31. März
Tragische Familiengeschichte ohne Emotionen
Rating:1.5

Tragische Familiengeschichte ohne Emotionen

Die Autorin, die Tochter des Opfers, macht sich nach 60 Jahren auf die Suche nach dem Unfallverursacher - dem „Töter“ ihres Vaters. Der Schreibstil war für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Auch wenn es nur wenige Seiten hat, war es eine große Herausforderung, das Buch zu beenden. Die Erzählungen wirken sachlich und kühl, es konnten bei mir gar keine Emotionen übermittelt werden. Viele Geschehnisse werden nur oberflächlich beschrieben und nicht weiter ausgeführt. Leider keine Empfehlung.

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
26. März
Rating:4

Der assoziative Schreibstil führt gelingend durch die Reise und verdichtet sich mit der zunehmenden Erkenntnis sehr gelungen. Eine sehr klare und unverkitschte Erzählweise macht das Lesen zum Genuss, wenn man sich darauf einlässt und am besten in einem komprimierten Zeitraum liest . Besonders die Beziehung zur Mutter ist eindrucksvoll herausgestellt sowie der Wandel in der Sicht auf den Töter. Klasse gemacht.

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
13. Feb.
Rating:4.5

Spannende, traurige aber auch tröstliche Spurensuche nach dem verstorbenen Vater Im Roman geht es um Zora Del Buono’s (welch poetischer Name!) persönliche Auseinandersetzung mit dem Unfalltod ihres Vaters. Nebst der akribischen Suche nach dem „Töter“ kommen ihr nahestehende Menschen zu Wort. So fügen sich einzelne Puzzleteile zusammen, bis schließlich das ganze Bild entsteht. Die Erzählung mag teilweise zusammenhanglos wirken. So verwebt die Autorin etwa Statistiken zu Autounfällen in die bruchstückhafte Erzählung mit ein. Aber gerade diese vermeintlichen Details zeigen, wie reflektiert sie ihre Geschichte verarbeitet. Die schwarz-weiß Fotos im Buch, z.B. eins als ihr Vater sie in den Armen hält, haben mich sehr berührt. Über ihre an Demenz erkrankte Mutter schreibt sie: „Beglückende Momente: Wenn Mutter mir entgegenkommt und ruft: Jesses, Zörli (Zora), schön bisch du da!, bevor sie wieder in ihre Welt versinkt und der Vorhang des Sekundenschnellen Erkennens sich geschlossen hat.“ Mein 3. Buch von Del Buono und ich mag ihren Schreibstil richtig gerne!

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
28. Nov.
Rating:3

„Immer wieder erstaunlich, wie Bücher ihren Weg zu einem finden. Manchmal liegen sie monate- oder jahrelang herum, bevor man sie aufschlägt, und genau dann passen sie zum eigenen Leben wie die Faust aufs Auge.“ Die persönliche Spurensuche der Autorin in Fragmenten, gut gemacht, aber als Romanstoff eher uninteressant.

