Gogols 4 Novellen sind eindrucksvoll auf verschiedenen Ebenen.
Neben der wunderbaren Komik vermittelt der Autor auch ein bitteres und realistisches Bild der russischen Gesellschaft des frühen 19. Jahrhunderts in der Großstadt. Tragik und Satire stehen sehr nah beieinander.
Mit den Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen und Der Nase, hat Gogol einen Nerv bei mir getroffen. Der Humor des Autors ist urkomisch und der bildlich absurde Witz den der Autor hier darlegt, ist sehr unterhaltsam. Fast schon albern, wenn die Welt nicht so realistisch düster wäre.
Die Sprache ist wie bei vielen russischen Autoren dieser Zeit unfassbar gut, teilweise schon lyrisch. Wie er Typen beschreibt und Gesichter zeichnet ist originell und urkomisch.
Gogol ebnet den Weg für die gesellschaftskritischen Romane Tolstois und Dostojewskis. Nur um ein vielfaches leichter und ironischer.
Wer noch keine Berührung mit russischer Literatur hatte, kann mit den Petersburger Novellen einen wunderbaren und erfolgreichen Start in diese wagen. In vier Erzählungen finden wir alles über Machtgefüge, absurdigkeit, den Rang des Geldes aber auch sozialer Ungerechtigkeit verpackt in einer Mixtur aus Komik, Dramatik und Satire.
Hinzukommt, dass es ein kleines Buch ist, dass man wunderbar an einem Abend durchlesen kann.
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich bei einem Buch so schmunzeln oder gar lachen musste. Gogol schreibt groteske Situationen mit so einer Ernsthaftigkeit wo ich sie noch nie erlebt habe. Zudem beinhalten diese amüsanten und fantasievollen Erzählungen sehr bewegende Geschichten, die zum Denken anregen. Dieser Mix aus verschiedenen Genre ist einfach nur herrlich.
Petersburg im Wosnesenskij-Prospekt, Wohnort des Barbiers Iwan Jakowlewitch, ereignete sich folgendes:
..["Heute werde ich keinen Kaffee trinken Praskowja Osipowna" sagte Iwan Jakowlewitsch "sondern statt dessen heißes Brot mit Zwiebeln essen".
Zwar hätte Iwan Jakowlewitsch gern das eine wie das andere gehabt aber er wusste, dass es völlig ausgeschlossen war zwei Dinge auf einmal zu verlangen da Praskowja Osipowna derlei Gelüste gar nicht liebte. Soll der Narr eben Brot essen, dachte die Gemahlin bei sich, wenigstens bleibt für mich eine Portion Kaffee übrig und sie warf ein Brot auf den Tisch.
Ivan Jakowlewitch zog der Schicklichkeit halber denn Frack über das Hemd, setzte sich an den Tisch, schüttete sich ein häuflein Salz zurecht, putzte 2 Zwiebelköpfe, nahm das Messer in die Hand, setzte eine bedeutungsvolle Miene auf und machte sich daran, das Brot anzuschneiden. Er schnitt es in zwei Hälften, besah sich das Innere und erblickte zu seiner Verwunderung etwas weißliches. Iwan Jakowlevitch stocherte vorsichtig mit dem Messer daran herum und kratzte ein wenig mit dem Daumen. "Etwas Hartes!" brummte er vor sich hin. "Was mag es nur sein?"
Er steckte die Finger hinein und zog eine Nase heraus! Iwan Jakowlevitch ließ die Arme sinken rieb sich die Augen und betastete das Ding. Es war eine Nase, eine richtige Nase! und noch dazu, wie im schien eine bekannte Nase. Entsetzen malte sich auf Iwan Jakowlevitchs Zügen. Aber dieses Entsetzen war nichts im Vergleich zu dem Unwillen, der sich seiner Gemahlin bemächtigte.
"Wem hast du diese Nase abgeschnitten du Vieh?" kreischte sie wütend "Du Gauner du besoffener Kerl! Ich werde dich selber bei der Polizei anzeigen! So ein Räuber! Von drei Leuten schon habe ich gehört, dass du sie beim Balbieren derart an der Nase zerrst dass es ein Wunder ist wenn sie nicht abreisen."..]
Aus 'Die Nase', 1836
Gogol - Ein Meister der Groteske, des Absurden.
Bekannt wurde Gogol mit den Erzählungen 'Abende auf dem Weiler bei Dikanka' - volkstümliche ukrainische Erzählungen bespickt voller Phantastik und märchenafter Komik.
Sehr bekannt ist auch sein Roman 'die toten Seelen'
Leseempfehlung!