Leichter Schmöker um ein Familiengeheimnis auf zwei Zeitebenen
Melody tritt ihre neue Stelle als Oberstaatsanwältin in Stockmill an. Zu dem Ort hat sie eine besondere Verbindung, hat sie dort doch vor ein paar Jahren ein altes Herrenhaus geerbt. In ‚Abigail‘s Place‘ findet sie dann auch die Tagebücher ihrer Ahnin und begibt sich auf Spurensuche … ‚Der Faden der Vergangenheit‘ hat eigentlich alles, was ein richtig schöner Herbstschmöker so braucht - attraktive Menschen (sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart), böse Gegenspieler, Drama und einen tollen Schauplatz. Tatsächlich hat mir das verstaubte, alte ‚Abigail‘s Place‘ wirklich richtig gut gefallen und ich hätte riesige Lust gehabt, mit Melody und Dan durch die in der Zeit eingefrorenen Räume zu stöbern. Diesen Schauplatz hat die Autorin in der Gegenwart absolut hervorragend und atmosphärisch dicht vermittelt. Auch Abigails Geschichte in der Vergangenheit hat tolle Komponenten - eine außergewöhnliche Idee, was es mit ihrem Mann auf sich hat; habe ich tatsächlich in Geschichten, die Mitte des 19. Jahrhunderts spielen, so noch nicht gelesen. Die Autorin vermittelt auch anschaulich die Arbeits- und Lebensbedingungen zu dieser Zeit und die tiefe Diskrepanz zwischen Arm und Reich. Allerdings verläuft das alles stilistisch auf einer sehr einfachen Ebene, die emotional wenig in die Tiefe geht. Sprachlich gibt es keinen Unterschied zwischen 19. und 21. Jahrhundert und die einfache Tagelöhnerin Nelly ohne jegliche Schulbildung drückt sich exakt gleich aus wie die Oberstaatsanwältin Melody. So liest sich das Buch dann zwar extrem schnell runter, aber richtig in die Zeiten und Geschichten eintauchen kann man leider nicht. Zumal bei Melody auch auf alles Tiefergehende, was ihren Beruf und ihre Lebensorganisation betrifft, verzichtet wird. So hätte man am Ende aus der Suche nach den weiteren Informationen zu Abigail und Oliver einen netten Strang nach einer Art Schnitzeljagd kreieren können - nein, Melody und Dan treffen sich einfach abends und haben alle Infos schon zur Hand. Schade. Ich habe die drei Bände der Reihe als E-Book-Bundle gekauft und werde daher selbstverständlich weiterlesen und das Ende macht ja auch ein bisschen neugierig. Zum regulären Einzelpreis hätte ich wohl nicht weitergekauft, aber reduziert und als Schmökerlektüre für Zwischendurch sind ‚Die Frauen von Hampton Hall‘ schon ok.




