
„Ein unstillbarer Durst nach einem Risiko”
„Der Spieler“ bietet einen hervorragenden Einblick in die Thematik, wie Sucht nicht nur Geld, sondern auch Zeit, Beziehungen und die Fähigkeit, wirklich zu leben, zerstört. Der ganze Roman ist ein einziger Fiebertraum: Schon die Einleitung in die Geschichte ist sehr holprig, der Sprachwechsel auf Französisch verwirrt, die Monologe sprunghaft, jegliches Zeitgefühl geht verloren, das Verhältnis zur geliebten Polina kaum einzuschätzen. Sicherlich war all dies auch von Dostoyevsky beabsichtigt, um die innere Welt Alexejs als Leser mitfühlen zu können — dies gab mir aber auch Schwierigkeiten, in die Geschichte einzutauchen. Die Gedankengänge des Protagonisten wirkten sehr inspirierend auf mich: Seine bedingungslose Unterwerfung gegenüber Polina oder dass abweichendes soziales Verhalten medizinisch entschuldigt werden könne, war sehr unterhaltsam. Besonders faszinierte mich die Beschreibung der impulsiven „russischen Seele” — dies bestätigte mir noch einmal, warum russische Literatur eine besondere Intensität besitzt!! Interessant war die Entwicklung der Babuschka. Und während alle anderen sie aufhalten wollen, spielt sie weiter. Nicht aus Sorge, ihr eigenes Geld zu verspielen, sondern aus Geiz, dass vom Erbe nichts übrig bleibt. Nun ja, warum will man sie aufhalten, schließlich ist es ihr „eigenes Geld”. Auf ironische Weise zeigt sich die Naivität der Spieler im Versuch, Glück und Zufall mit Bleistift und Papier berechenbar zu machen. Zugleich wird die Unterwürfigkeit des Menschen gegenüber der Natur schön dargestellt. Zum Ende hin bleibt Alexej im Kreise seiner Spielsucht gefangen. Sein Bezug zu Geld verliert sich vollständig (das verdeutlicht auch der ständige Wechsel der Währung). Er erkennt seine Lage teilweise — kann sich aber nicht lösen. Vielmehr: Er hat noch immer Hoffnung, wodurch das Roulette für ihn zur letzten Möglichkeit wird, Sinn und Intensität zu spüren. Denn echte Emotionen (wofür Polina steht) konnte er nie wirklich halten. Er lebt in einem dauernden „Vielleicht morgen“, ohne Gegenwart, weshalb der Roman nicht bei ihr, sondern wieder beim Spiel endet.





















































