27. Feb.
Rating:2

„Doch wenn alle immer so täten, als ob, bestehe eigentlich kein Unterschied mehr zwischen dem Als-ob und der Wirklichkeit.“ […] „Zu Maschinen mutierten wir, zu Monstren, zu Missgeburten unserer selbst, wenn wir uns nicht mit aller Macht den Mechanismen dieser Machenschaften erwehrten.“ Zum Cover: Da ich das Buch in einer Hardcoverausgabe von einem früheren Klassenkameraden geschenkt bekam, habe ich eine Ausgabe, die Goodreads nicht unterstützt. Daher beschreibe ich euch diese so gut es geht. Sie besitzt lediglich ein schwarz-weiß Foto von zwei jungen Jungen, die im Vordergrund eines Klassenzimmers sitzen. Der Titel ist darüber in einer Art Tafel hineingeschrieben. Generell eher schlicht gehalten, passt an sich finde ich jedoch nicht ganz zum Inhalt. Die Ausgabe, die Goodreads unterstützt, haben jedoch Cover, wo ich auch nicht sagen würde, dass sie zu Hundertprozent dem Inhalt wiedersprechen. So semi gut also. Zum Inhalt: „Die Lüge, sagte er gleich zu Beginn, das solle ich verinnerlichen, sei das Elixier der Schule. Jeder hier an der Schule lüge. Er, der Direktor, zuallererst.“ Studienassessor Kranich, Englisch, Deutsch, lernt bereits an seinem ersten Schultag, auf welche vier Säulen sich das gesamte Schulsystem stützt: Angst, Jammer, Schein und Lüge. Leider wohnt Kranich am falschen Ort, das gibt ein dickes Minus in der Leistungsbeurteilung – die wirklich wahren Kompetenzen eines jeden Lehrers, erfährt er, seien die Schlüsselkompetenzen. Für jeden gefundenen, vielmehr erbeuteten Schlüssel, den er Direktor Höllinger beibringt, kommt er weiter nach oben. Meine Meinung: An sich ist dieser Roman kein schlechter. Der Schreibstil ist interessant, aber keinesfalls einprägsam oder schön. Er ist regelrecht ertragbar. Auch die Geschichte ist eher lahm und flach, weil sie nicht wirklich viel Tiefe hat und ebenso wenig Inhalt. Der neue Lehrer, Herr Kranich, erzählt bloß von seiner Anfangszeit als Lehrer an einem Gymnasium und deren drastischem Ende. Selbst lustig war diese angebliche Satire von einem Roman nicht, zumindest ist es wenn nicht mein Humor. Es ist zwar sehr interessant hinter die Kulissen eines Lehrers zu schauen und ich denke, dass vieles, was sich in diesem Buch im Lehrerzimmer abspielt vielleicht zutrifft, aber doch eben sehr paradox teilweise auch ist. Als Satire muss es das ja auch sein, daher hat es diesen Punkt erfüllt. Doch letztlich ist das Buch einfach nichts für mich gewesen. Gut, es ist außerhalb meiner Kompfortzone, vom Genre her, aber es hat mich jetzt nicht motiviert, nochmal aus ihr auszubrechen, was ja eigentlich Sinn der Sache wäre, wenn man „out-of-comfort“ liest. Daher kann ich dem Buch tatsächlich so nichts abgewinnen. Fazit: „Lehrerzimmer“ von Markus Orths ist nicht schlecht und bestimmt gibt es da draußen jemanden, dem es gefallen könnte. Mir wiederum hat es nicht gefallen. Ich habe mich sehr unwohl in der Geschichte gefühlt und die ganze Zeit gedacht: „Lies es wenigstens zu Ende, viele Seiten hat es nicht!“ – So sollte man nicht denken, ich weiß, und deshalb kann ich dem Buch auch nur maximal 1,5 Sterne geben.

Lehrerzimmer
Lehrerzimmerby Markus Orthsdtv Verlagsgesellschaft
29. Jan.
Rating:4

Markus Orths, selbst Teil der deutschen Lehrerschaft gewesen, zeichnet auf wenigen Seiten eine Karikatur des deutschen Bildungssystems, genauer gesagt des Gymnasiums. Hier nimmt er insbesondere die Lehrer in den Blick. Orths legt auf radikale und satirische Art und Weise die Schwächen und Grausamkeiten dieses Berufsstandes und des ihm zugrunde liegenden Systems frei. Durch die tragische Komik, die immer mehr ins Absurde abdriftet, kann der Leser eine Position der Distanz auf den realen Gegenstand einnehmen. Man kann Orths lediglich vorwerfen, dass er schwarz malt und rein destruktiv vorgeht. Eine absolute Leseempfehlung! Nicht nur für Lehrer, angehende Lehrer oder Schüler, sondern für ALLE, weil wir alle mal in der Schule waren oder Kinder haben, die dort hin gehen. Und eines ist klar: das deutsche Bildungssystem ist immer noch nicht gut genug!

Lehrerzimmer
Lehrerzimmerby Markus Orthsdtv Verlagsgesellschaft