ein solches Leben einsam oder tragisch wirkt, ist es nicht weniger gültig. Gelungen ist ein Leben, wenn es dem eigenen inneren Maßstab folgt - standhaft, bewusst und ohne Selbstverrat - selbst dann, wenn niemand es bemerkt.
stoner ist eins dieser stillen, unscheinbaren bücher, die einem trotzdem richtig unter die haut gehen. die geschichte von william stoner, einem einfachen literaturprofessor, klingt auf den ersten blick nicht nach viel, aber genau darin liegt die stärke des romans.
was john williams hier schafft, ist einfach krass: er nimmt ein leben, das von außen betrachtet total gewöhnlich, fast langweilig wirkt, und zeigt uns, wie viel bedeutung, schmerz, schönheit und tragik darin steckt. stoners leben ist geprägt von verpassten chancen, einsamkeit und kleinen momenten des glücks und trotzdem hat man nie das gefühl, dass es sinnlos war. im gegenteil: gerade weil es so ehrlich erzählt wird, fühlt man sich stoner so nah wie kaum einer anderen literaturfigur.
der schreibstil ist ruhig, klar und ohne schnickschnack, genau das macht ihn so intensiv. williams beschreibt gefühle, ohne sie auszuschlachten. er vertraut darauf, dass wir zwischen den zeilen lesen können. und das können wir.
was mir besonders gefallen hat, ist, wie das buch zeigt, dass ein "unauffälliges" leben trotzdem bedeutungsvoll ist. es geht nicht um große heldentaten oder dramatische wendungen, sondern um treue, leidenschaft (vor allem für literatur) und darum, sich selbst treu zu bleiben – auch wenn’s nicht einfach ist.
für mich ist stoner ein absolutes meisterwerk. ein buch, das einem zeigt, wie wertvoll und tragisch das ganz normale leben sein kann. ich hab selten ein buch gelesen, das so ehrlich und schonungslos, aber gleichzeitig so warmherzig war. große empfehlung!
Stoner ist ein stilles, eher unaufgeregtes Buch, das mich aber trotzdem ziemlich berührt hat. Es erzählt das Leben von William Stoner, einem einfachen Mann, der Professor wird und trotz vieler Rückschläge irgendwie still seinen Weg geht.
Manche Passagen – vor allem die über Literatur und seine Arbeit an der Uni – fand ich etwas langatmig, aber nie wirklich langweilig. Im Gegenteil: Das Buch ließ sich insgesamt gut lesen, der Stil ist ruhig und klar.
Die Geschichte geht unter die Haut und berührt die Seele!
Ein Klassiker, den es sich zu lesen lohnt! 🤓 Anfangs hatte ich etwas Schwierigkeiten in die Geschichte zu kommen. Doch mit jeder weiteren Seite fesselte mich die Geschichte um den stoischen und liebenswerten Protagonisten William Stoner mehr und mehr. John Williams schafft es, seine Leser nach und nach mit Leib und Seele ins Geschehen zu ziehen. Denn die Lebensgeschichte Stoners ist an sich banal, jedoch zunehmend bewegend, traurig bis zuletzt tröstend. 🥺 Meiner Meinung nach war es absolut richtig, dieses literarische Werk aus den 60ern noch einmal neu aufzulegen. Es geht unter die Haut und berührt die Seele! 💔
Es ist bewundernswert wie solch ein “normales” Buch, solche Emotionen hervorbringt.
Der Schreibstil ist recht interessant. Er zeichnet sich nicht durch irgendwelchen besonderen Stilmittel aus und man kann leicht folgen.
Die Geschichte ist ebenfalls ziemlich unkompliziert und sehr “straight-forward”. Wir folgen der Geschichte von William Stoner, von seiner Jugend bis ins Alter. Es gibt keine Abschweife und alles folgt einem linearen Muster.
Stoner wuchs auf einer Farm in den USA auf, an einem abgelegen Ort ohne Geld und ohne Perspektiven. Seine Eltern wollten ihm - aber auch sich selbst - eine bessere Zukunft ermöglichen und schickten ihn auf eine Uni, auf der er dann Literaturwissenschaften studierte. Ihm gefiel das Leben auf der Uni so sehr, dass er beschloss dort zu lehren. Sein Farmleben hinter sich lassend, baut er sich ein neues auf. Er heiratet, bekommt ein Kind, lehrt an der Uni, schreibt Bücher. Sein Privatleben brilliert nicht voller Freude und beruflich steht er auch an der gleichen Stelle.