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
24. Juli
Rating:3

Sondern aus Mitleid mit diesem Menschen: "Du kannst einen Greis doch nicht mit dieser uralten Geschichte behelligen." Vielleicht unterstelle ich das meinen Gegenübern nur. Aber ich glaube nicht. Nachschlagen, ob es das Wort "Töter" eigentlich gibt (von Mörder zu reden ist schlicht falsch und Unfallverursacher klingt so technisch). Im Duden steht bei Häufigkeit: "selten". Selten bedeutet: "Das Wort ist durchschnittlich seltener als ein Mal in einer Million Wortformen des Dudenkorpus belegt." Der Online-Duden führt auch die fünf Wörter im Alphabet vor und nach dem Täter auf. Davor: "Totenvogel, Totenwache, Totenwäscher, Totenwäscherin, Toter." Danach: "Töterin, Toterklärter, Toterklärte, Totes Meer, totfahren." Noch nie am Toten Meer gewesen. Diese Weltgegend nicht bereist zu haben, ist eine arge Bildungslücke. - Zitat, Seite 58 Ist dieses Buch nun ein Roman, oder fühlt es sich nur phasenweise so an? Nachgestellt zur eigentlichen Geschichte lesen wir den Hinweis: Dieses Buch ist autofiktional. Hinsichtlich der nicht zum Familienkreis der Autorin gehörenden Personen wurden Namen, Ortschaften und Daten zu deren Schutz verfremdet. Für ein Sachbuch ist diese Geschichte also zu unsachlich und für ein Prosabuch vielleicht zu persönlich? Denn die Autorin Zora del Buono, geboren 1962 in Zürich, nimmt uns mit auf eine ganz spezielle Reise: Sie wird 60 Jahre alt und muss ihre geliebte Mama, die am Demenz leidet, ins Heim geben. Diese Situation wühlt ihn ihr etwas auf und eine bestimmte Frage drängt sie zur dringenden Recherche: Was war das wohl für eine Person, die im Jahr 1963, für den tragischen Unfalltod ihres Vaters auf einer Schweizer Landstraße verantwortlich war? Ist dieser Mann vielleicht noch am Leben, kann sie ihn gar zur Rede stellen und Antworten auf ihre Fragen erhalten? Denn seinetwegen war stets eine Leerstelle in ihrem Leben und auch ein Tabu zwischen Mutter und Tochter, denn über den Vater zu sprechen, war unmöglich... Es ist spannend zu beobachten, wie sich der Schreibstil der Autorin von schmerzhaft, schneidend frustriert und manchmal auch nüchtern und hart im Laufe der Geschichte immer mehr auflockert. Es folgen immer mehr Reflektionen im Innen und Außen, am Ende ist immer noch ein Schmerz vorhanden, aber er fühlt sichabgemildert an und das Schreiben wird weniger hart, vielmehr weich und verständnisvoll. Das macht sicherlich den Reiz dieses Buches aus. Doch ist das Buch im Aufbau und der Struktur ziemlich speziell. Es gibt neben dem Hauptthema Exkurse und Gedankenspiele rechts und links und man hat das Gefühl, die Autorin wollte hier und da noch interessante Fakten oder Anekdoten unbedingt teilen, aber mancher Text wirkt wie ein Fremdkörper und andere Geschichten sind dann nur so halbgar erzählt - ohne richtige Substanz. Im Buch sind einige Fotos aus dem Familienalbum enthalten, die einen schönen Bezug zum Gelesenen herstellen. Und gegen Ende entdeckt die Autorin noch einen besonderen Schatz und sie rundet ihre Geschichte mit einem wundervollen und sehr passendem Schuss Galgenhumor ab. FAZIT Irgendwann in meiner Kindheit- und Jugendzeit hatte ich mal den Satz aufgeschnappt: "Verurteilen ist leicht, verstehen ist viel besser." An diese Worte musste ich beim Lesen oft denken. Auch wenn ich nicht immer ganz mitgehen konnte mit den Gedanken der Autorin, habe ich das Buch mit Interesse gelesen und mich auch über die vielen Schweizerdeutschen Ausdrücke gefreut, die ich noch nicht kannte. Vor allem der Begriff "muusbeiallei" (wörtlich: mausbeinallein, deutsch: mutterseelenallein) wird mir bestimmt im Gedächtnis bleiben! Dieses Buch ist sicherlich eine etwas spezielle Lektüre und nicht für jeden geeignet. Daher hier eine eingeschränkte Leseempfehlung.

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
9. Apr.
Rating:3

Man wird in die Erzählung hineingerissen, der Schreibstil ist speziell - gewöhnungsbedürftig. Eine bewegende Geschichte, die mich zum Teil sehr gepackt hat, hatte aber zwischendurch auch das Interesse daran verloren. Aber trotzdem: toll geschrieben!

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
9. Apr.
Ich würd gern sagen ich bin jetzt hoffnungsvoll berührt, aber in Wahrheit bin ich ein wenig unstet.
Rating:4.5

Ich würd gern sagen ich bin jetzt hoffnungsvoll berührt, aber in Wahrheit bin ich ein wenig unstet.

