Dies ist eine illusionslose Analyse einer neuen Wirklichkeit, aus der Feder des Machiavellis des 21. Jahrhunderts
"In der Stunde der Raubtiere stellen die Borgianer des gesamten Planeten die Territorien, über die sie herrschen, den digitalen Konquistadoren als Labor zur Verfügung, damit sie dort ihre Vision der Zukunft entfalten können, ohne sich mit Gesetzen und Rechten aus einem anderen Zeitalter belasten zu müssen. ... Die Anwälte kuschen vor den neuen Meistern, und das nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auf der ganzen Welt. Sie dachten, es könnte sie retten, wenn sie sich unterwerfen, doch das war nicht der Fall." - Zitat, Seite 98 Ausgehend von einer Sitzung der Vereinten Nationen im September 2024 nimmt uns der Schriftsteller und Professor für Vergleichende Politikwissenschaft nimmt uns Giuliano da Empoli mit zur Aufführung der Raubtiere auf der weltpolitischen Bühne. Dabei vergleicht er seine Position mit der eines aztekischen Schreibers zur Zeit der Landung von Hernán Cortés und dessen Männern im Aztekenreichs des 16. Jahrhunderts: ..."eher in Bildern als in Begriffen. [Das Buch] versucht den Atem einer Welt in dem Augenblick einzufangen, in dem sie in den Abgrund stürzt - und die eiskalte Machtergreifung einer anderen, die an ihre Stelle tritt." Eine eiskalte Hand scheint auch an das Leseherz zu greifen, wenn man diesen eleganten und eloquent formulierten Essay liest. Eine Leseerfahrung mit Schockwirkung - die beabsichtigt ist. Man sollte sich beim Lesen auf keinen Fall die durchnummerierten Anmerkungen entgehen lassen. Besonders das in der Einführung versteckte Zitat von Sándor Márei aus "Die Glut" ist bemerkenswert. Auch das Quellenverzeichnis ganz am Ende ist einen Blick wert. FAZIT Leider läuft die aktuelle Verfimung des Bestsellers "Der Magier im Kreml" mit Jude Law als Putin nicht in den hiesigen Kinos. Um die Faszination für den weitsichtigen Blick von Giuliano da Empoli trotzdem aufrecht zu erhalten, kam mir die Lektüre des 2025 veröffentlichten Essays gerade recht. Eine Lektüre, welche ich all denjenigen weiterempfehlen möchte, die der Aussage auf Seite 112 zustimmen: "Wir haben immer weniger eine Vorstellung von der Welt, in der wir morgen aufwachen werden."

