17. Sept.
Rating:3.5

Leichter Schmöker um ein Familiengeheimnis auf zwei Zeitebenen

Melody tritt ihre neue Stelle als Oberstaatsanwältin in Stockmill an. Zu dem Ort hat sie eine besondere Verbindung, hat sie dort doch vor ein paar Jahren ein altes Herrenhaus geerbt. In ‚Abigail‘s Place‘ findet sie dann auch die Tagebücher ihrer Ahnin und begibt sich auf Spurensuche … ‚Der Faden der Vergangenheit‘ hat eigentlich alles, was ein richtig schöner Herbstschmöker so braucht - attraktive Menschen (sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart), böse Gegenspieler, Drama und einen tollen Schauplatz. Tatsächlich hat mir das verstaubte, alte ‚Abigail‘s Place‘ wirklich richtig gut gefallen und ich hätte riesige Lust gehabt, mit Melody und Dan durch die in der Zeit eingefrorenen Räume zu stöbern. Diesen Schauplatz hat die Autorin in der Gegenwart absolut hervorragend und atmosphärisch dicht vermittelt. Auch Abigails Geschichte in der Vergangenheit hat tolle Komponenten - eine außergewöhnliche Idee, was es mit ihrem Mann auf sich hat; habe ich tatsächlich in Geschichten, die Mitte des 19. Jahrhunderts spielen, so noch nicht gelesen. Die Autorin vermittelt auch anschaulich die Arbeits- und Lebensbedingungen zu dieser Zeit und die tiefe Diskrepanz zwischen Arm und Reich. Allerdings verläuft das alles stilistisch auf einer sehr einfachen Ebene, die emotional wenig in die Tiefe geht. Sprachlich gibt es keinen Unterschied zwischen 19. und 21. Jahrhundert und die einfache Tagelöhnerin Nelly ohne jegliche Schulbildung drückt sich exakt gleich aus wie die Oberstaatsanwältin Melody. So liest sich das Buch dann zwar extrem schnell runter, aber richtig in die Zeiten und Geschichten eintauchen kann man leider nicht. Zumal bei Melody auch auf alles Tiefergehende, was ihren Beruf und ihre Lebensorganisation betrifft, verzichtet wird. So hätte man am Ende aus der Suche nach den weiteren Informationen zu Abigail und Oliver einen netten Strang nach einer Art Schnitzeljagd kreieren können - nein, Melody und Dan treffen sich einfach abends und haben alle Infos schon zur Hand. Schade. Ich habe die drei Bände der Reihe als E-Book-Bundle gekauft und werde daher selbstverständlich weiterlesen und das Ende macht ja auch ein bisschen neugierig. Zum regulären Einzelpreis hätte ich wohl nicht weitergekauft, aber reduziert und als Schmökerlektüre für Zwischendurch sind ‚Die Frauen von Hampton Hall‘ schon ok.

Der Faden der Vergangenheit
Der Faden der Vergangenheitby Felicity Whitmoredtv Verlagsgesellschaft
2. Aug.
Rating:5

Überraschend gut!

Anfangs war ich etwas skeptisch, da ich noch nie ein Buch dieser Genre gelesen habe, allerdings wurde ich spätestens nach 70 Seiten überzeugt. Es ist echt gut geschrieben und geplottet, die 2 Pov ist so aufgebaut dass die Protagonistin im Jahr 2017 die Geschichte von der Protagonistin im Jahr 1838 "liest" , demnach sind die Kapitel abwechselnd Gegenwart und Vergangenheit. Die Kapitel sind etwas lang, allerdings hat mich das hier überhaupt nicht gestört. Ich würde dieses Buch echt weiter empfehlen, besonders allen die historische Romane mögen🫶🏼

Der Faden der Vergangenheit
Der Faden der Vergangenheitby Felicity Whitmoredtv Verlagsgesellschaft
1. März
Schöner Reihenauftakt mit starken, weiblichen Protagonistinnen
Rating:3.5

Schöner Reihenauftakt mit starken, weiblichen Protagonistinnen

In „Der Faden der Vergangenheit"“von Felicity Whitmore wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen erzählt: In der Gegenwart entdeckt die Protagonistin Melody die Tagebücher ihrer Vorfahrin Abigail und taucht dadurch tief in das Jahr 1841 ein. Während Melody sich in der Gegenwartsstory mehr und mehr mit der Vergangenheit von Abigails Place auseinandersetzt, erfahren wir als Leser zugleich, welches Schicksal Abigail widerfuhr und wie sehr sie sich gegen die gesellschaftlichen Normen ihrer Zeit stellte. Sowohl Melody als auch Abigail sind starke Frauenfiguren, die in ihren jeweiligen Epochen gegen bestehende Erwartungen kämpfen. Besonders eindrucksvoll ist Abigails Einsatz für die Arbeiterklasse, deren Lebens- und Arbeitsbedingungen im 19. Jahrhundert erschreckend schlecht waren. Dass sie sich mutig gegen patriarchalische Strukturen stellt und trotz aller Widerstände für Gerechtigkeit einsetzt, macht sie zu einer faszinierenden und bewundernswerten Figur. Auch in der Erziehung ihrer Söhne verfolgt sie klare Werte: Sie sollen zu respektvollen und moralisch gefestigten Männern heranwachsen, die gesellschaftliche Ungleichheiten hinterfragen. Dieser Aspekt hat mir besonders gut gefallen, da er Abigails Charakter zusätzliche Tiefe verleiht. Die detaillierten Beschreibungen der Schauplätze, insbesondere des alten Familiensitzes, schaffen eine dichte Atmosphäre und machen das Lesen besonders immersiv. Vor allem der Einstieg in die Geschichte hat mich sofort gefesselt, da man gemeinsam mit Abigail die Ungerechtigkeiten der damaligen Zeit entdeckt. Ihre Beziehung zur Arbeiterin Nelly war dabei besonders berührend. In der Mitte des Buches verlagerte sich der Fokus dann allerdings etwas, da es verstärkt um den Gesundheitszustand von Abigails Mann und die Vorstellungen seines Bruders ging. Dadurch zog sich dieser Teil für mich ein wenig, bevor die Geschichte zum Ende hin wieder an Fahrt aufnahm. Der abschließende Cliffhanger sorgt dafür, dass man am liebsten direkt zum zweiten Band greifen möchte. Wie bei vielen Romanen dieser Art empfand ich die Vergangenheitshandlung als wesentlich spannender als die Erzählstränge um Melody in der Gegenwart. Das heißt jedoch nicht, dass Melodys Geschichte uninteressant war – sie konnte für mich nur nicht mit der intensiven und vielschichtigen Handlung um Abigail mithalten. Alles in allem ist „Der Faden der Vergangenheit“ ein fesselnder Roman mit starken weiblichen Figuren, atmosphärischen Beschreibungen und einem historischen Einblick, der unter die Haut geht. Wer gerne Geschichten liest, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verweben, wird hier voll auf seine Kosten kommen.

Der Faden der Vergangenheit
Der Faden der Vergangenheitby Felicity Whitmoredtv Verlagsgesellschaft