Ich mag den Schreibstil sehr, das Buch mutet teilweise fast Collagenhaft an und erzählt neben der Geschichte einer Frau, die ihren verstorbenen Vater versucht näher zu kommen, Fakten über Schweizer Eigenheiten, Statistiken zu Verkehrsunfällen oder umreißt die Biografien der Menschen, denen sie auf ihrer Suche begegnet. Wurde sehr abgeholt, ein tolles Buch, aber fühl ich mich jetzt gut? Nein, nicht wirklich. Weil man dann doch über das Altern nachdenkt, über Einsamkeit und Demenz und wie es sein muss, wenn alle aus der Familie weg sind. Hab jetzt von 4 auf 5 Sterne korrigiert, ich finde nämlich absolut nichts, was es an dem Buch zu kritisieren wäre, außer, dass ich jetzt gestresst bin. Und das ist ja dann eher ein Fall für meine Therapeutin, als für eine Buchbewertung. Edit: habs jetzt auf 4.5 geändert, einfach weil sichs richtiger anfühlt 😂

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
23. Jan.
Rating:4

Als ich Seinetwegen gelesen habe, fand ich es zunächst interessant, aber nicht unbedingt außergewöhnlich. Erst am Ende wurde mir klar, dass es sich um eine autobiografische Geschichte handelt – und plötzlich hatte das Buch für mich einen ganz anderen Impact. Die Autorin beschreibt ihre eigene Familiengeschichte und den frühen Verlust ihres Vaters auf eine Art, die völlig undramatisch wirkt, aber gerade dadurch umso eindrücklicher ist. Sowohl die Art wie die Autorin mir diesem Teil ihrer Familiengeschichte umgeht, als auch wie offen sie uns an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben lässt beeindruckt mich sehr.

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
9. Jan.
Rating:5

Ungewöhnlich und trotzdem berührend

Die Autorin begibt sich auf Spurensuche. Ihr Vater starb bei einem Autounfall, als sie 8 Monate alt war. Es drängen sich ihr immer mehr Fragen auf: Wer war der Unfallverursacher? Was ist das für ein Mensch? Das Buch ist assoziativ in einzelnen Szenen geschrieben, die mal mehr oder weniger zusammenhängen. Das mag ich bei anderen Büchern nicht, aber hier hat es mir sehr gut gefallen, weil es viele verschiedene Blickwinkel auf das Thema wirft. Obwohl es kein leichtes Thema ist, erzählt die Autorin nicht unbedingt schwer, vor allem aber mit einer schmucklosen und trotzdem schönen Sprache. Viele Szenen sind sehr berührend, ein besonderer Moment war dahingehend das Ende des Buches (vor dem Nachtrag).

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
10. Dez.
Rating:4

Wow - ebenso scharfsinnig wie sprachlich brillant! 🤩

Endlich habe ich mein erstes Zora del Buono Buch mit „Seinetwegen“ gelesen - ein autobiografisches Werk mit essayistischen Passagen, das absolut verdient den Schweizer Buchpreis gewonnen hat! Sie wendet sich dem Umstand zu, dass sie selbst mit nur acht Monaten ihren Vater (einen erfolgreichen Arzt) verloren hat, schuldlos durch einen tragischen Autounfall. Mit nunmehr über 60 Jahren beginnt sie sich zu fragen: Was ist nun eigentlich aus diesem Mann geworden, der ihren Vater auf dem Gewissen hat?! (Sie nennt ihn den „Töter“). Ihre blutjunge Mutter hat den Ehemann verloren, sie ihren Vater - diese klaffende Wunde ist in der Familie nie ganz verheilt. Vordergründig begibt sie sich auf die Recherche nach diesem „Töter“ - in Wahrheit geht es in dem Text aber um viel mehr: Bindungsunfähigkeit, Vaterlosigkeit, die Demenz ihrer Mutter (die sie nun sukzessive an die unaufhaltsame Krankheit verliert), über die Schweizer Provinz und dessen innewohnender Rassismus in den 60er/ 70er Jahren (Italienisch-stämmige Menschen wurden als „Tschingg“ beschimpft), bis ins Berlin der 80er Jahre, in das sich die junge Zora del Buono geflüchtet hat. So kommt sie diesem, ebenfalls bereits verstorbenen, Mann, der ihren Vater getötet hat, näher, aber auch ihrem Verlust und ihrer ganzen Familiengeschichte. Vor allem beeindruckt haben mich die verdichteten Szenen voller Lakonie, in denen del Buono ihre demenzkranke Mutter besucht, die in einem Heim untergebracht ist. Wie sie beispielsweise auf einem Taschentuch kaut und die Pflegerin bemerkt, es sei ein Papiertaschentuch - was die Sache an sich zu legitimieren scheint, denn die Tochter nimmt es lapidar zur Kenntnis mit der Bemerkung: „Na dann ist ja gut“ - einfach herrlich erzählt! Ich bin auch ein Fan der Dialoge zwischen Zora del Buono, einem Kunsthistoriker und einer Psychiaterin, die Erzähltes reflektieren. Ich bin froh, nach Beenden des Buches bereits Nachschub im Haus zu haben in Form von „Die Marschallin“ freue mich auf weitere so süffisante Lesestunden, wie ich mit „Seinetwegen“ verbracht habe. Zusammenfassend ist Zora del Buonos Literatur für mich die perfekte Mischung aus sprachlicher Brillanz und Scharfsinnigkeit!

