23. Juni
Rating:5

Wow. Dieses Buch sollte man unbedingt lesen. Es schafft Einblicke und Ausblicke, die einen wieder optimistischer in die Zukunft blicken lassen. Und gleichzeitig hat es mir die Augen geöffnet, um Dinge wieder kritischer zu hinterfragen. Vielen Dank an den Autor für seine mutigen und sehr gut recherchierten Weisheiten jenseits der Komik. 😍👍

Lichtblick statt Blackout
Lichtblick statt Blackoutby Vince Ebertdtv Verlagsgesellschaft
27. Feb.
Rating:1

Vermutlich ein lesenswertes Buch für Personen, die einfach nur eine Bestätigung ihrer Meinung hören wollen, dass das mit dem Klimawandel alles gar nicht so schlimm wird. Das wird allerdings auch nur für jene funktionieren, die selbst kaum Ahnung vom Thema und auch gar kein Interesse daran haben, sich ein umfassendes Bild der Situation zu machen. Vom Anspruch an gründliches wissenschaftliches Arbeiten mal ganz zu schweigen. Ich hoffe ja sehr, dass Vince Ebert recht hat mit dem, was er schreibt. Aber wenn man sich auch nur halbwegs ernsthaft mit der Klimakrise auseinandergesetzt hat, offenbart sich schnell, wie lückenhaft seine Argumentation ist. Vieles von dem was er schreibt ist nicht falsch. Allerdings zeichnet er durch das, was er nicht schreibt, also die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die er scheinbar ganz bewusst aus seiner Argumentation weglässt, ein so deutliches Bild, dass die einleitenden Worte, er wolle mit einer umfassenden Darstellung aller Fakten zum Selbstdenken anregen, fast wie Hohn wirken. So erwähnt er zum Beispiel den IPCC-Bericht, pickt dann aber für seine Argumentation ernsthaft heraus, dass daran das Wort Apokalypse ja gar nicht vorkommt. Auch sagt er, dass sich Hunger und Armut laut IPCC selbst im Worst-Case-Szenario reduzieren würden. Die angegebene Quelle existiert nicht (Quelle 30 in Lösungen und Alternativen) und wenn man im IPCC-Bericht selbst mal nach den Worten hunger oder poverty sucht, zeigt sich ein gänzlich anderes Bild. An einigen Stellen werden Zusammenhänge dann so stark simplifiziert, dass die Argumentation in den Populismus abdriftet. So sei „unsere Konzentration auf Klimaschutz, Energiewende und Weltrettung" daran schuld, dass wir uns energiepolitisch von Putin abhängig gemacht haben. Auch einzig und allein die Energiewende sei dafür verantwortlich, dass der Strom seit den 80ern teurer geworden ist. Und allein die Tatsache, dass wir den Umstieg auf Erneuerbare noch nicht geschafft haben, zeige doch, dass er nicht funktionieren kann. Von einem (wie er nicht müde wird zu betonen) studierten Physiker und Wissenschaftsfreund könnte man eigentlich erwarten, dass er den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität verstanden hat. Neben der Tatsache, dass er alles, was ihm argumentativ nicht in den Kram passt, einfach weglässt, wiederspricht er sich in dem was er schreibt ständig selbst. Wenn in Meinungsumfragen gesagt wird, dass der Klimawandel das größte Problem der Menschheit sei, dann nur, weil die Menschen das antworten, was sozial erwünscht sei. Sobald eine Umfrage dann aber wieder seine eigene Argumentation stützt, sind sie natürlich eine verlässliche Quelle. Ökologisches Bewusstsein spiele zwar für die Kaufentscheidungen der Mehrheit überhaupt keine Rolle, an anderer Stelle wird aber argumentiert, dass nichts so häufig von Marken beworben wird wie grün, öko und bio. Während Berechnungen eines Klimaforschers zur Dekarbonisierung als in der Praxis unrealistisch abgetan werden, schwärmt er selbst von (noch nicht einmal existierenden) technischen Innovationen, die die Klimakrise für uns regeln werden. Ähnlich selektiv wie seine Argumentation ist die Art zu zitieren. Quellen werden anscheinend nur dann angegeben, wenn sie genau zum eigenen Standpunkt passen. An vielen Stellen werden Aussagen überhaupt nicht belegt. Stützt eine wissenschaftliche Untersuchung nicht seine Meinung, wird einfach die Originalstudie vorenthalten und stattdessen ein Meinungsbeitrag über diese zitiert (Quelle 11 in Mythen und Halbwahrheiten). Auffällig ist auch, dass er eigentlich keine Meta-Analysen zitiert, sondern immer nur Einzelstudien, die dann teilweise auch nicht mehr ganz sind. Eine kurze, stichprobenartige Recherche zu einzelnen Quellen reicht, um aktuellere Meta-Analysen zu finden, die dann als deutlich differenzierteres Bild präsentieren (z.B. Quelle 33 in Denkfallen und Irrationalitäten). Entweder wurde hier einfach schlampig gearbeitet oder eben ganz bewusst selektiert, um den eigenen Standpunkt zu stärken. Selbst wenn ich das selektive Berichten von Fakten und den dadurch offenbarten Versuch, die eigene Meinung als wissenschaftlichen Konsens zu verkaufen, in meiner Bewertung außer Acht lassen würde, bliebe noch immer ein argumentativ in sich unschlüssiges Buch zurück, das an grundlegendsten Standards wissenschaftlichen Arbeitens scheitert. Vince Ebert sollte vielleicht seine eigenen Worte etwas ernster nehmen: „Je besser dein Weltbild klingt, je sicherer dich dabei fühlst und je mehr Zuspruch du dafür bekommst, desto mehr solltest du deine Position hinterfragen. Vielleicht hat sie doch mehr Inkonsistenzen, als du selbst wahrhaben willst"

Lichtblick statt Blackout
Lichtblick statt Blackoutby Vince Ebertdtv Verlagsgesellschaft