13. Jan.
Rating:4

Irrungen und Wirrungen des Lebens

Klappentext: "Mit feiner Ironie erzählt Antal Szerb in diesem wahrhaft europäischen Roman die Geschichte einer jungen Ehe. Er beleuchtet den Weg des frischvermählten Paars Erzsi und Mihály wie der helle Mond eine venezianische Gasse. Bereits auf der Hochzeitsreise in Italien wird Mihály durch die unerwartete Begegnung mit einem alten Freund von melancholischen Erinnerungen an seine rebellische Jugend überwältigt, und erste Phantasien über das Ende ihrer Beziehung beschleichen ihn. Als er seine Frau auf der Weiterreise an einem kleinen Bahnhof aus Versehen »verliert«, begreift Mihály dies als ein Zeichen, und eine ganz andere Reise beginnt, eine Schattenreise zum Selbst." Das Cover zeigt eine Frau, ganz alleine auf einem Sofa sitzend und lesend. Das Cover ist in wenigen Farben, jedoch einigen Schattierungen der Farben sehr einfach gehalten. Die Erzählweise ist etwas gehobener, jedoch anschaulich und vermittelt Bilder, Emotionen sowie die Atmosphäre. Der Leser landet direkt in den Gefühlswirrungen des jungen Mihaly und kann sie sehr leicht nachempfinden. Charaktere sind wenige beschrieben, man lernt sie einfach durch die Geschichte wirklich kennen. Erst nach dem ich mit dem Buch fertig war, konnte ich sagen, dass Erszi für mich die besten Protagonistin ist. Still und weise geht sie diesen Weg zur Selbsterkenntnis. Mihaly ist sehr launenhaft, melancholisch oder depressiv. Seine Gedanken sind teilweise wirr, teilweise einleuchtend. Genauso gibt er sich auch im Buch. Spannend ist der Handlungsort, zum Großteil Italien. Dieses Land wird nicht nur als tolles Urlaubsziel dargestellt, sondern wird auch teilweise als düsteres, ärmliches, nostalgisches Erdteil beschrieben. Wir reisen aber nicht nur nach Italien, sondern auch in die Vergangenheit von Mihaly, mit der er nicht ganz fertig wird. Der Leser bekommt das Gefühl, dass die Vergangenheit der einzige Ort sowie die einzige Zeit ist, in der der Hauptprotagonist lebt. Lange ist sein Weg, bis er damit abschließt. Lang und sehr mühsam. Dieses Buch beschreibt die Geschichte einer Freundschaft und einer Liebe sowie deren Zerfall. Melancholisch, aber schön, wirr, aber interessant ist das Leseerlebnis. Spannende Gespräche und interessante Philosophien verleihen noch extra Würze.

Reise im Mondlicht
Reise im Mondlichtby Antal Szerbdtv Verlagsgesellschaft
11. Juli
Ich bin begeistert
Rating:5

Ich bin begeistert

Ich weiß gar nicht so recht, was ich sagen soll. Ich bin völlig begeistert. Sprachlich hat das wahnsinnig viel Spaß gemacht. Ich bin beeindruckt, wie diese beklemmende Stimmung aufgebaut wurde und wie die Charaktere wahnsinnig tiefe und wenig klischeehafte Eigenschaften haben. So absurd einzelne Handlungsschritte auch sein mögen, ich habe Motive und Beweggründe in Romanen selten so gut nachvollziehen können. Am Ende haben sich noch ein paar Tränen in meine Augen verirrt.

Reise im Mondlicht
Reise im Mondlichtby Antal Szerbdtv Verlagsgesellschaft
21. Dez.
Rating:2