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
23. Nov.

Ich gebe mal keine Sterne ich habe nach 40 Seiten abgebrochen (20% des Buches) aber hab das Gefühl ich habe immer noch nicht wirklich verstanden worum es überhaupt geht. Einige Stellen wirken einfach wie Zusammenhangelose Texte aneinandergereiht und mir fehlt da irgendwie der rote Faden. Und auch generell die Sprache finde ich richtig unangenehm. Allerdings hätte ich vermutlich auch niemals zu dem Buch gegriffen wenn ich es nicht einfach geschenkt bekommen hätte und ich dachte mir hey ist ja für ein buchpreis nominiert kannst ja mal rein lesen ist ja auch nicht so dick aber die 40 Seiten waren schon echt anstrengend. Und irgendwie versucht man ja manchmal über seinen gewohnten Geschmack hinauszulesen aber irgendwie beweist mir das dann immer dass ich bei meinem Geschmack bleiben sollte.

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
21. Nov.
Rating:5

Zurecht mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet

Ich hatte keine Erwartungen an das Buch. Oder nein, ich habe das Lesen vor mir hergeschoben, weil ich zwei, drei sehr kritische Kommentare zum Buch gelesen hatte. Durch den Schweizer Buchpreis rückte 'Seinetwegen' wieder in meinen Fokus und ich war neugierig. Letztes Wochenende trafen mich meine drei Kids daher seit langem mal wieder nur dauerlesend vor. Denn tatsächlich konnte ich dieses Buch kaum weglegen. Zora del Buono hat ein Buch geschrieben, dass in keine Schublade passt. Ein bisschen Biographie, ein bisschen Roman, ein bisschen Sachbuch und ganz viel Literatur. Für mich ist Zora del Buono Neuland, daher wusste ich vorher nichts über ihren Schreibstil. Ein Stil, der mich fasziniert, besonders, gehoben aber nie abgehoben, lesbar, verständlich und für mich mit einer Sogwirkung. "...Wolken dräuen in den Tälern..." wie grandios klingt das. Die Schriftstellern begibt sich auf die Suche nach dem Vater, den sie nicht kannte, da er verunglückte als sie acht Monate alt war. Sie will mehr wissen über den Unfall, den Ort, den Verursacher und begibt sich dabei auf eine emotional genau so aufwühlende Reise wie geschichtlich spannend. Anekdoten fließen genau so hinein, wie Wissen zu naturwissenschaftlichen oder historischen Fakten. Eine Rezensentin schrieb, dass ihr die Charaktere zu distanziert blieben. Das empfand ich beim Lesen ganz anders. Ich litt mit, ob der dementen Mutter und ich hatte immer das Gefühl, dass sich Vater und Tochter nah waren, obwohl sie sich doch nur diese kurze und für die Tochter nicht greifbare Zeit zusammen hatten. Zora del Buono selbst habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Erzählt wird scheinbar ohne roten Faden und doch führt alles zu einem Ende und ergibt Sinn. Eine Reise um einige Fragen zu beantworten und um abschließen zu können. Zurecht mit einem Buchpreis belohnt. Ganz klare Lesempfehlung von mir.

