Lupus führt die Oxen-Saga in eine neue Richtung und beweist, dass Jensen noch lange nicht am Ende seines Könnens ist.
Mit Lupus führt Jens Henrik Jensen seine Oxen-Reihe auf beeindruckende Weise fort. Während die ersten drei Bände stark von der Auseinandersetzung mit dem Geheimbund Danehof geprägt waren, schlägt dieser vierte Teil eine neue Richtung ein – und gerade das macht ihn so spannend. Im Mittelpunkt steht erneut Niels Oxen, der traumatisierte Ex-Elitesoldat, der sich nach den vergangenen Ereignissen in die Wälder Jütlands zurückgezogen hat. Ruhe findet er dort jedoch nicht. Als er von seinem alten Geheimdienstchef Mossman den Auftrag erhält, den verschwundenen Poul Hansen zu suchen, führt ihn die Spur in eine raue Landschaft, die nicht nur als Wolfsterritorium gilt, sondern auch voller Geheimnisse steckt. Besonders fesselnd ist, wie Jensen es versteht, verschiedene Zeitebenen und Handlungslinien miteinander zu verweben. Ein Entführungsfall aus dem Jahr 1963 und das tragische Ereignis, bei dem Margrethe Franck ihr Bein verlor, stehen in enger Verbindung mit Oxens aktuellem Auftrag. Dadurch entsteht ein dichtes Geflecht aus Vergangenheit und Gegenwart, das den Leser bis zur letzten Seite in Atem hält. Die Stärke von Lupus liegt nicht allein im spannenden Plot, sondern auch in der tiefgründigen Figurenzeichnung. Oxen kämpft weiterhin mit seinen „sieben Dämonen“ – die Traumata seiner Vergangenheit, seine Schuldgefühle, sein schwieriges Verhältnis zu seinem Sohn. Diese persönliche Dimension verleiht dem Thriller eine besondere Intensität. Gleichzeitig sorgt die Dynamik mit Margrethe Franck und Mossman dafür, dass auch die zwischenmenschliche Ebene nicht zu kurz kommt. Atmosphärisch ist der Roman gewohnt stark: Jensen beschreibt die Wälder und Landschaften Dänemarks so eindringlich, dass man als Leser förmlich das Moos riechen und den Wind in den Bäumen hören kann. Die Natur ist nicht bloße Kulisse, sondern wirkt fast wie eine eigene Figur im Roman. Fazit: Lupus ist ein hochspannender und vielschichtiger Thriller, der die Reihe gekonnt in eine neue Phase führt. Jens Henrik Jensen beweist, dass er sowohl packende Kriminalfälle als auch tiefgründige Charakterentwicklungen meisterhaft beherrscht. Ein Muss für alle Oxen-Fans – und ein hervorragender Einstiegspunkt für alle, die die Reihe noch nicht kennen.











