22. Mai
Rating:4.5

Eine Kindheit und Jugend in den 20er 30er Jahren in Amerika, ungeschönt beschrieben und absolut lesenswert.

Klappentext Henry Chinaski wächst in den Armenvierteln von Los Angeles auf. Geprägt von Gewalt, Demütigungen und Einsamkeit kämpft er sich durch eine Jugend, die von Ablehnung und Orientierungslosigkeit bestimmt ist. Während andere Freunde finden, Anerkennung erleben oder ihren Platz im Leben suchen, bleibt Henry immer der Außenseiter. Charles Bukowski erzählt in diesem autobiografisch geprägten Roman schonungslos ehrlich von einer Kindheit zwischen Verzweiflung, Wut und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. --- Es gibt Bücher, die man liest, wieder zuklappt und nach wenigen Tagen beinahe vergessen hat. Und dann gibt es Bücher wie Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend von Charles Bukowski, die sich wie Schmutz unter die Haut setzen und dort bleiben. Dieses Buch war, wenn ich mich richtig erinnere, erst mein zweites Werk von Bukowski, und trotzdem hat er mich erneut vollkommen in seinen Bann gezogen, weil kaum ein anderer Autor es schafft, das Hässliche, Kaputte und Trostlose des Lebens so nüchtern und gleichzeitig so eindringlich zu beschreiben. Was mich an diesem Buch erneut so gefesselt hat, war dieser unverwechselbare Schreibstil, der auf den ersten Blick simpel wirkt, aber in Wahrheit eine ungeheure Wucht besitzt. Bukowski schreibt nicht geschniegelt, nicht poetisch verklärt und schon gar nicht beschönigend. Seine Sprache ist dreckig, roh und direkt, als würde man durch die schmutzigen Straßen seiner Erinnerung laufen und jeden Schlag, jede Erniedrigung und jede Enttäuschung selbst erleben. Genau darin liegt aber die große Stärke dieses Romans, denn Bukowski versucht niemals, Mitleid zu erzwingen oder seine Vergangenheit künstlich dramatisch erscheinen zu lassen. Er erzählt einfach. Und gerade diese gnadenlose Ehrlichkeit macht alles so erschreckend authentisch. Henry Chinaski, Bukowskis literarisches Alter Ego, wächst in einer Welt auf, in der er nie wirklich dazugehört. Er ist der Junge, den niemand akzeptiert, der Außenseiter, über den gelacht wird, der nie irgendwo ankommt und immer spürt, dass mit ihm angeblich etwas „nicht stimmt“. Besonders erschütternd fand ich dabei, wie kompromisslos das Buch zeigt, wie grausam Kinder und Jugendliche auf Menschen reagieren können, die nicht der Norm entsprechen. Dieses permanente Gefühl von Ausgrenzung zieht sich durch jede Seite des Romans und macht das Lesen stellenweise fast unangenehm, weil man erkennt, wie tief solche Erfahrungen einen Menschen prägen können. Und genau hier liegt für mich auch die eigentliche Aussage dieses Buches. Bukowski zeigt, dass gesellschaftliche Ablehnung Menschen formt und manchmal zerstört. Henry wird nicht als geborener Trinker oder Frauenheld dargestellt, sondern als jemand, der niemals gelernt hat, irgendwo Geborgenheit oder Anerkennung zu finden. Deshalb wirken Alkohol, Frauen, Sex und Literatur später nicht wie Abenteuer oder Freiheit, sondern vielmehr wie Fluchtmöglichkeiten aus einer Welt, die ihn nie wirklich wollte. Das Tragische daran ist, dass diese Fluchten zwar kurzfristig betäuben, aber niemals heilen. Während des Lesens schwankte ich ständig zwischen Faszination und Erschrecken. Einerseits wollte ich unbedingt weiterlesen, weil Bukowski eine unglaubliche Sogwirkung entfaltet, andererseits tat es weh zu sehen, wie trostlos und leer diese Jugend oft gewesen ist. Besonders bedrückend war für mich die Erkenntnis, dass viele der Demütigungen, die Henry erlebt, zeitlos sind. Menschen, die anders aussehen, sich anders verhalten oder nicht in gesellschaftliche Erwartungen passen, werden noch immer ausgegrenzt und verletzt. Dadurch wirkt dieses Buch trotz seines historischen Settings erschreckend aktuell. Am Ende bleibt Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend kein schönes Buch im klassischen Sinne. Es ist dreckig, hart, manchmal unerquicklich und voller Hoffnungslosigkeit. Aber genau deshalb ist es so stark. Bukowski zwingt den Leser dazu, hinzusehen, wo andere lieber wegschauen würden. Und vielleicht ist genau das die größte Stärke dieses Romans, weil er zeigt, wie ein Mensch langsam zu dem wird, was die Welt aus ihm gemacht hat.

Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend
Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugendby Charles Bukowskidtv Verlagsgesellschaft
9. Apr.
Mein erster Bukowski enttäuscht auf so ziemlich allen Ebenen.
Rating:1.5

Mein erster Bukowski enttäuscht auf so ziemlich allen Ebenen.