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
10. Nov.
Rating:5

"Seit Jahren denke ich, wenn ich eines dieser Ortsschilder passiere: Ob E.T. wohl noch lebt? Er müsste Mitte achtzig sein. Wie hat er die letzten sechzig Jahre verbracht, mit seiner Schuld? Und dann der Gedanke: Ich muss ihn suchen, ihn aufsuchen. Den Töter meines Vaters." "Ich höre nur: Ein sehr sympathischer Mensch... Ein sehr sympathischer Mensch... Ein sehr sympathischer Mensch... Und merke, dieser Satz macht mich aggressiv. Ich antworte kühl: Er hat meinen Vater tot gefahren. " Zora del Buono nimmt uns in diesem autofiktionalen Roman mit auf die Reise in ihre Vergangenheit und auf die Suche nach dem Mann, der ihr den Vater genommen hat. "Seinetwegen" sie ihren Vater nie bewusst kennenlernen konnte, weil sie bei seinem Tod erst acht Monate alt war. Sie reist an die Orte ihrer Kindheit und möchte den "Töter" finden, ihn zur Rede stellen, ihm deutlich machen, was er ihrer Familie angetan hat. Während ihrer Recherche zeigt sich, dass E.T. wohl ein freundliches und sympathisches Wesen hatte, ein Hundefreund war und dass der Unfall auch sein Leben stark beeinflusst hat. Eine gelungene Mischung aus Kindheitserinnerungen, Gedanken und Gefühlen, die sie zum Teil in Kaffeehaus-Gesprächen mit Freunden teilt und bespricht. Auch die fortschreitende Demenz ihrer Mutter, durch die sie immer mehr verschwindet und sie eine "fundamentale Einsamkeit" spürt, taucht immer wieder in Episoden auf. Ein sehr persönliches, ehrliches und intensives Buch, das ohne Gefühlsduselei auskommt. Ich mochte den Aufbau des Buches sehr gerne und empfehle es auf jeden Fall weiter ⭐

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
6. Nov.
Rating:2

+ spannende Recherche rund um den Unfall-Verursacher (vor allem im dritten Teil des Werks) + widersprüchliche Emotionen von Ich-Erzählerin kommen gut zum Ausdruck - viel zu viele Exkurse, die nichts mit dem Thema zu tun haben (die Erzählerin schiebt die Spurensuche vor sich hin) - nicht so auf den Punkt gebracht

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
17. Okt.
Rating:5

Ein unglaublich berührendes Buch über eine Tochter, die nach Jahrzehnten den Unfallfahrer sucht, der den Tod ihres Vaters verursacht hat und darüber, wie diese Suche ihre Wut auf diesen Fahrer verändert.

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
12. Okt.
Rating:5

Zora del Bueno ist 8 Monate alt, als ihr Vater, ein junger erfolgreicher Oberarzt, bei einem Frontalzusammenstoß auf der Landstraße ums Leben kommt. Der Unfallverursacher, ein junger Mann Anfang 20, kommt mit einer Geld- und einer Bewährungsstrafe davon. Die junge Witwe wird ihre Tochter alleine aufziehen und nie wieder einen Mann haben. Der Unfallverursacher wird zeitlebens das anonyme Monster sein, das die Familie zerstört hat. Erst als Zora del Bueno 60 Jahre alt ist und ihre Mutter dement, beginnt sie sich auf die Suche nach dem Mann zu machen, der ihren Vater getötet hat. Ein berührendes sehr persönliches Buch.

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
27. Sept.
Rating:2.5

Zora del Bouno erzählt in ihrer autofiktionalen Recherche von einer von Verlust geprägten Kindheit und der Suche nach ihren väterlichen Wurzeln. Ihr Vater starb 1963 bei einem Verkehrsunfall, damals war Zora del Buono noch kein Jahr alt. Viel weiß sie nicht über ihren Vater und den Unfall. Als ihre Mutter dement wird, beginnt Zora del Bouno eine aufreibende Recherche zum Unfall und begibt sich auf die Suche nach dem Unfallverursacher. Dabei erinnert sie sich an ihre vaterlose Kindheit und damit verbundene Gefühle. Gleichzeitig nähert sie sich einem Menschen an, der verantwortlich für den Tod ihres Vaters ist und schildert in diesem Zusammenhang gesellschaftliche Entwicklungen der Zeitgeschichte. Der Fokus liegt dabei auf alten Rollenbildern und Homosexualität. 'Seinetwegen' war für mich eher eine fatigante Leseerfahrung, die mich nur partiell mitschwingen ließ. Der Stil blieb mir zu distanziert. Das kühle und intellektuelle Narrativ hat mich in keiner Weise eingeladen, in das Erzählte einzutauchen. Zora del Buono schreibt über berührende Themen und konnte mich dennoch kaum berühren. Der Text ist ungewohnt gestaltet sowie mit verschiedenen Sachinformationen unterlegt und hinterlässt mich schlussendlich ambivalent. Die Entwicklung der Erzählerin wurde stilistisch gut vermittelt. Lähmung und Ambivalenz haben sich auf mich übertragen. So wurde die Leseerfahrung für mich authentisch unangenehm.

