Februar 1917: in Russland überschlagen sich die Ereignisse. Auf den Straßen gibt es Proteste, die ein immer größeres Ausmaß annehmen. In den Geschäften gibt es nicht mehr viel zu kaufen, Menschen verhungern. Die Oberschicht lebt ihr ganz normales, luxuriöses Leben weiter, als ob nichts ist. Immer mehr Menschen protestieren, plündern Läden, rotten sich immer mehr zusammen. Irgendwann verlässt der Zar dann doch die Hauptstadt und wird nie wieder zurückkehren. Das Herrschaft des Zaren in Russland fand ich immer schon interessant. Noch dazu diese Revolution, sehr spannend. Das Buch liest sich manchmal fast schon wie ein Roman. Ganz toll und spannend erzählt. Hauptsächlich geht es um die letzte Woche im Zarenreich. Die Gründe des Scheiterns wurden ordentlich reflektiert und analysiert. Meistens gibt es dafür ja auch mehrere Faktoren und ungünstige Zufälle. Manche Ausführungen waren sehr detailreich und es gab sehr viele Namen, die ich meistens erstmal nachschauen musste. Das machte das Lesen manchmal etwas anstrengender. Es ist aber auch kein gemütliches Buch für zwischendurch, sondern eine inhaltlich sehr anspruchsvolle Lektüre. Insgesamt ein beeindruckendes Werk, spannend geschrieben und ganz viel Inhalt. Für alle Geschichts- und Russland Interessierten ein sehr lohnenswertes Buch.
Wieder Geschichte zum mit fiebern. Der Autor nimmt den Leser mit, in die letzten Tage des Zarenreiches. Eine mehrere 100 Jahre währende Ordnung, bricht in 10 Tagen völlig zusammen. Im Volk brodelt es, die mächtigen füllen sich sicher, können oder wollen das nahende Ende nicht sehen und der Zar verlässt die Stadt per Zug und sollte nie wieder zurück kehren. Nichts war geplant, nichts war vorbestimmt. Ein Strudel von Augenblicken, Zufälligkeiten, menschlichen Versagen, Überheblichkeit und Unfähigkeit, reißt alles hinweg. Packend geschildert, mit vielen Berichten von Zeitzeugen und Augenzeugen.

Sehr gute Darstellung der letzten Wochen des Zerenreichs.
Jörg Barberowski zeigt uns mit seinem Buch "Die letzte Fahrt des Zaren" den Ablauf der letzten Tage und Wochen des alten Rußlands, als die Bolschewiken im Zuge der Februarrevolution die Macht ergreifen. Jörg Baberowski nimmt uns mit durch die Tage der bewegenden Zeit von Ende Februar bis zum 15. März 1917. In der Bevölkerung brodelt es mehr und mehr, doch Zar Nikolaj II und seine Berater erkennen die Zeichen nicht. Sie wähnen sich stark und glauben nicht daran, dass ihre Regierung gestürzt werden kann. Das Innenministerium glaubt, weiterhin alles im Griff zu haben. Doch während in den Palästen getanzt und gefeiert wird, weiten sich die Proteste aus. Zar Nikolaj II ahnt auf seiner letzten Reise nicht, dass er Petrograd nie wieder betreten wird. Die angespannte Stimmungslage dieser Tage wurde mir beim Lesen richtig deutlich. Und Baberowski zeigt ganz gut, wie die Lage allmählich auch eine Eigendynamik entwickelte, die das Schicksal des Zaren besiegelte. Das Schicksal eines Zaren, der nicht zum Regieren geboren war. Der zu willensschwach war und sich nicht durchsetzen konnte. In gerade einmal 10 mickrigen Tagen verspielt Zar Nikolaj II seine Macht und sämtliche Möglichkeiten, die Rußland in eine andere Zukunft hätten führen können. Mit Zar Nikolaj Aleksandrovič Romanov geht das Zarenreich letztendlich unter. Am Ende stellt sich mir die Frage, wie alles gekommen wäre, wäre Nikolaj ein willensstarker, selbstbewusster und durchsetzungsfähiger Mann gewesen ...


