Obwohl ich gar keinen Bezug zum Bauhaus habe fand ich die Geschichte kurzweilig und gut zu lesen.
Interessant, die Innenansicht aus der Bauhaus Bewegung aus Sicht einer jungen, begabten Studentin zu erfahren. Lässt Gropius unter ganz anderem, negativen Licht erscheinen.
Das Buch arbeitet auf zwei Zeitschienen, chronologisch erzählt, etwas mehr als drei Jahre auseinander. Sowohl das Bauhaus in Weimar wie auch der Umzug nach Dessau plus, sagen wir Neuanfang, kommen darin vor. Inhaltlich sind die beiden Teile durch einige Charaktere verbunden, vor allem aber eint die beiden Episoden der Frust, den man ob der Protagonistin und ihrer Orientierungslosigkeit verspürt. Ein interessanter Einblick in die Zeit anhand einer rein fiktionalen Protagonistin. Habe es gelesen, weil das zweite Buch von Enzensberger so gut besprochen wird, erwarte also einen deutlichen Sprung nach oben.
Jung und kreativ sein
Das Buch wirft zurück in die Zeit des schnellen Verliebens, des Stürmens und Drängens, während es die Bauhauselemente so klar einsetzt, dass es nur Bauhaus sein kann und eine junge Frau der Zeit, wie wenige es waren. Schnell zu lesen, bleibt im Kopf, bringt etwas über Bauhaus bei - toll!
Luise ist jung und weiß, was sie will. 1921 war es in Deutschland nicht einfach als Frau zu studieren, schon gar nicht in einem Handwerksberuf, aber sie setzt sich durch und beginnt am Bauhaus. Leider ist Luise auch leicht beeinflussbar und gerät immer wieder in Kreise, die sie von ihrem Vorhaben abbringen. Als nach 3 Jahren ihr Vater den Geldhahn zudreht und sie zurück nach Berlin beordert, scheint ihr Traum vorbei. Erst nach dem Tod des Vaters kehrt sie ans Bauhaus zurück und beendet ihr Studium. - Ich mag den Schreibstil von Theresia Enzensberger unglaublich gern. Er ist gerade heraus, ziemlich schnörkellos und trotzdem bildhaft. Das Buch ist gesellschaftskritisch und spricht wichtige Themen an. Zum einen wird die Stellung und die Rechte der Frauen in der damaligen Zeit beleuchtet, was gut gelungen ist und wieder einmal zeigt, dass manche Probleme leider nach wie vor bestehen. Weiterhin, was ich super spannend fand, werden sektenähnliche Vereinigungen betrachtet, sowie die Abläufe, starre Regeln und die Behandlung, wenn man Dinge hinterfragt. Hier hab ich oft gedacht, dass Luise endlich den Absprung schaffen soll und mich oft gefragt, wie man so naiv sein kann. Ein weiteres großes Thema war das Wachsen des NS-Regimes, die Propaganda und die gleichgültige Haltung der meisten Menschen dazu. Es war erschreckend zu lesen, dass viele davon wussten und es einfach hingenommen haben und auch gedacht haben, dass das ein paar Spinner sind, die sich bissl wichtig machen wollten. Das Thema Architektur hat mir sehr gut gefallen und auch die Entwicklung von Luise in dem Zusammenhang fand ich toll, hätte mir aber ein bisschen mehr Durchsetzungskraft von ihr gewünscht. - Alles in allem fand ich es einen guten Roman, der aber gern etwas mehr Tiefe hätte haben können. Sowohl die behandelten Themen, als auch die Protagonisten blieben flach, was ich ein bisschen schade fand, da durchaus mehr Potenzial da gewesen wäre.