Es ist also eine Geschichte von einem ganz normalen Mann mit einem ganz normalen Leben. Wir begleiten Stoner bei seinen Tiefs, seinen Hochs, seinem monotonen, teils tristen, Alltag.
Wieso ist also solch eine “langweilige” Geschichte so herausragend? Während des Lesens wird man begleitet von einer Art Melancholie. Man sieht Stoner, man fühlt mit ihm und man wünscht ihm etwas besseres. Aber irgendwo fühlt sich das alles auch realistisch an. Er ist einfach ein ganz normaler Mann, der viel einstecken musste. Man baut langsam eine Bindung zu ihm auf und wird emotional, wenn man miterlebt, was er alles durchmachen muss. Und die Sache ist: er beschwert sich nicht einmal. Stoner ist ein ruhiger Mensch, ein geduldiger Mensch und vor allem auch bodenständig. Und genau diese ruhige Art führte dazu, dass er sich langsam und unbemerkt ins Herz des Lesers stielt.
"...infolge einer Gleichgültigkeit, die für ihn zur Lebensart wurde..."
Mit unfassbare Gleichmut geht William Stoner durch sein Leben. Geboren auf einer Farm, die kaum soviel einbringt, dass es für seine Eltern und ihn zum Leben reicht. Durch reinen Zufall landet Stoner an einer Uni und soll auf Wunsch seiner Eltern moderne Agrarwirtschaft studieren, doch Stoner wechselt den Studiengang hin zur Literatur und erzählt seinen Eltern erst beim Abschluss davon. Auch sie nehmen dies mit stoischer Gelassenheit hin.
Und so begleiten wir diesen ruhigen, klugen uns sympathischen Mann durch sein Studium, seine akademische Laufbahn und seine freudlose und unfassbar trostlose Ehe. Einziger Lichtblick wird seine zauberhafte Tochter Grace, zu der er eine innige Gemeinschaft entwickelt. Doch auch der Zerstörung dieser Beziehung durch seine Frau schaut er tatenlos zu. Wehrt sich nicht, lässt Grace in den Fängen dieser schrecklichen Frau und sieht zu wie diese die gemeinsame Tochter drangsaliert.
Auch an der Universität lässt er sich rumschubsen, begehrt nicht auf gegen Ungerechtigkeiten seiner Person gegenüber. Doch Stoner ist die meiste Zeit nicht unglücklich mit seinem Leben, versöhnt sich mit all diesen Lebenssituationen.So ist dieser ganze Roman zwar irgendwie dunkel, still und depressiv, aber nie unglücklich. Im Gegenteil, er lässt einen irgendwie demütig werden und ist unglaublich lesenswert, man merkt ihm kein bisschen an, daß er bereits 1965 veröffentlicht wurde.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen!
Der Roman ist in einem nüchternen, fast distanzierten Stil geschrieben, der die emotionale Kargheit von Stoners Leben widerspiegelt. Seine Ehe ist unglücklich, seine Karriere von Enttäuschungen geprägt und seine Leidenschaft für die Literatur wird von seinen Kollegen nicht geteilt. Einige Aspekte machen mich als Leser sehr wütend auf sein passives,hinnehmendes Verhalten, welches aber eine psychologische und soziologische Realität wiedergibt.
„Stoner“ ist kein Roman der großen Ereignisse, sondern ein Werk der leisen Töne, das die Schönheit und Tragik eines gewöhnlichen Lebens einfängt.und einen Einblick in die Bedeutung von Arbeit, Liebe und dem Streben nach Wissen bietet.
„Er hatte Weisheit erstrebt und am Ende langer Jahre Unwissenheit erlangt.“
Dieses Zitat beschreibt meiner Meinung nach das - wie es scheint - einfache Leben des Dozenten William Stoner sehr gut.
Sehr gutes Buch, zum Ende hin wird es finde ich emotional. Man begleitet das Leben eines einfachen Menschen von Geburt bis zu seinem letzten Tag.
