Es geht um Schuld, um Erinnern, Schweigen und um verschobene Identitäten. Aber auch darum, wie Kriege ihre Schatten bis in die Gegenwart werfen.
Dieses Buch war ein Zufallstreffer, den ich auf der Verlagsseite entdeckt hatte. Die Tatsache, dass es von einer Chinesin geschrieben wurde, die nach Kanada immigrierte und die Thematik haben mich sofort angefixt. Ich wurde nicht enttäuscht. Man erfährt viel über die jüngere chinesische Geschichte ab Ende des zweiten Weltkriegs. Mir waren zwar "der große Sprung" und "Kulturrevolution" ein Begriff, aber eine Vorstellung davon hatte ich absolut nicht. Dieses Buch führt an die Mao-Zeit heran und animierte mich vieles zu googeln und nachzulesen. Ich war teilweise wirklich erschrocken, welche Bildungslücken sich da auftaten. Alleine deswegen lohnt es sich schon dieses Buch zu lesen. Der zweite Grund dieses Buch zu lesen sind die vielen Zwischentöne, die der Roman anschlägt. Es geht um Schuld, um Erinnern, Schweigen und um verschobene Identitäten. Aber auch darum, wie Kriege ihre Schatten bis in die Gegenwart werfen. Der dritte Grund, dieses Buch zu lesen sind der Aufbau und der Schreibstil der Autorin. Der Einstieg beginnt mit dem Tod Rains, der Mutter der Protagonistin. Nach dem Ableben der Mutter beginnt die Tochter Nachforschungen zu ihrer Familiengeschichte anzustellen und fliegt kurzerhand zu ihrer Tante Mei nach China. An der Stelle ist mir wichtig zu betonen, dass der Aufbau der Geschichte nicht so ist, wie in herkömmlichen Familienromanen mit einem Geheimnis. Vielmehr widmet sich die Autorin in unterschiedlichen Abschnitten unterschiedlichen Figuren. Erst die Geschichte des Vaters, dann die Geschichte der Tochter und schließlich sie Geschichte der Mutter. Dabei springt Zhang Ling immer wieder von der Binnenhandlung in die Rahmenhandlung, sodass der Leser kurz durchschnaufen kann, was zwar einerseits nötig ist, um das Gelesene zu verdauen, aber andererseits auch nervenaufreibend sein kann, weil man unbedingt wissen will, wie es weitergeht Der Schreibstil ist eher nüchtern gehalten und man baut nur bedingt eine Beziehung zu den Figuren auf, da der Fokus viel mehr auf den Strukturen von Erinnerungen liegt als auf Leserbindung. Definitiv kein Buch fürs Herz, aber definitiv eins zur Horizonterweiterung




