Das wilde Kind von T. C. Boyle erzählt vom Leben des Victor von Aveyron oder des Wolfsjungen. Es ist eine Geschichte von einem Kind, das zivilisiert werden soll und unterrichtet wird, damit es sich wie andere Kinder auch verständigen kann. Doch das gestaltet sich sehr schwer. 6/10
Das wilde Kind wächst auf sich allein gestellt in französischen Wäldern auf und wird mit ungefähr 11 Jahren gefangen, nach und nach untersucht, erzogen, unterrichtet und zu einer Publikumsattraktion. Die Art und Weise wie es behandelt wird und welche Prioritäten gesetzt werden, unterscheiden sich dabei, je nachdem wer die Verantwortung für das Kind trägt und bei wem es lebt. Das wilde Kind basiert auf der Person Victor von Aveyron, die real existiert hat. Dabei unterscheiden sich die Erzählungen nicht groß voneinander. Das Buch wirft spannende und bewegende Themen und Fragen auf z.b., wie kann eine Erziehung gelingen, bei einem Kind das zehn Jahre seiner Kindheit abseits von jeder anderen menschlichen Seele gelebt hat und kein Verständnis für Sprache, Anstand, Religion 🤡, Empathie und das Leben anderer Menschen in Zivilisation besitzt? Oder: Wie reagiert der verwahrloste Junge auf ein Umfeld, dass für ihn komplett fremd ist? Die Erkenntnisse, die der Mensch durch die "Behandlung" Victors von Aveyron gewonnen hat, haben unabhängig vom Roman auch die Pädagogik und damit die Art der Erziehung unserer Kinder nachträglich beeinflusst. T. C. Boyle beschreibt das Leben des wilden Kindes ausschweifend und weckt durchaus das Interesse. Doch die Sprache ist oftmals zu kompliziert. Verschachtelte Sätze ziehen sich zum Teil eine halbe Seite lang. Das stört das Lesen massiv und ich kam sehr oft ins Stocken, obwohl das Beschriebene mich packen konnte.