Stoner von John Williams ist ein außergewöhnliches Buch, ein leises Meisterwerk, das mich tief berührt hat. Es erzählt die Lebensgeschichte von William Stoner, einem einfachen Bauernsohn aus Missouri, der Anfang des 20. Jahrhunderts an der Universität Literatur studiert und schließlich selbst Professor wird. Was auf den ersten Blick wie ein unscheinbares Leben erscheint, entpuppt sich als eine Erzählung von großer Tiefe, Traurigkeit und Schönheit.
Das Buch beginnt mit Stoners bescheidener Herkunft und schildert, wie er durch die Entdeckung der Literatur eine Leidenschaft findet, die sein Leben prägt. Er entscheidet sich gegen ein Leben auf der Farm und wählt stattdessen den akademischen Weg, eine Entscheidung, die ihn in vielerlei Hinsicht von seiner Familie entfremdet. Stoners Ehe mit Edith, einer instabilen und distanzierten Frau, wird zu einer Quelle großer Enttäuschung und Einsamkeit. Und doch leuchtet immer wieder ein Funken Hoffnung in seinem Leben auf – besonders in der zarten, leidenschaftlichen Liebesaffäre mit Katherine Driscoll. Doch selbst diese Liebe opfert er letztlich aus Angst vor gesellschaftlicher Ächtung und den Konventionen seiner Zeit.
Was John Williams hier schafft, ist bemerkenswert. Stoner ist nicht nur die Geschichte eines einzelnen Mannes, sondern ein universelles Porträt der stillen Tragik des Lebens. Der Roman spielt während des Ersten und Zweiten Weltkriegs, und man spürt die Härten und Unsicherheiten dieser Zeit, auch wenn die Kriege eher im Hintergrund bleiben. Die Menschen damals waren gefangen zwischen Pflichterfüllung, gesellschaftlichen Erwartungen und den eigenen unerfüllten Träumen. Stoners Leben zeigt, wie schwer es ist, echte Erfüllung zu finden – sei es in der Liebe, im Beruf oder in der Familie.
Trotz aller Melancholie ist Stoner aber auch ein Buch über die Schönheit von Sprache und Literatur. Als Literaturprofessor widmet sich Stoner mit Hingabe der Lyrik, der Grammatik und der Kunst des Schreibens. Diese Passion bleibt sein Halt in einem ansonsten oft unerbittlichen Leben. Es ist bewegend, wie Williams die Liebe zur Sprache fast greifbar macht, wie er zeigt, dass Literatur nicht nur ein Studienfach ist, sondern eine Quelle von Trost und Bedeutung.
Die Sprache von John Williams ist schlicht und doch voller Eleganz. Er schreibt mit einer Klarheit, die jedes Wort, jeden Satz bedeutungsvoll macht. Wie Williams es schafft, so viele Emotionen und Gedanken in scheinbar unspektakulären Momenten zu verdichten, ist beeindruckend. Es ist kein Buch voller Action oder Dramatik, aber es ist ein Buch voller Leben – ein Roman, der uns an die Zerbrechlichkeit und Schönheit unserer Existenz erinnert.
Am Ende bleibt Stoner ein zutiefst menschlicher Roman. Es ist die Geschichte eines Mannes, der vieles verliert, vieles nicht erreichen kann und dennoch durch seinen stillen, beständigen Einsatz für das, was ihm wichtig ist, Größe zeigt. Seine Liebe zur Literatur ist sein Vermächtnis, und vielleicht ist es das, was uns Leser am meisten inspiriert: die Überzeugung, dass in den kleinen Dingen des Lebens – in einem Buch, einem Gedicht oder einem Moment der Ehrlichkeit – ein tiefer Sinn liegt.
Wer John Williams noch nicht kennt, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Und wer danach noch mehr möchte, dem empfehle ich sein Werk Augustus – ein weiterer Beweis für Williams’ unglaubliches Talent, Menschen und ihre Geschichten auf Papier lebendig werden zu lassen.
Ein Buch wie Stoner liest man nicht oft im Leben. Es ist ein Geschenk, ein stiller Schatz, der lange nachklingt.
Stoner erzählt die Geschichte eines Mannes aus einfachen Verhältnissen der eine Universelle Karriere beginnt, mit allen Höhen und Tiefen, die das Leben so mitbringt. Es ist leise, ehrlich und trotzdem total packend. Dabei zeigt es auf eine wunderschöne Art, wie viel Schönheit im ganz Alltäglichen steckt. Ich habe einfach so mitgefühlt und gemerkt, wie viel in einem scheinbar einfachen Leben stecken kann.
