22. Apr.
Post image
Rating:3

Buchhandlung Klinger – ein stolzer Besitz, der speziell für die Tochter Ruth eine ganz besondere Bedeutung hatte. Doch dann kam der Krieg und mit ihm zahlreiche Opfer. Der Laden zerbombt, der Hoffnungsträger und Sohn Friedrich im Krieg verschollen und der Vater beim Bombenangriff getötet. So rafft sich die verbliebene Familie auf, um nach dem Krieg die Scherben zusammenzusammeln und die Buchhandlung zu neuem Leben zu erwecken, doch sowohl die Schwiegertochter Rosa als auch Ruth, deren Ehemann Willi auch als verschollen gilt, haben ganz unterschiedliche Ansichten. Dann taucht auch noch ein junge Frau namens Lore auf, verwaist und obdachlos und bringt neuen Schwung in den Laden… Diese Geschichte steckt voller Geheimnisse und sämtliche Charaktere tragen sie verborgen, viel zu viel hat der Krieg genommen und sie in Ungewissheit gelassen. Fehler, die gemacht werden, Entscheidungen, die getroffen werden und es scheint sich wie eine Schlinge für alle immer weiter zuzuziehen. Die Entwicklungen in Deutschland während des Wiederaufbaus, der Konflikt zwischen der Sowjetunion und den Allierten, der zur Teilung von Ost und West führte und für etliche Bewohner erneute Not nach sich zog, die Einführung der Deutschen Mark und auch die Veränderung in der Buchwelt, als nicht mehr alle Bücher unter Diktat standen und das Taschenbuch langsam Einzug hielt – all das wird hier in der Familiengeschichte geschickt mit eingebaut, während jedes Familienmitglied anders mit den neuen Geschehnissen umgeht. Ruth mit ihrer kühlen, abweisenden Art macht es ihrer Schwägerin Rosa schwer, als Team zu arbeiten, gemeinsam Ideen zu sammeln und umzusetzen. Aber Rosa hat so eine einnehmende, lebendige Art und obwohl sie redet wie ein Wasserfall, hat sie das Herz am rechten Fleck und versucht die Familie zusammenzuhalten. Besonders nachdem immer wieder Dinge passieren, die alles Bisherige auf den Kopf stellt. So manche Herausforderung, auch von der Konkurrenz, ist zu meistern und jeder muss seinen Platz finden und auf sein Herz hören. Eine nette Geschichte für zwischendurch, nicht wirklich überraschend, auch ohne große dramatische Szenen, aber dennoch hat mir das Buch, das ich nebenbei auch als Hörbuch genossen habe, gut gefallen. Die Stimme von Yara Blümel passte zu den Frauen, ihrer Stimmung, ihrem Charakter und hat auch die Stimmung gut rübergebracht. Es geht um Zusammenhalt, Aufrichtigkeit, Aufarbeitung von Erlebtem, Vergebung und die Bedeutung von Familie und das ist der Autorin wirklich gut gelungen.

Worte und Wunder
Worte und Wunderby Ann-Sophie Kaiserdtv Verlagsgesellschaft
21. Aug.
Rating:5

