
Wer bestimmt den Wert eines Lebens?
Beelitz ... Der Ort vieler Legenden und Geschichten. Ein Lost Place, mysteriös und geschichtsträchtig. In Susanne Gogas neustem Leo Wechsler Roman reisen wir zurück in die Vergangenheit, in die Blütezeit der Heilstätte und suchen mit Leo zusammen nach Geistern. Menschen, die nach ihrer Tuberkulose Kur verschwinden und niemand, der nach ihnen fragt. Menschen, die sich wie ein Schatten in der untergehenden Sonne förmlich in Luft auflösen und ein Wispern von Geheimnissen hinterlassen. Leo, der Undercover als Patient diese Geheimnisse aufdecken möchte, gerät dabei selber in tödliche Gefahr und setzt sich nicht nur dem Risiko von einer Ansteckung aus. Denn Fragen bringen nicht immer nur Antworten ... Faszinierend ist hierbei vor allem wieder die Recherchearbeit und generell die Polizeiarbeit ohne technische Hilfsmittel und wird gerade in den Momenten besonders deutlich, die sich als brenzlig erweisen. Doch nicht nur dieses Mysterium, dieser besondere Fall und die Beschreibung der Polizeiarbeit faszinieren, sondern vor allem die Zeitreise in die späten 20er Jahre. Dank Susanne Gogas hervorragender Recherchearbeit, lesen wir nicht nur über die Vergangenheit der Heilstätte Beelitz, wir wandern selber durch die Flure. Wir werden selber ein wenig zu Geistern, hören regelrecht den rasselnden Atem der Patienten und nehmen den Geruch in uns auf, der dieser Heilstätte anhaftet. Spüren die Beklemmung und Angst, die in der Luft liegt, aber auch den Hauch von Hoffnung. Die Leo Wechsler Reihe brilliert zudem durch die Charaktere. Trotz dass der letzte Wechsler Krimi schon ein wenig her war, hatte ich bereits nach den ersten Seiten das Gefühl wieder angekommen zu sein und alte Freunde wieder zu sehen. Susanne Goga beschreibt nicht nur die Szenerien bildhaft, gar plastisch, sondern auch ihren Charakteren wird glaubhaft Leben eingehaucht und gerade dieses macht die Reihe so besonders für mich. Die Dramaturgie spitzt sich zum Schluss deutlich zu und hinterlässt ein Gefühl der Fassungslosigkeit und des Entsetzen. Wie sehr das Gedankengut des dritten Reiches bereits in den 20er Jahren seine ätzende Saat verteilte, wird hier sehr erschreckend deutlich. Fazit: Historische Krimis und Thriller haben ihren ganz eigenen Charme. Die Leo Wechsler Reihe gehört in meinen Augen zu einem ganz besonderen Erlebnis dieses Genremix durch hervorragende Recherchearbeit und toller Charakterzeichnung. Das neuste Buch "Die Geister von Beelitz" beweist dieses wieder sehr eindrucksvoll. Eine Krimi, der lange nachhallt. Düster, eindrucksvoll und erschreckend aktuell.