"Stoner" zeichnet das Leben von William Stoner nach, geboren Ende des 19. Jahrhunderts als Sohn von armem Kleinbauern, der ursprünglich Landwirtschaft studiert und an der Universität seine Liebe zur englischen Literatur entdeckt. Er wechselt den Studiengang, promoviert später und wird zwar sogar Professor für englische Literatur, eine richtige akademische Karriere bleibt aber aus. Seine Ehe mit Edith wird sehr schnell unglücklich, das Verhältnis zu seiner einzigen Tochter, das anfangs sehr innig war, wird durch Interventionen von Edith schwierig, und auch seine Affäre mit der Doktorandin Katherine muss er auf Druck der Universität aufgeben - und schließlich stirbt er kurz vor seiner Pensionierung an Darmkrebs.
Auch wenn das alles sehr freudlos klingt, hat mir dieses Buch doch sehr zugesagt. In den 1960er Jahren das erste Mal veröffentlicht, war es anfangs eher erfolglos, wurde aber in den letzten Jahren/Jahrzehnten wiederentdeckt, meines Erachtens verdient. Von mir persönlich eine Leseempfehlung, auch wenn ich mich in den Schreibstil erstmal etwas einlesen musste, daher ein subjektiver halber Punkt Abzug.
Sehr emotionale und melancholische Geschichte.
Man denkt beim lesen viel über den Sinn und Unsinn des Lebens nach
Wie sooft in solchen Geschichten, wurde mit den Negativmomenten nicht gespart, was mir persönlich manchmal etwas zu viel war.
Als Ganzes jedoch ein sehr gutes Buch.
3,5 Sterne.
Stoner ist eine sehr düstere, melancholische Geschichte, über einen Mann der seinen Weg im Leben sucht. Das Buch hat eine ruhige Erzählart ohne große Aufregung und es tat gut in den Zeilen zu verweilen. Es erzählt fast ein ganzen Leben, auf sehr menschliche Weise.
Obwohl der Titel ein bisschen irreführend ist, habe ich das Buch sehr genossen. Es passiert zwar recht wenig, doch trotzdem bleibt die Geschichte ein Leben lang in den Erinnerungen (ich habe es letzte Woche fertig gelesen). Es ist ein toller Einblick in das Leben eines Professors und hat mich auch inspiriert, meinen Wissensdurst durch ein Studium zu stillen.
An ordinary man living an ordinary life. Sounds boring?
It isn't. At the beginning I wasn't really sure whether I'd like this book or not, but with every word, every sentence, every chapter I got more and more curious about this man's life and choices. And it didn't matter that he wouldn't do anything out of the ordinary, extremely brave, daring, or surprising. I liked this book. And I'd recommend it to anyone who still isn't sure whether an "ordinary" life is worth writing about.
Lag's an der Übersetzung oder am Buch? Leider konnte mich die Sprache nicht mehr ganz so begeistern wie in Williams' anderem Buch Butcher's Crossing. Die Entwicklung des Protagonisten empfand ich dort ebenfalls besser dargestellt. Auch Stoner ist natürlich kein fröhliches Buch, der Protagonist muss so einiges ertragen, doch schienen mir manche Geschehnisse etwas konstruiert und schwer nachvollziehbar. Dies war bei Butcher's Crossing realistischer. Trotzdem: ein herausragendes Buch über ein kleines Leben, dessen Sinn und Sackgassen.
Das ist ein ganz schwer zu beurteilendes Buch für mich. Aufgrund der vielen positiven Kritiken war ich beim Lesen stets auf der Suche nach dem Reiz, der dieses Buch ausstrahlen soll. Ich habe ihn an manchen Stellen gefunden, aber blieb am Ende dann doch vielfach enttäuscht zurück, so dass ich seit Tagen rekapituliere, was ich da gelesen habe.
