Zwischen Lebenslust und Verlust
Hans Pleschinskis Bildnis eines Unsichtbaren hat mir insgesamt gut gefallen, auch wenn ich mit dem sehr ausschweifenden und teils sprunghaften Stil nicht immer warm geworden bin. Gerade die fehlende Struktur hat das Lesen für mich zwischendurch etwas anstrengend gemacht – auch wenn genau diese Atemlosigkeit von vielen Kritiken als typisch und bewusst hervorgehoben wird. Besonders gelungen fand ich dagegen den autobiografischen Blick auf die schwule Boheme der 70er- und 80er-Jahre sowie den eindringlichen Umgang mit der AIDS-Krise. Pleschinski zeigt eindrucksvoll, welche Ängste, Verluste und gesellschaftlichen Veränderungen diese Zeit für die queere Community bedeutete. Trotz aller Melancholie bleibt der Roman dabei erstaunlich lebensfroh und voller kultureller Leidenschaft.