„Warum konntest du nicht einfach verschwunden bleiben!“ Es werden einige Kapitel im Buch vergehen, bis Ruth mit diesem Satz ihrer ganzen Verzweiflung und Wut Raum gibt. Der Krieg ist endlich aus, von der einst beliebten Berliner Buchhandlung Klinger ist allerdings nichts mehr übrig. Klinger sen. ist tot, Sohn Friedrich, der den Laden jetzt führen sollte, während der Kriegswirren verschollen. Und so beginnt Tochter Ruth, deren Mann Willi auch noch vermisst wird, den Buchladen wieder aufzubauen. An anderer Stelle zwar und in bei weitem weniger präsentablen Räumen, aber ein Anfang ist gemacht. Doch es scheint unmöglich zu sein, das frühere Familienunternehmen wieder zu aufzubauen, zumal es Ruth schwer fällt, Hilfe anzunehmen. Derweil macht sich Lore auf den Weg nach Berlin. Sie hat nach dem Tod der Mutter einen Brief an einen Friedrich Klinger gefunden. Er solle wenigstens Unterhalt für seine Tochter zahlen. Könnte für es für Lore, der niemand mehr geblieben ist, doch noch eine Familie geben, zu der sie gehört? Für alle, die Buchhandlungen und schöne Geschichten mögen, ist das genau das richtige Buch! Ann-Sophie Kaiser erzählt anschaulich nicht nur vom Wiederauferstehen der Buchhandlung Klinger im Westberlin, sondern führt uns durch die Jahre Westberlins, in denen sich zwei deutsche Staaten bildeten. Die Versorgung der Westberliner durch die Luftbrücke, die nächtlichen Stromstunden, die Errichtung eines neuen Berlins bis hin zum Aufstand am 17. Juni 1953 in Ostberlin und der DDR machen die Geschichte um die Familie Klinger zu einem Buch, das mitreißen kann. Die Personen schmiegen sich in ihre Rollen schon fast ein. Schwägerin Rosa mit ihrem beharrlichen und freundlichen Optimismus kann einem nur ans Herz wachsen. Und Lore? Ja, sie macht es sich wahrlich nicht leicht. Schnell in den Buchladen um die Ecke, es muss ja nicht unbedingt die Buchhandlung Klinger sein …

Worte und Wunder
Worte und Wunderby Ann-Sophie Kaiserdtv Verlagsgesellschaft
23. Sept.
Rating:4

Ruth Klinger wollte schon immer die Buchhandlung ihres Vaters übernehmen, doch der wollte lieber an seinen Sohn Friedrich übergeben. Doch nach dem Krieg leben die beiden beide nicht mehr und Ruth macht sich daran, die Buchhandlung Klinger wieder aufzubauen. An ihrer Seite hat sie dabei Rosa, ihre Schwägerin, allerdings kommen die beiden nicht so richtig gut miteinander aus. Außerdem werden den beiden viele Steine in den Weg gelegt, erst der allgemeine Mangel, dann die Zeit der Luftbrücke. Ann-Sophie Kaiser nimmt uns mit ins Berlin der Nachkriegsjahre. Vor der Währungsreform läuft die Buchhandlung eher schlecht und als nach der Währungsreform auch noch die Blockade das Leben schwer macht, ist an ein erfolgreiches Geschäftsleben erst recht nicht zu denken. Und doch gibt Ruth ihren Traum nicht auf. Manchmal war sie mir dabei auch ein wenig zu verbissen, so lässt sie eigentlich keine andere Meinung als die eigene zu und das Verhältnis zu Rosa wird erst besser, als Ruth erkennt, dass es ohne Hilfe eben doch nicht geht. Dann taucht noch Lore auf, die ein Geheimnis bewahrt, das das Familengefüge noch einmal durcheinanderwürfeln kann. Mir hat das Buch gut gefallen, man konnte sich Berlin und die Zeit dort richtig gut vorstellen und mit der Familie Klinger mitfiebern. Gut gefallen hat mir Lores Rolle, die immer wieder versucht Ruth davon zu überzeugen, neue Wege mit der Buchhandlung zu gehen. Und auch Rosas Figur fand ich toll, hier findet eine wirklich interessante Entwicklung statt. Am Anfang wirkt sie sehr naiv und auch fern der Welt, aber sie tut alles dafür, die Familie zusammenzuhalten. Dabei wird sie immer selbstbewusster und findet ihren Platz. Ich kann das Buch empfehlen, es gibt einen guten Einblick in die Zeit nach dem Krieg und in die Berliner Geschichte damals. Mir hat es viel Spaß bereitet die Geschichte der Klingers zu lesen. Interessant wäre auch eine Fortsetzung des Buches, bietet sich doch am Ende noch einmal eine neue Perspektive für Ruth und ihre Buchhandlung.

Worte und Wunder
Worte und Wunderby Ann-Sophie Kaiserdtv Verlagsgesellschaft