Also, Entscheidung getroffen, das Buch war gut und ich empfehle es weiter. Es ist schön geschrieben oder besser gesagt, beschrieben, denn die meiste Zeit verbleibt der Erzähler bei der Wiedergabe der Handlungsebene. Die Gründe für das Handeln der einzelnen Personen stehen eindeutig im Hintergrund und daher dient die Geschichte des Einzelgängers William Stoner auf seinem Weg vom Farmersohn zum Universitätsprofessor auch in erster Linie als Chronologie. Diese eindimensionale Erzählweise wird auch nur auf der erste Seite gebrochen, wenn mit einem kurzen Abriss gleich die wesentlichen Lebens- und Sterbedaten des Protagonisten und seine Charaktereigenschaften und sein Ruf bekannt gegeben werden. Danach schreiten die Seiten im Buch fort wie das Ticken eines Uhrwerks, ohne Rückblenden, ohne Reflektionen. Diese Stilmittel ist einerseits fesselnd in seiner fortschreitenden Dynamik, andererseits aber auch stilistisch irgendwie wenig fordernd für den Leser. Aber dafür schön formuliert.
Stoner ist ein gleichmütiger Mensch, der es nie schafft, sein Leben tatkräftig selbst zu bestimmen. Er tut, was man ihm sagt. Er arbeitet auf der Farm und geht dann auf Wunsch seines Vaters zur Uni. Er heiratet aus einem diffusen Pflichtgefühl ohne besondere Liebe eine Frau, die ihn ebenfalls nicht liebt, sondern sogar hasst. Sie bestimmt sein Leben im Haushalt und er lässt sich dirigieren. Wie zu Hause, so hat er auch an der Universität als Lehrkraft nicht die Fäden des Handelns in der Hand. Und wenn er sie mal ergreifen will, verliert er die Machtkämpfe gegen andere Studenten und Professoren. Nur die Literatur schenkt ihm die Zufriedenheit und Kraft, die zum Weiterleben benötigt.
Kann man aus der Geschichte dieses Stoikers etwas lernen? Eher nicht, denn im Grunde will man Stoner auf jeder Seite endlich die Durchsetzungskraft wünschen, die ihn in ein selbstbestimmtes Leben leiten würde. Leider bleiben viele Fragen am Ende für mich offen. Warum ist Stoner gleichmütig? Ist es sein Charakter oder ist er Opfer der Umstände? Warum geht seine Frau die Ehe ein, obwohl sie ihn nicht liebt?
„Lerne leiden ohne zu klagen“. Dieser Spruch steht in meinem Elternhaus gestickt und eingerahmt in der Küche. Die Sorgen Stoners sind mir seit jeher nicht fremd und sind sogar aktueller denn je. Das Buch regt zum Nachdenken über die Antriebskräfte im eigenen Leben an, aber es bietet kaum Lösungen. Wenn es einer Lösung gibt, dann heißt sie Literatur und permanentes Lernen. In dieser fiktiven Welt findet Stoner seine Ruhe und im Grunde tun wir das doch alle, die gerne und viel lesen und uns hier auf Goodreads tummeln. Und so ist Stoner dann doch irgendwie ein Hiob, nur heißt sein Allmächtiger nicht Gott, sondern Shakespeare. Im Gegensatz zu Hiob gibt es keine nahe stehenden Personen, die im ins Gewissen reden und zur Rebellion aufrufen. Und so endet dieses zutiefst traurige Leben in Schmerzen und in schneller Vergessenheit. Da bleibt selbst die Liebesgeschichte zu einer Studentin, die der einzige Sonnenschein in diesem traurigen Buch ist, nur eine kurze Episode im Leben eines Menschen, der zum Ertragen geboren wurde.
Auch wenn mein Review jetzt vielleicht negativ klang, gebe ich eine unbedingte Leseempfehlung.
Richtig schön und atmosphärisch geschrieben. Das Leben von Stoner wird von Anfang bis Ende so erzählt, dass ich mir die jeweilige Stimmung richtig vorstellen und einverleiben kann. Schön um richtig in seine Geschichte einzutauchen und mich mitreißen zu lassen 😊
Das ist ein ganz schwer zu beurteilendes Buch für mich. Aufgrund der vielen positiven Kritiken war ich beim Lesen stets auf der Suche nach dem Reiz, der dieses Buch ausstrahlen soll. Ich habe ihn an manchen Stellen gefunden, aber blieb am Ende dann doch vielfach enttäuscht zurück, so dass ich seit Tagen rekapituliere, was ich da gelesen habe.
