In 'Lückenleben' führt uns die Autorin ungeschönt durch die Zeit der schweren Demenz-Erkrankung ihres noch sehr jungen Mannes, dem Abschiednehmen und auch die Zeit danach. Sie tut dies oft auch mit einer feinen Prise schwarzen Humors, der mich schmunzeln hat lassen. Wer selbst mit Menschen mit Demenz befasst ist, wird sich in den Erzählungen wiederfinden.
Sie schreibt aber auch oft mit einer Wut im Bauch, stellt sich klar gegen Konventionen und Tabus unserer Gesellschaft und auch wenn sie selber eigentlich gar nicht so gesehen werden will .... für mich ist sie eine starke Frau! 💪🏻🥰
In der Danksagung dankt sie ihren Kindern, die die Krankheit mitgetragen und sie trotz des jungen Alters tatkräftig unterstützt haben, wortwörtlich: "Das Leben hat euch wunderbar gemacht. Ich weiß, der Preis war hoch." 🥲😍
Ein Buch das nachhallt - ebenso wie das Buch ihres Sohnes 'Das Privileg, einen kranken Vater zu haben', das ich auch bereits gelesen habe. 📚🤗
„Ich ärgere mich, dass ich in einem Buch über Krankheit auch über Emanzipation schreiben muss.“ S. 214
Katrin Seyfert schreibt in ‚Lückenleben‘ über die Zeit von der Alzheimer Diagnose ihres Mannes, über die Jahre der Pflege, die Entscheidung diese Pflege abzugeben und schließlich um die Zeit danach, das erste Trauerjahr. Ich bin erstaunt darüber, wie schnell ich durch diese Texte geflogen bin, obwohl es sich hier um schwere Themen handelt. Aber Seyfert schreibt so ehrlich und humorvoll, schonunglos, gesellschaftskritisch und zum Teil feministisch, dass ich am Ende ohne Unbehagen aus der Lektüre rausgegangen bin.
Sie bricht mich Konventionen, Klischees, Stigma einer Krankheit, aber vor allem von Trauer. Die Gesellschaft hat genaue Erwartungen an pflegende Angehörige, Witwen, Kinder, wie und wie lange genau diese zu trauern haben. Soch hier wird offen und ehrlich heruntergeschrieben, dass all diese Aspekte (natürlich) persönlich ganz anders sein können, dass da nicht nur Traurigkeit, auch Wut, Angst, Überforderung und Hilflosigleit sind.
Dabei schreibt Seyfert aus einer recht priveligierten, akademischen, klassischen hetero Sicht. Was ich nicht bewerte und der Vollständigkeit halber erwähne. Denn schreibt sie über klassische Rollenverteilungsprobleme oder Geldsorgen, erzählt sie hier rein über ihre eigenen Erfahrungen. Wahrscheinlich hat mich genau das überzeugt. Es geht nicht darum, es anderen recht zu machen, nur darum, Leid (mit-) zu teilen, zu erklären. Und trotzdem stehen am Ende auf 7 Seiten Quellen und Verweise auf Studien und wissenschaftliche Texte - so lobe ich mir das! Nur das häufige Erwähnen von Alkohol ging mir etwas daneben. Aber auch hier wieder: Ehrliche Erzählungen. Am Ende hätte ich mir noch eine kleine Einführung ins Thema der Krankheit allgemein gewünscht, aber am Ende ist Katrin Seyfert auch Journalistin und keine Fachkundige.
Lückenleben lässt die Leser*innen eintauchen in die Welt einer Ehefrau, deren Ehemann an Demenz erkrankt ist.
Katrin Seyfert, die unter einem Pseudonym schreibt, berichtet schonungslos ehrlich von ihren Erlebnissen als Angehörige eines an Alzheimer Erkrankten. Die Symptome dieser Erkrankung und der Erkrankte selbst stehen hier nicht im Vordergrund. Es geht eher darum, was die Erkrankung und die damit einhergehenden Symptome mit der Familie macht, auch über den Tod hinaus.
Inhaltlich bekommt man das Rudumpaket, von Geldsorgen, über Streitereien mit der Pflegekasse, bis hin zu unnützen Ratschlägen von Bekannten.
Es gibt lustige Anekdoten, skurrile Erlebnisse, oder Geschichten die wütend und traurig machen.
Sehr gut gefallen hat mir, dass die Autorin jederzeit respektvoll und mit sehr viel Liebe und Zuneigung über ihren Ehemann spricht, ohne dabei die Gegebenheiten zu beschönigen
Frau Seyfert hat Rheotorik studiert, was man ihrem Schreibstil auch deutlich anmerkt.
Das Buch hat mich phasenweise richtig gefesselt, allerdings gab es auch Passagen, die ich nicht gebraucht hätte.
Die immer wieder eingestreuten Gedichte, oder Zitate von Dichtern und Philosophen, sowie die Lebensweisheiten, empfand ich gegen Ende too much, da sie für mich den Lesefluss störten.
Es gab auch die eine oder andere Wiederholung, die man hätte streichen können.
Alles in allem ein Buch, das ich gerne gelesen habe, das informativ war, das mich aber weniger berührt hat, als erhofft.
Wer hier einen Leitfaden für Angehörige erwartet, wird enttäuscht sein. ( ich denke, das war auch nicht die Absicht der Autorin). Es ist ein Erlebnisbericht und damit sehr individuell.