24. Mai
Rating:3

Zwischen Lebenslust und Verlust

Hans Pleschinskis Bildnis eines Unsichtbaren hat mir insgesamt gut gefallen, auch wenn ich mit dem sehr ausschweifenden und teils sprunghaften Stil nicht immer warm geworden bin. Gerade die fehlende Struktur hat das Lesen für mich zwischendurch etwas anstrengend gemacht – auch wenn genau diese Atemlosigkeit von vielen Kritiken als typisch und bewusst hervorgehoben wird. Besonders gelungen fand ich dagegen den autobiografischen Blick auf die schwule Boheme der 70er- und 80er-Jahre sowie den eindringlichen Umgang mit der AIDS-Krise. Pleschinski zeigt eindrucksvoll, welche Ängste, Verluste und gesellschaftlichen Veränderungen diese Zeit für die queere Community bedeutete. Trotz aller Melancholie bleibt der Roman dabei erstaunlich lebensfroh und voller kultureller Leidenschaft.

Bildnis eines Unsichtbaren
Bildnis eines Unsichtbarenby Hans PleschinskiC.H.Beck
13. Apr.
Rating:5

Gewagt, provokativ, ehrlich, direkt, kurz- und weitsichtig

Das autobiographische Werk von Pleschinski hat alles, was das Literatur - Herz begehrt und noch mehr. Ungezähmt und ohne Umwege gibt er einen Abriss seines Lebens wieder ohne viel Geschnörkel. Eine Aufteilung des Lebens ist nicht notwendig, denn das Leben gibt das auch nicht her. Manchmal dominiert Zynismus, manchmal Übereifer, manchmal ausgeprägte Melancholie, Verzweiflung, Angst, Ungebremstheit oder einfach die Liebe. Aber immer wieder findet er zu sich zurück, besinnt sich und stellt sich den beinahe Unwegsamkeiten der aktuellen Zeit. Nach meiner Meinung sollte dieses Werk insbesondere jetzt gelesen werden, um zu verstehen, um zu begreifen, um zueinander zu finden. Denn das ist es, was er beschreibt. Trotz aller schweren Umstände bleibt die Liebe und sie ist treu ergeben bis zum Ende.

Bildnis eines Unsichtbaren
Bildnis eines Unsichtbarenby Hans PleschinskiC.H.Beck