
Welche Mutter kennt sie nicht, diese Sprüche wie "Du hast es dir doch selbst so ausgesucht" oder "Genieße es doch einfach". Und innerlich weißt du nicht, ob du losheulen oder beide Mittelfinger gleichzeitig erheben möchtest, weil du einen Schlafmangel aus der Hölle hast, Kaffee schon gar nicht mehr hilft, seit drei Tagen nicht mehr duschen warst und dir der Rücken schmerzt, weil das Baby sich nicht ablegen lässt. Während dein Kopf schon beim nächsten Kinderarzttermin hängt, du die Einkaufsliste auf Vollständigkeit überprüfst und - verdammt! - in einer Stunde kommt ja schon der Besuch und die Küche ist das reinste Schlachtfeld. Das Buch liest sich sehr gut, ist verständlich geschrieben und der Aufbau gefällt mir. Durch das Duzen der Autorin wird eine gewisse Nähe geschaffen, was meiner Meinung nach das Thema deutlich angenehmer macht. Einige Informationen waren für mich zwar nicht neu, da ich allgemein einfach schon viel zu dem Thema gelesen habe. Was für mich allerdings neu war, ist das Beleuchten des Zusammenhangs zwischen emotional load und dem good old Patriarchat. Denn nahezu alles ist einfach ein gesellschaftliches, strukturelles Problem. Außerdem werden u. a. noch Themen wie Parentifizierung, people pleasing und das cycle breaking behandelt. Die vielen Beispielsituationen und Übungen zum Nachmachen finde ich ebenfalls sehr hilfreich und sinnvoll, besonders die Impulse im hinteren Teil des Buches. Inhaltlich kann das Ganze möglicherweise etwas aufwühlend sein, je nachdem wie die eigene Vergangenheit war. Denn alles, was wir in unserer Kindheit waren und (nicht) sein durften und zu wem wir jetzt geworden sind, wirkt sich auf die Kindheit und das gesamte Leben unserer eigenen Kinder aus. Für mich ein sehr sinnvoller und zu empfehlender Ratgeber, den ich nicht nur Müttern ans Herz legen kann.





