
Königin des Sprungturms - Manchmal ist der tiefste Fall nicht der ins Wasser, sondern der in die eigene Angst.
„Königin des Sprungturms“ ist ein bemerkenswertes Jugendbuch, das sich wohltuend vom typischen Sportler-Kitsch abhebt. Es geht hier nicht um den glänzenden Pokal am Ende, sondern um das, was im Kopf passiert, wenn der Körper plötzlich streikt. Die Geschichte von Nadja und Karla ist psychologisch extrem präzise erzählt. Besonders stark ist die Darstellung der „Blockade“: Das Gefühl, oben auf dem Turm zu stehen und sich nicht mehr bewegen zu können, wird so greifbar beschrieben, dass man beim Lesen selbst fast weiche Knie bekommt. Die Dynamik zwischen den beiden Mädchen – das Schwanken zwischen tiefer Freundschaft und leisem Neid, während die eine aufsteigt und die andere scheitert – ist absolut authentisch für das Alter der Protagonistinnen eingefangen. Die sachliche, fast schon kühle Sprache der Erzählerin Nadja passt zwar perfekt zur Atmosphäre eines sterilen Hallenbades und zum harten Training, schafft aber manchmal eine Distanz, die es schwer macht, emotional voll mitzufiebern. Das Ende ist konsequent und ehrlich, lässt einen aber auch mit einer gewissen Melancholie zurück, da es kein klassisches „Happy End“ im sportlichen Sinne gibt. Fazit: Ein tiefgründiges, wichtiges Buch über den Mut, Nein zu sagen und sich dem Erwartungsdruck zu entziehen. Ein verdienter Beitrag zur modernen Jugendliteratur. Von mir 8 von 10 P.