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
22. Sept.
Post image
Rating:5

Was für eine beeindruckende literarische Aufarbeitung! Zora del Bueno war gerade einmal acht Monate alt, als ihr Vater mit nur 33 Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam – völlig unverschuldet. Erst 60 Jahre später, im Angesicht des bevorstehenden Verlusts ihrer an Demenz erkrankten Mutter, beginnt sie, sich mit diesem Verlust und dem Tod im Allgemeinen auseinanderzusetzen. Besonders intensiv beschäftigt sie sich dabei mit der Geschichte des Unfallverursachers: E.T. Wie lebt win Mensch weiter, der eine solch schwerwiegende Schuld auf sich geladen hat? Gleichzeitig reflektiert sie die Beziehung zu ihrer Mutter, das Schweigen um ihren Vater und die schwierigen Momente, die ihre Mutter durchleben musste, weil sie ohne Mann/Vater nicht der gesellschaftlichen Norm entsprachen. Mit großem Respekt und tief empfundener Wertschätzung für alle Beteiligten – und dabei nicht ohne Humor, besonders in den wunderbaren Kaffeehausgesprächen – nähert sich Zora großen Fragen. Die Dialoge zwischen ihr, Isadora und Henri sind so herrlich, dass man sich ein ganzes Buch ausschließlich über ihre Gespräche wünschen würde. del Bueno hat mich auf ganzer Linie begeistert. Der Erzählstil folgt keinem starren, linearen Strang. Vielmehr arbeitet sie sich in fragmentarischen Szenen und Gesprächen an verschiedenen Themen rund um den Tod und die Vergänglichkeit ab, immer wieder verwebt mit historischen Fakten, persönlichen Fotos und Artikeln. Manchmal schweift sie ab, aber genau das macht den Charme des Buches aus – es bleibt dabei stets fesselnd und kurzweilig. (Anmerkung am Rande: große Ähnlichkeit zu #sigridnunez) Besonders eindrucksvoll ist ihre Reflexion und die spürbare innere Entwicklung, die ihre Recherche mit sich bringt – eine Veränderung, die nicht nur sie, sondern auch mich verändert hat. „Seltsam, nach so viel Beschäftigung mit dem Tod drängt sich die Liebe in den Vordergrund.“ (ebook) Kurzum: Ich liebe liebe liebe dieses Buch. Es ist mit so viel Offenheit und gleichzeitig mit tiefer Demut geschrieben. Das Wohlwollen der Autorin und ihrer Kaffeehausfreunde scheint grenzenlos. Es hat mich zum Lachen, zum Weinen und auch zum Nachdenken gebracht. GROẞARTIG!👏🏻 👏🏻 👏🏻

