In einem kleinen Dorf auf Sardinen erblickt Ianetta in einer stürmischen Gewitternacht das Licht der Welt. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass Ianetta das 7. Kind der Familie ist, ist sie auch noch das 7. Mädchen. Damit ist das Kind automatisch eine "Coga", eine Art Hexe. Ihr Schicksal scheint bereits besiegelt, als sich ihre ältere Schwester Lucia ihrer annimmt. Doch was bedeutet das für sie? Hat sie damit wirklich einen Fluch über ihre Familie gelegt? Ianetta wächst zwar weiterhin im Haus auf, aber wirklich zur Familie gehören tut sie nicht. Alles, was dem Haus und deren Bewohnern in Zukunft negatives widerfährt wird auf Ianetta zurückgeführt, immerhin ist sie eine Coga, eine Hexe. Einzig und allein Lucia glaubt nicht an diesen Aberglauben, aber ist das wirklich die richtige Entscheidung oder hat ihre Familie und der Rest des Dorfes am Ende doch recht? Ist an allem wirklich Ianetta schuld? Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich sehr damit getan habe, um überhaupt in das Buch zu finden. Ich bin mir nicht ganz sicher, woran es gelegen hat, denn der Schreibstil an sich, war gar nicht so schlecht. Es war vermutlich einfach das Drumherum selbst. Vielleicht auch an der deutschen Übersetzung, auch wenn ich die Originalausgabe auf Italienisch nie lesen werde. Einem Teil von mir hat es jedoch wirklich gefallen, zu lesen, was der Glaube an Aberglaube alles bewirken kann. Die Familie Ianettas und Lucias glauben mit aller Macht an dieser Vorhersehung und lassen es Ianetta auch von Anfang an spüren. Sie hat einen sehr schweren Stand in ihrer Familie und das schon von Geburt an. Lucia nimmt sich ihrer zwar ein wenig an, aber ich hatte manchmal das Gefühl, dass sie sich einfach doch noch viel zu sehr von ihrer Familie beeinflussen lässt. Über das Buch hinweg entwickelt sich auch eine zarte Liebesgeschichte, zwischen Lucia und einem jungen Doktor, was mir selbst eigentlich ganz gut gefallen hat. Allerdings scheint auch diese unter keinem guten Stern zu stehen, woran ihre jüngere Schwester nicht ganz unschuldig ist - vorallem, wenn es nach dem Glauben ihrer Familie geht. Immerhin ist Ianetta eh immer an allem schuld. Ich will auf das Ende selbst nicht länger eingehen, aber ich muss ehrlich gestehen, dass es aufgrund einiger Schilderungen im Buch, einiger Anspielungen nun wirklich nicht mehr überraschend war. Ich denke, es ist ein Buch, welches sich zwar gut für zwischendurch lesen lässt, aber keinen wirklichen bleibenden Eindruck hinterlassen hat

Eine felsige Küste oder eine einsame Hügellandschaft, vielleicht sogar auf Sardinien, mit Blick auf das raue Meer oder zwischen knorrigen Wacholderbüschen. Oder auch eine kleine Berghütte, eine abgelegene Terrasse in einem mediterranen Garten, wo der Duft von Kräutern in der Luft liegt. Mit Rotwein, der die mystische Stimmung des Buches unterstützt.. Ein Ort, an dem man sich in die Geschichte vertiefen kann, ohne Ablenkung – irgendwo zwischen Realität und Legende liest sich Vanessa Roggeris “Das wilder Herz des Wacholders” am besten. Der Roman entführt in ein sardisches Dorf, das von tief verwurzeltem Aberglauben und strengen gesellschaftlichen Normen geprägt ist. Im Zentrum steht das Mädchen Ianette, das von ihrer eigenen Familie als Unglücksbringerin und Hexe (Coga) angesehen wird, da sie als siebtes Kind und als Mädchen zur Welt kam. Besonders ihre Mutter verstößt sie, während ihre Schwester Lucia als einzige zu ihr hält. Ianette wächst unter Ablehnung und Gewalt auf, doch sie gibt nicht auf. Der Roman zeigt eindrucksvoll, wie soziale Strukturen das Schicksal eines Einzelnen bestimmen und welche Kraft es erfordert, sich gegen tiefverwurzelte Vorurteile zu behaupten. Roggeris Schreibstil ist atmosphärisch und streckenweise von einer mystischen Note durchzogen, die zur Thematik passt. Besonders Ianetta als Außenseiterin fesselt durch ihre Entwicklung und ihren Überlebenswillen. Thematisch stehen nicht nur familiäre Schicksale im Vordergrund, sondern vor allem gesellschaftliche Konflikte – insbesondere der Kontrast zwischen Tradition und individueller Freiheit. Der Text verbindet soziale Kritik mit einer traditionsbehafteten Erzählung. Die Thematik der Hexerei dient nicht nur als folkloristisches Element, sondern als Spiegel für soziale Ausgrenzung. Ianettas Rolle als Außenseiterin erinnert an klassische Motive der Weltliteratur, von Arthur Millers The Crucible bis hin zu Werken von Grazia Deledda, die ebenfalls die Härte des sardischen Landlebens thematisierte. Zudem lassen sich feministische Untertöne erkennen: Ianetta wird nicht wegen tatsächlicher Magie verstoßen, sondern weil sie Normen überschreitet und so zur Projektionsfläche gesellschaftlicher Ängste wird. Mit Das wilde Herz des Wacholders gelingt Vanessa Roggeri ein Roman über Außenseitertum, patriarchale Unterdrückung und den Konflikt zwischen Glauben und Vernunft. Die Verbindung aus Erzählkunst, Gesellschaftsanalyse und Bildsprache macht das Buch zu einer Lektüre für alle, die sich für mehrschichtige Geschichten interessieren.