Irgendwie ist alles an diesem Buch unsympathisch. Und damit meine ich auch wirklich alles. Der Protagonist, der Schreibstil, die Story, die Wortwahl. Keine Entwicklungen, keine Überraschungen. Die Geschichte hätte sehr viel werden können, aber sie läuft deprimierend und vulgär wie sie began weiter, und endet im nichts. Hinterher hat man auch keine Kenntnis über die Gesellschaft der 30er Jahre erlangt. Denn das Grab schaufelt sich der Protagonist eigentlich selber. Man hat das Gefühl, der Autor wollte einen eigenen Fänger im Roggen schreiben, scheiterte aber schon am Motiv. Ein scheinbar teils autobiografischer Bukowski, der erschrecken wollte, aber eher nur müdes Kopfschütteln erregt. Jedenfalls bei mir.

Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend
Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugendby Charles Bukowskidtv Verlagsgesellschaft
31. Mai
Man kann ihn nur Lieben oder Hassen.  Ein klassischer Bukowski eben.
Rating:4

Man kann ihn nur Lieben oder Hassen. Ein klassischer Bukowski eben.

Charles Bukowski - ,,Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend. In diesem Werk schreibt Henry Chinaski (alias Charles Bukowski) über seine Kindheit und Jugend ab den 1920er Jahren. Geboren in Deutschland, zieht er mit seinen Eltern als Zweijähriger in die USA. Anfangs läuft es noch recht gut, aber die Weltwirtschaftskrise macht den Bürgern Schwierigkeiten. Auch sein Vater verliert seinen Job und wird sein unzufriedenes Leben, über Gewalt an seinen Sohn, auslassen. Die Mutter greift nicht wirklich ein, auch wenn sie ihren Sohn scheinbar liebt. Henry merkt bereits sehr früh, dass er ein Außenseiter unter den Kindern ist. Das wird sich durch die ganze Schulzeit ziehen. Seinen Eltern steht er sehr distanziert gegenüber, für seinen Vater hat er nur Verachtung übrig.Die wenigen, und häufig nicht lange anhaltenden Freundschaften, die er schließen kann, sind ebenfalls häufig mit Außenseitern und Sonderlingen besetzt. Sein loses Mundwerk und seine impulsive Art bringen ihn ständig in Schwierigkeiten. Durch seine schwere Akne wird er die Schule länger nicht besuchen und wird sich immer mehr von der Gesellschaft abkapseln. Mit Mädchen und jungen Frauen hat er nur wenig am Hut, auch wenn er es sich insgeheim doch sehr wünschen würde. Einzig das Lesen, Schreiben, die Liebe zur klassischen Musik und den späteren starken Alkoholkonsum lenken ihn vom Alltag ab. Was seine Zukunft betrifft hat, er wenig Hoffnung. Irgendwie wird er sich schon durchschlagen, so wie er es immer getan hat. Hier bekommen wir eine klassische Bukowski-Geschichte zu lesen. Der Text ist übersetzt von Carl Weissner, der die rohe und schnörkellos Sprache gut ins Deutsche übertragen konnte. Die Sprache ist ganze schlicht und kompromisslos gestaltet. Wer den Autor und seinen Stil bereits kennt, weiß, worauf er sich hier einlässt. Bukowski schreibt sehr klar und so wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Jede Seite ist schmutzig, dreckig und manchmal schlicht abstoßend. Er schildert ganz klar die Unterschicht der Vereinigten Staaten. Es sind die teilweise verlorenen und abgeschrieben Menschen, welche mit Verachtung auf die Wohlhabenden schauen, denen er eine Stimme gibt. Diese Stimme ist laut, dreckig und nimmt dabei keine Rücksicht auf andere. Jeder kämpft in dieser Klasse für sich selbst, während auf dem anderen Kontinent ein Weltkrieg beginnt. Aber wenn man um sein Überleben kämpfen muss, ist man im Tunnel gefangen und kann nur noch auf sich schauen. Wer diesen beinahe anarchistischen Underground-Schreibstil mag, wird auch mit diesem Werk seine Freude haben. Neulinge werden schnell merken, ob sie in einen Sog, wie ich, geraten werden, oder das Buch angeekelt zur Seite legen.

Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend
Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugendby Charles Bukowskidtv Verlagsgesellschaft
7. Mai
Rating:4

Autobiografischer Text von C. Bukowski. Erzählt wird seine von Gewalt und Hoffnungslosigkeit geprägte Kindheit in den USA. Sein Vater verlor in den 1920 Jahren während der Wirtschaftskrise seinen Job und geht um den Schein zu waren trotzdem jeden Morgen aus dem Haus und lässt seine Wut an seinem Sohn aus. Und dies mit gnadenloser Gewalt. Henry (so nennt sich Bukowski in diesem Buch) erlebt die Hölle, er wünschte dem Vater mehrmals den Tod. Als Einzelgänger und von seinen Mitschülern respektlos 'Sauerkrautfresser' verspötelt wehrt er sich selber mit Gewalt. Alkohol und Hass auf alles sind sein Ventil. Einzig Bücher vermag den jungen Bukowski einigermassen zu interessieren. Ungeschminkter Text, keine leichte Kost und trotzdem eine Lese - Empfehlung von mir.

Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend
Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugendby Charles Bukowskidtv Verlagsgesellschaft