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
3. Sept.
Rating:3

Ich bin etwas bedröppelt. Persönlich kann ich wenig mit dieser Form und der Intention dahinter anfangen. Bücher wie "Apeirogon" habe ich abgebrochen. Dies hier ist eine Mischung aus der formalen Gestaltung von "Apeirogon" - eine Handlung oder Erzählung mit etlichen Splittern aus Archiveinträgen, Statistiken, Zeitungsartikeln, Recherchen, Funktionsweisen und historischen Einschüben zu verbinden - und der autofiktionalen Erzählweise von Annie Ernaux, zB. über Bilder Assoziationen und Gedanken weiter zu spinnen, Überlegungen anzustellen. Die warmherzige, sanfte Sprache trägt und verdichtet dieses dokumentarisch, fragmentarisch, assoziative, dezent narrative Unterfangen allerdings sehr gut. Es funktioniert. Zora del Bruno bekommt es hin, die einzelnen Fragmente organisch und harmonisch zu verweben. Allerdings bleibt für mich die emotionale und narrative Entfaltung auf der Strecke. Für mich gab es leider nur wenige Momente, die eine gewisse Intensität aufbauen konnten. Es werden 9 Kaffeehausszenen mit Freunden etabliert, in denen wie in einem Podcast über rechierchiertes Material, Hintergründe des eigenen Berufsalltags und Erfahrungen gesprochen werden. Ein Weiterspinnen der Schlagwörter, die die Autorin beschäftigen: Tod, Autounfall, tödliche Unfälle, Autos, Mord, früher Verlust eines Elternteils. Hierzu werden Referenzen aus der Literatur, Psychologie und Neurowissenschaft untergemischt, die sich aus dem beruflichen Kontext der Freunde ergeben. Im eigentlichen Miniplot macht sich die Erzählerin auf, den tödlichen Autounfallverursacher ihres Vaters in den 1960er Jahren ausfindig zu machen. Nebenher erfahren wir, wie sich die Mutter der Protagonistin nach dem Unfall durchschlagen musste. Welche Gesellschaftlichen Hürden entstanden, wie ihre Mutter heute lebt, was solche frühen Verluste mit Kindern und Partnern machen. „Dass wir an diesen Festtagen immer wieder Dienste übernahmen, hatte nebst der herrlich nüchternen und gänzlich unsentimentalen Art meiner Mutter, die nicht einsah, weshalb man als Atheistin so ein Brimborium um etwas macht, an das man nicht glaubt, einen weiteren Grund, warum wir arbeiten sollten und die anderen feiern durften: Ihr seid ja keine richtige Familie.“ Sie sinnt darüber nach, ihren Vater nie lebend in Bewegung gekannt zu haben. Versucht Bilder heraufzubeschwören. Malt sich die Situation des Unfalls aus, in die eine Pferdekutsche involviert war und muss sich am Ende den Fakten und Details stellen, die sie herausfindet. Für mich bleibt das Buch als Gesamtkomposition dennoch, obwohl ich es mochte, nur eine Ideenschmiede. Ein Anreißen von Themen, Gedanken, Szenen, die mir in viel zu wenig narrativ ausgestaltet werden. Kann mir sehr gut vorstellen, dass alle die Apeirogon mochten und diese Art der Textgestaltung mögen, dem Buch klare 4-5 Sterne abtrotzen können. Aus meiner Sicht, verdienter Platz auf der Longlist des deutschen Buchpreises 2024.

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
31. Aug.
Rating:5

"Seit das erste Kraftfahrzeug aus einer Fertigungshalle rollte, haben mehr als 50 Millionen Menschen ihr Leben ans Auto verloren. Und über jeden Einzelnen von ihnen könnte man eine Geschichte erzählen. Über sein Leben. Über sein Sterben. " "Seinetwegen" erzählt episodenhaft die autofiktionale Geschichte der Autorin, die auf der Suche ist nach E. T. Dem Fahrer des Wagens, der den Unfall verursacht hat, bei der ihr Vater ums Leben kam. Aber wer ist dieser "Seinetwegen"? Diese Frage beschäftigt mich. Der Vater, den sie nie wirklich kennenlernen durfte, oder der Unfallverursacher, weswegen das so ist? Ihr Leben lang fühlt sie sich deformiert. "Das solitäre Dasein. Nicht beklagenswert, es ist der einzige stimmige Zustand für mich." Die Angst herrscht vor, wieder verlassen werden, einen lieben Menschen zu verlieren. So macht sie sich auf die Suche nach dem Unfallverursacher. Recherchiert, fährt in die Region in der der Unfall passiert ist. "Je mehr ich über die Gegend erfahre, desto dunkler und abgründiger kommt sie mir vor, aller landschaftlichen Schönheit zum Trotz. " In vielen Episoden, ab von der Hauptgeschichte, erfahren wir von ihrer Kindheit, von den Freunden und deren traumatischen Geschichten und von der Mutter, die im Alter an Demenz erkrankt und die Autorin dann eine "fundamentale Einsamkeit spüre, die Verlorenheit eines Kindes von sechzig Jahren, das allein zurück gelassen wird." Mich hat das Buch und die Geschichte um Manfredi del Buono sehr bewegt und bin gespannt wie weit es für das Buch reicht, welches auf der Longlist für den deutschen Buchpreis 2024 zu finden ist.