Inhalt: Erzsi und Mihály sind auf Hochzeitsreise, doch dann steigt Mihály mehr oder weniger aus Versehen in den falschen Zug und ihre Wege trennen sich. Während Erzsi nach Paris fährt, begibt Mihály sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit, von der er sich nie ganz lösen konnte... Meine Meinung: Wow - das war krass! Nachdem ich "Die Pendragon-Legende" von Antal Szerb so gut fand, freute ich mich auch auf "Reise im Mondlicht". Ich erwartete nicht, dass dieses Buch genauso gut sein würde, wie das erste, aber die knallharte Realität: Ich hätte "Reise im Mondlicht" beinahe abgebrochen. Doch ich wollte dieses Jahr kein Buch mehr abbrechen, also habe ich mich durchgequält. Wieso es mir nicht gefallen hat? Einerseits wusste ich von Anfang an nicht, worauf das Buch hinaus will. Das ist mir auch jezt noch nicht ganz klar, denn schlussendlich steht man wieder dort, wo man angefangen hat. Bloss, dass Mihály wohl keine Frau mehr hat. Ausserdem waren die Protagonisten so durch den Wind, dass ich beide einfach nicht verstehen konnte. Auf dem Cover des Buches steht ein Zitat von The Guardian: "Dieses Buch ist total verliebt in das Leben." Nun, meiner Meinung nach ist in diesem Buch überhaupt keiner verliebt. Oder einfach alle in die glorreiche Éva, Mihálys Jugendliebe. Obwohl Mihály natürlich nicht in sie verliebt ist, nein. Überhaupt nicht. Im nächsten Satz sagt er aber wieder, dass er es war und nervt sich dann ab Erzsi, weil sie ihn nicht verstehen kann. Echt jetzt? Würde mein Mann mir sowas erzählen, würde ich ihn auch nicht verstehen. Entscheide dich endlich. Erzsi wiederum mag wohl Männer, die sie nicht für voll nehmen. Ihr erster betrügt sie ständig mit anderen Frauen, nur um dann Mihály einen Brief zu schreiben, wie er Erzsi richtig behandeln soll. Der nächste Mann, den sich Erzsi nimmt, haut ab, um einer gottähnlichen Frau nachzulaufen, von der er 20 Jahre lang nichts wissen wollte. Der guten Erzsi ist das natürlich egal und flirtet in Paris mit Mihálys Freund und meint, sie hätte den Typen ja geheiratet, eben weil er anders ist als die anderen. Deshalb muss sie das so akzeptieren. Nun gut, wenn man bedenkt, wann das Buch geschrieben worden ist, muss eine Frau das wohl einfach so hinnehmen. Wahrscheinlich ist "Reise im Mondlicht" wohl die Geschichte einer Mid-Life-Crisis. Aber zu der Zeit, als das Buch entstand, gab es diesen Begriff noch nicht. Jedenfalls rennt Mihály also durch Italien und verzettelt sich in Beschreibungen von irgendwelchen architektonischen und künstlerischen Beschreibungen, die überhaupt nichts zur Geschichte beitragen. In "Die Pendragon-Legende" kamen solche Beschreibungen auch vor. Aber da waren sie wichtig für den Fortgang des Buches und gaben einen guten Einblick in die Umgebung. Hier ödeten sie mich an. Man kann Seiten überspringen und ist dann doch noch immer am selben Ort und nichts hat sich getan. Fast am schlimmsten fand ich die ständigen Zufälle. Ganz per Zufall trifft ein alter Freund in Venedig auf das frisch angetraute Ehepaar, ganz per Zufall trifft Mihály auf jemanden, der jemanden kennt, der vielleicht auch ein alter Freund sein könnte. Und ja- natürlich, von allen Mönchen in Italien findet Mihaly dann genau den richtigen. Per Zufall natürlich. Und ganz per Zufall trifft er in Rom auf Éva. Das sind mir einfach zu viele Zufälle, als dass das Ganze noch glaubhaft wirkt. Ja, im Leben geschehen oft lustige Zufälle. Aber hier wird gleich ein ganzer Sack davon ausgeschüttet. Nein, also wirklich. Muss das sein? Fazit: Interessant, wie unterschiedlich man die Titel desselben Autors wahrnehmen kann. Jetzt bin ich mal gespannt, was passiert, wenn ich das nächste Buch von Szerb lese. Jetzt hab ich eins, das ich absolut genial finde, und eines, das ich absolut schrecklich finde. Diesen Umstand finde ich eigentlich ganz lustig. Auch wenn die Zeit, die ich mit dem Mondlicht verbracht habe, ganz und gar nicht lustig war.

Reise im Mondlicht
Reise im Mondlichtby Antal Szerbdtv Verlagsgesellschaft
24. Apr.
Rating:5

Ein wunderbares Buch! Zart, elegant, melodisch reiht sich Satz an Satz. Stimmungsvoll und mit Feingefühl nähert sich der Autor seinen Figuren, die mit ihren jeweiligen Lebenssituationen hadern. Wir begleiten Mihály und Eszri dabei, wie ihre Hochzeitsreise in die Trennung führt, kehren in ihre Vorgeschichte zurück und betreten zahlreiche Seitenpfade, die aber allesamt auf das Ende hinstreben. Kann Mihály aus dem faden Bürgerleben ausbrechen? Welche Optionen hat er? Darum geht es, nicht mehr und nicht weniger als um die existentielle Krise.

Reise im Mondlicht
Reise im Mondlichtby Antal Szerbdtv Verlagsgesellschaft