25. März
Rating:4

Frank Goldammers Vergessene Seelen lebt mehr von seiner beklemmenden Nachkriegsatmosphäre als vom eigentlichen Kriminalfall. Wer das weiß, bekommt einen ruhigen, tiefgründigen Krimi mit einem starken Protagonisten. Kleinere Plotschwächen und ein ungleichmäßiges Tempo stören, aber die Stimmung bleibt lange im Kopf.

Stell dir vor, du stehst im Hochsommer inmitten von Trümmern. Die Hitze flimmert über den Schutt, der vor Monaten noch Häuser waren. Irgendwo unter all dem Geröll liegt etwas Verrottetes und du weißt nicht, ob es eine Leiche ist oder nur ein weiteres Stück dieser zerstörten Stadt, das aufgibt. Genau in diesem Moment beginnt Frank Goldammers Vergessene Seelen, und es hat mich nicht mehr losgelassen. Das hier war kein „Atemlos-durch-die-Nacht”-Buch. Es war eher ein „späte Stunde, Fenster auf, schwüle Luft“ Buch. Ich habe es in ruhigen Etappen gelesen, weil es mich zum Nachdenken gezwungen hat, nicht zur Hetze. Die Nachkriegsatmosphäre in Dresden liegt so schwer auf jeder Seite, dass ich manchmal kurz Pause brauchte nicht aus Langeweile, sondern weil die Beklemmung einfach real wird. Diese Art von Buch finde ich wertvoller als reiner Pageturner-Adrenalin. Die eigentliche Hauptfigur ist nicht Max Heller es ist Dresden selbst. Goldammer erschafft eine Stadt, die physisch zerstört und moralisch verbrannt ist, und er tut es mit einer Präzision, die mich mehrfach innehalten ließ. Die Hitze, der Gestank, die moralische Erschöpfung der Menschen das alles sitzt. Heller selbst ist kein makelloser Detektiv, sondern ein Mann, der mit seiner eigenen Vergangenheit kämpft wie mit einem schlecht heilenden Knochenbruch. Genau diese Grauzonen machen ihn so glaubwürdig. Es gibt hier keine einfachen Schuldigen und keine sauberen Antworten und das passt zur Zeit wie ein zu enger Mantel, der trotzdem der einzige ist, den man noch hat. Das Buch hat aber auch Schwächen. Der eigentliche Kriminalfall bleibt merkwürdig blass. Er ist das Gerüst, an dem Goldammer die Atmosphäre aufhängt aber als Rätsel trägt er nicht ganz. Ein, zwei Wendungen wirken eher konstruiert als organisch, so als hätte der Plot an manchen Stellen dem Setting Platz machen müssen. Dazu schwankt das Tempo spürbar, Abschnitte, die fast greifbar intensiv sind, wechseln sich mit Passagen ab, die ein bisschen auf der Stelle treten. Wer einen klassischen, straff komponierten Krimi sucht, wird sich gelegentlich fragen, wohin die Spannung verschwunden ist. Vergessene Seelen ist kein Buch, das man weglegt und vergisst. Es bleibt wie Ruß auf den Fingern, kaum merklich, aber hartnäckig. Goldammer hat einen Krimi geschrieben, der eigentlich ein Porträt ist:,von einer Stadt, einer Epoche und einem Mann, der versucht, in beidem anständig zu bleiben. Wer Atmosphäre über Hochspannung stellt und keine Angst vor Düsternis hat, ist hier genau richtig.

Vergessene Seelen
Vergessene Seelenby Frank Goldammerdtv Verlagsgesellschaft
6. Sept.
Rating:5

Spannend bis zu letzten Seite - selten das ich ein Buch innerhalb eines Tages lese. Die Wirren der Nachkriegsjahre und die mangelnde Versorgung mit Allem machen es für Max Heller nicht einfacher diesen Fall zu lösen. Als Dresdnerin dieses Buch zu lesen und zu wissen wo die Schauplätze sind, machen es umso spannender. Freue mich schon auf den nächsten Teil!

Vergessene Seelen
Vergessene Seelenby Frank Goldammerdtv Verlagsgesellschaft
19. Nov.
Rating:3

“Doch manches wollte er vergraben wissen, tief vergraben, und am besten noch mit Steinen beschwert, damit es für immer verborgen blieb.” Interessantes Buch für Leser, welche sich für die Nachkriegszeit interessieren. Mir war der Kriminalroman leider zu wenig spannend und auch das Ende hat mich nicht richtig überzeugen können.

Vergessene Seelen
Vergessene Seelenby Frank Goldammerdtv Verlagsgesellschaft