Also, Entscheidung getroffen, das Buch war gut und ich empfehle es weiter. Es ist schön geschrieben oder besser gesagt, beschrieben, denn die meiste Zeit verbleibt der Erzähler bei der Wiedergabe der Handlungsebene. Die Gründe für das Handeln der einzelnen Personen stehen eindeutig im Hintergrund und daher dient die Geschichte des Einzelgängers William Stoner auf seinem Weg vom Farmersohn zum Universitätsprofessor auch in erster Linie als Chronologie. Diese eindimensionale Erzählweise wird auch nur auf der erste Seite gebrochen, wenn mit einem kurzen Abriss gleich die wesentlichen Lebens- und Sterbedaten des Protagonisten und seine Charaktereigenschaften und sein Ruf bekannt gegeben werden. Danach schreiten die Seiten im Buch fort wie das Ticken eines Uhrwerks, ohne Rückblenden, ohne Reflektionen. Diese Stilmittel ist einerseits fesselnd in seiner fortschreitenden Dynamik, andererseits aber auch stilistisch irgendwie wenig fordernd für den Leser. Aber dafür schön formuliert.
Stoner ist ein gleichmütiger Mensch, der es nie schafft, sein Leben tatkräftig selbst zu bestimmen. Er tut, was man ihm sagt. Er arbeitet auf der Farm und geht dann auf Wunsch seines Vaters zur Uni. Er heiratet aus einem diffusen Pflichtgefühl ohne besondere Liebe eine Frau, die ihn ebenfalls nicht liebt, sondern sogar hasst. Sie bestimmt sein Leben im Haushalt und er lässt sich dirigieren. Wie zu Hause, so hat er auch an der Universität als Lehrkraft nicht die Fäden des Handelns in der Hand. Und wenn er sie mal ergreifen will, verliert er die Machtkämpfe gegen andere Studenten und Professoren. Nur die Literatur schenkt ihm die Zufriedenheit und Kraft, die zum Weiterleben benötigt.
Kann man aus der Geschichte dieses Stoikers etwas lernen? Eher nicht, denn im Grunde will man Stoner auf jeder Seite endlich die Durchsetzungskraft wünschen, die ihn in ein selbstbestimmtes Leben leiten würde. Leider bleiben viele Fragen am Ende für mich offen. Warum ist Stoner gleichmütig? Ist es sein Charakter oder ist er Opfer der Umstände? Warum geht seine Frau die Ehe ein, obwohl sie ihn nicht liebt?
„Lerne leiden ohne zu klagen“. Dieser Spruch steht in meinem Elternhaus gestickt und eingerahmt in der Küche. Die Sorgen Stoners sind mir seit jeher nicht fremd und sind sogar aktueller denn je. Das Buch regt zum Nachdenken über die Antriebskräfte im eigenen Leben an, aber es bietet kaum Lösungen. Wenn es einer Lösung gibt, dann heißt sie Literatur und permanentes Lernen. In dieser fiktiven Welt findet Stoner seine Ruhe und im Grunde tun wir das doch alle, die gerne und viel lesen und uns hier auf Goodreads tummeln. Und so ist Stoner dann doch irgendwie ein Hiob, nur heißt sein Allmächtiger nicht Gott, sondern Shakespeare. Im Gegensatz zu Hiob gibt es keine nahe stehenden Personen, die im ins Gewissen reden und zur Rebellion aufrufen. Und so endet dieses zutiefst traurige Leben in Schmerzen und in schneller Vergessenheit. Da bleibt selbst die Liebesgeschichte zu einer Studentin, die der einzige Sonnenschein in diesem traurigen Buch ist, nur eine kurze Episode im Leben eines Menschen, der zum Ertragen geboren wurde.
Auch wenn mein Review jetzt vielleicht negativ klang, gebe ich eine unbedingte Leseempfehlung.
Über die Liebe zur Sprache und Literatur, gesellschaftliche Erwartungen, Menschlichkeit und den Trott des Lebens. Ich kann es nicht beschreiben, aber irgendwas hatte das Buch an sich was mich in seinen Bann gezogen hat.
vllt mal an eigene nase packen und überlegen ob man selber das problem ist? der sitzt alles einfach nur aus und wartet darauf bis es besser wird. mach doch bitte mal irgendwas