
Bendix Steensen telefoniert mit seinem Sohn Lewe. Dieser ist allein zu Hause – von Mutter und Großmutter fehlt jede Spur, angeblich sind sie vor Stunden einkaufen gefahren. Plötzlich flüstert Lewe: Jemand ist im Haus. Bendix, der in London festsitzt, ahnt Schlimmes – ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Die Geschichte startet rasant und ich war zu Beginn tatsächlich gut unterhalten. Leider empfand ich im weiteren Verlauf viele Verhaltensweisen der Charaktere als stark überzogen und wenig glaubwürdig. Der neunjährige Lewe nimmt beispielsweise Essen und Getränke von einer ihm völlig fremden Frau an – was ich in dieser Situation bereits fragwürdig fand. Kurz zuvor war er schon nicht mehr in der Lage, ein Telefon richtig zu bedienen oder sinnvoll zu reagieren. Diese Widersprüche wirkten auf mich konstruiert und unrealistisch. Auch seine Mutter trifft fragwürdige Entscheidungen (ohne zu spoilern), die letztlich kaum Konsequenzen haben. Der Dorfpolizist wirkt eher wie eine Karikatur, ebenso einige Dorfbewohner. Die Antagonistin bleibt klischeehaft, und selbst der Vater erscheint stark überzeichnet – eine Art Held, der scheinbar jede Hürde meistert. Auch die Reise von London nach Deutschland trotz eingestelltem Flugverkehr wirkte wenig realistisch. Sprecher Positiv hervorheben möchte ich, dass stellenweise Platt gesprochen wurde (nicht durchgehend). Das wirkte authentisch und erfrischend. Insgesamt ist die Stimme angenehm und flüssig. Lediglich die Passagen mit Lewe passten für mich stimmlich nicht ganz, was jedoch weniger ins Gewicht fiel. Wenn man die überzeichneten Figuren mit einem Augenzwinkern hinnimmt, bietet das Hörbuch durchaus solide Unterhaltung. Wer jedoch Wert auf glaubwürdige Charaktere und realistische Entwicklungen legt, könnte enttäuscht werden.



