In Leales kleinem Tel Aviver Kosmos, rund um den Friseursalon in dem sie arbeitet, leben viele auf den ersten Blick sehr skurrile Menschen. Sie alle haben etwas gemeinsam: Sie haben die Shoah überlebt. Sie haben durch die Shoah viel verloren: Familie, Heimat, Erinnerungen. In Israel, in Tel Aviv, in Sajtschiks Friseursalon suchen sie Zuflucht und geben sich Nähe. Doch gibt es so etwas wie ein neues Leben? Lizzie Doron verleiht der älteren Dame Leale, die auf ihr Leben und das der anderen Shoah-Überlebenden in ihrem Viertel zurückblickt, eine unglaublich traurige, schmerzerfüllte Stimme. Und dennoch findet sich zwischen den Zeilen so viel kleines Glück, so viel Festhalten am Leben und so viel fesselnde Poesie. Ich konnte „Ruhige Zeiten“ nur schwer aus der Hand legen. Es hat mich traurig und glücklich gemacht. Auch jetzt nach der Beendigung des Buches verbleibe ich noch in dieser ambivalenten Stimmung. Gibt es ein besseres Zeichen für ein Buch? Ein wertvolles schmales Büchlein, welches in der heutigen Zeit helfen kann, die empfindliche Identität der Israelis zu verstehen.
21. Nov.Nov 21, 2023
Ruhige Zeitenby Lizzie Dorondtv Verlagsgesellschaft
