Ich bin mit Astrid Lindgren groß geworden. Michel aus Lönneberga, Pippi Langstrumpf, Madita, Ronja Räubertochter und Lotta aus der Krachmacherstraße haben mich durch meine Kindheit begleitet – und tun es ehrlich gesagt bis heute noch. Entsprechend war mein Zugang zu „Astrid Lindgren: Ihr Leben“ von Jens Andersen kein neutraler. Vieles an ihrer Geschichte war mir bereits bekannt, da ich zuvor schon eine andere Monografie über sie gelesen habe. Neue „Enthüllungen“ sollte man hier also nicht erwarten – aber genau darum geht es diesem Buch auch nicht. Es ist keine Sensationsbiografie, sondern eine Vertiefung. Eine Einordnung. Und vor allem eine Schärfung eines bereits bestehenden Bildes. Was Jens Andersen besonders gut gelingt, ist der Ton: ruhig, distanziert, für manche vielleicht kühl – für mich genau richtig. Er bewertet nicht, urteilt nicht und drängt dem Leser keine Meinung auf. Stattdessen schafft er einen Rahmen aus historischen Fakten und Kontext, in dem Astrid Lindgren selbst zu Wort kommt. Briefe, Tagebucheinträge und andere Selbstzeugnisse geben den Emotionen Raum – nicht ein Erzähler, der sie für uns einordnet. Und genau das ist die große Stärke dieses Buches. Astrid Lindgren wird hier nicht verklärt. Sie erscheint weder als makelloses Vorbild noch als unantastbares Denkmal. Stattdessen zeigt sich ein Mensch mit schwierigen Entscheidungen, inneren Konflikten und Konsequenzen, die sich nicht einfach „wegerklären“ lassen. Besonders im Umgang mit ihrem Sohn wird das deutlich – und was ich daran bemerkenswert finde: Sie wusste das. Sie hat sich nichts vorgemacht. Diese Ehrlichkeit, diese Klarheit und diese Fähigkeit zur Selbstreflexion sind für mich der Schlüssel zu ihrem Werk. Man merkt ihren Geschichten an, dass sie nicht aus einer idealisierten Vorstellung von Kindheit entstehen, sondern aus einem echten Verständnis dafür, wie komplex sie ist. Das Buch verlangt dabei auch etwas vom Leser: die Fähigkeit, Ambivalenz auszuhalten. Es erklärt nichts weg, entschuldigt nichts und verurteilt nichts. Wer damit nicht umgehen kann, läuft Gefahr, vorschnell zu urteilen – besonders ohne ein gewisses Vorwissen über Lindgrens Werk. Mit diesem Hintergrund liest sich die Biografie deutlich differenzierter. Für mich war dieses Buch keine neue Entdeckung, sondern eine intensive Vertiefung dessen, was ich bereits wusste – aber genau darin liegt seine Stärke. Es hat mein Bild von Astrid Lindgren nicht verändert, aber geschärft.
Informativ, leicht geschrieben.
Leider total langweilig geschrieben. Und das bei so einer interessanten Frau!
Astrid Lindgren ist eine meiner größten Kindheitsheldinnen. Als ich dieses Buch gesehen habe, war mir sofort klar, dass ich mich dafür bewerben muss. Jens Andersen ist wirklich ein einzigartiges Buch gelungen. Er blickt hinter die Fassade einer Erfolgsautorin, die mit ihren Büchern nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsene auf der ganzen Welt begeistern konnte. Aus der Kindheit der Autorin erfährt der Leser nur Bruchstücke. Vielmehr konzentriert sich Jens Andersen auf "Das Leben danach". Das Schreiben nutzte sie oft, um sich von ihrem eigenen Kummer abzulenken. Von ihrer frühen Schwangerschaft, von Problemem mit dem Vater ihres Sohnes oder scheinbar nie enden wollenden Konflitkten mit ihren Eltern. Im sozialistischen Schweden galten ihre Bücher nicht immer als Bestseller, eher im Gegenteil. Oft wurde ihr vorgeworfen, mit ihren Büchern zur Rebellion aufzurufen. Astrid stellte sich dagegen und zog weiterhin ihr Ding durch. Ich muss ehrlich gestehen, jetzt - wo ich eine weitere Biographie über ihr Leben gelesen habe - ist sie mir noch mehr Kindheitsheldin, als sie es vorher schon war. Eine starke Frau, die alle Höhen und Tiefen des Lebens am eigenen Leib erfahren hat. Eine starke Frau, die sich nie wirklich hat unterkriegen lassen und die eine Menge Respekt verdient. Eine starke Frau, die auf ewig meine persönliche Kindheitsheldin sein wird - nicht nur wegen ihrer Bücher, in denen sich viele verschiedene Facetten des Lebens - und auch ihres Lebens - wiederspiegelt. Jens Andersen ist es gelungen, einen wirklichen guten Einblick in das Leben einer Frau zu geben, die so viel mehr getan hat, als nur Bücher zu schreiben. Sie galt als engagierte Frau, die für Frieden, Gerechtigkeit und die Rechte von Kindern eintrat. 2002 verstarb die Kinderbuchautorin im Alter von 94 Jahren.
Lesenswert!
Sehr umfangreiche, eher nüchtern aufgearbeitete Biografie über die unvergleichliche Astrid Lindgren. Der Autor gibt tiefe Einblicke in alle Phasen ihres langen Lebens und Schaffens, der Leser kann sich ein Bild von ihrer Denkweise, ihren Überzeugungen und Lebenseinstellung machen. Man lernt alle wichtigen Wegbegleiter kennen und begleitet Astrid durch ganz unterschiedlich geprägte Phasen ihres privaten, beruflichen und später auch teils politisch angehauchten Weges. Das Buch ist reich bestückt mit Zitaten, Fotos, originalen Schriftstücken sowie zahlreichen handschriftlichen Notizen. Am Ende des Buches hab ich dann doch ein kleines Tränchen verdrückt und fühle mich ganz verbunden mit dieser unfassbar starken, großartigen, unangepassten, gewollt-einsamen, immer kindgebliebenen und freiheitsliebenden Schwedin.
Astrid- Liebe!
Buchempfehlung im Eat-Read-Sleep-Podcast. Als Schwedenfan wusste ich schon einiges über Astrid und habe auch schon ihr Haus in Näs besucht, wo sie aufwuchs. Jens Andersen hat so gründlich in Archiven gesucht und mit Zeitzeugen gesprochen, dass ein unheimlich umfangreiches Porträt gelungen ist. Spannend und berührend zugleich. Ich wusste so einiges nicht, z. B. dass sie lange als Lektorin gearbeitet hat. Auch ihr politisches und gesellschaftliches Engagement habe ich unterschätzt. Sie war ihrer Zeit voraus!
Einblick in das Leben einer Märchenerzählerin
Das Buch "Astrid Lindgren, ihr Leben" ist eine faszinierende Biografie über die Schöpferin vieler beliebter Märchenbücher. Für Leser und Leserinnen, die mit Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga und Ronja Räubertochter aufgewachsen sind, bietet diese Biografie einen tieferen Einblick in das Leben der Autorin. Es vermittelt neue Erkenntnisse über Astrid Lindgren und ihre inspirierende Persönlichkeit. Insgesamt ist das Buch sehr empfehlenswert für alle, die mehr über die Frau hinter den zeitlosen Geschichten erfahren möchten.
Eine fast nüchterne Biografie einer großartigen Frau. Viele O-Töne und viele Bilder fangen die Aura von Astrid Lindgren ein. Nachhaltig beeindruckend.