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
30. Juni
Rating:3.5

Ich habe dieses Buch gewonnen und war ziemlich gespannt darauf. In diesem Buch streifen wir durch Erinnerungen und Beobachtungen der Autorin. Sie begibt sich auf die Suche nach dem Mann, der an dem Unfall, durch den ihr Vater starb, beteiligt war. Sie bewegt sich dabei durch die Familiengeschichte, Ortschaften und Erinnerungen. Dies liest sich wahnsinnig gut, denn die Sprache ist einfach und klar, dabei aber durchaus unterhaltend. Sie teilt Erkenntnisse, Einsichten, Perspektiven, die mich immer wieder herausgefordert haben. Die mich zum Nachdenken gebracht haben. Für mich hat das Buch sehr gut abgebildet wie es ist, wenn einen ein Thema bewegt und es immer wieder am Wegesrand auftaucht und gefangen nimmt. Wie Erkenntnisse sich aus einzelnen Stücken zusammensetzen und nur mit der Zeit und manchmal in der Rückschau ein ganzes Bild ergeben. Der Text zeigt hervorragend wie wichtig es sein kann, für manche Fragen auch wirklich nach Antworten zu suchen, um Ruhe zu bekommen.

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
21. Juni
Rating:3.5

Aufwühlend, autofiktional, ambivalent

„Seinetwegen“ lässt uns in den Kopf der Erzählerin schauen, die als Baby ihren Vater bei einem Autounfall verlor. Ihre Ausführungen sind sehr intim, ein bisschen wirr aber nachvollziehbar dargestellt. Dabei springt die Autorin zwischen Anekdoten, Statistiken und ihrer Gefühlswelt hin und her. Dabei geht es immer irgendwie um die Frage nach der Schuld und dem Warum. Ein vielschichtiges, einfühlsames Buch. Dieser Roman hat zwar nur knapp 200 Seiten, trotzdem habe ich recht lange gebraucht, bis ich es ausgelesen hatte, weil das Thema einfach schwer ist. Was ich wirklich nachvollziehen konnte, war die Versachlichung des Emotionalen, durch die, meinem Empfinden nach, die Gefühle erträglicher werden sollten. Dass die Autorin selbst schon um die 60 Jahre alt ist und erst jetzt dieses Buch schrieb, zeigt, dass der Verlust eines Elternteils in sehr jungen Jahren, Betroffene das ganze Leben lang begleitet. Die ambivalenten Gedanken der Protagonistin und das Problem, einen nicht greifbaren Verlust zu spüren, der nur Konturen hat, aber das Bild nicht füllt, weil sie den Menschen, dessen Anwesenheit die Situation bedingt eigentlich gar nicht kennt, konnte ich gut nachvollziehen. Mich machte das sehr traurig, denn einen Menschen, der einem so nah sein sollte, nie richtig gekannt zu haben, ist ein herber Verlust.

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
16. Juni
Rating:2

Ein Roman, der Phantomen Gesichter gibt. Für mich war es aber leider nichts, manche Stellen haben mMn überhaupt nicht zum Thema gepasst, es hat mich zum Teil gelangweilt. Gefallen haben mir aber die Teile über die Familiengeschichte und die Antworten auf die Fragen der Autorin.

"Seinetwegen" ist ein autofiktionaler Roman von Zora del Buono. Ihr Vater stirbt, als sie gerade mal 8 Monate alt ist. Ein Autounfall, der Vater Beifahrer und unschuldig. Der Vater ein Leben lang nur ein Phantom für die Autorin, genauso wie der Unfallverursacher, von dem sie nur die Initialen kennt. Wie sehr können zwei Personen, die so schleierhaft sind, das Leben prägen? Wie geht eine Familie mit Verlust um? Und wie geht es dem, der mit der Schuld leben muss? Dieses Buch ist ein sehr persönliches und deswegen fällt es mir auch schwer, es negativ zu bewerten. Die Tochter begibt sich auf Spurensuche, das ist zum Teil interessant, zum Teil für mein Empfinden aber auch ziemlich langweilig. Die Geschichte wird nicht linear erzählt, immer wieder gibt es Abschnitte aus Artikeln oder der Literatur, aus der Vergangenheit der einzelnen Familienmitgliedern und aus der Kindheit der Autorin. Das Buch lässt mich umbefriedigt zurück, es gibt wenig Antworten und zum Teil ist mir einiges zu detailreich geschrieben. Von mir gibt es daher leider keine Empfehlung, ich hatte mir das Buch ähnlich wie "Simone" von Anja Reich vorgestellt, wurde aber letztendlich enttäuscht. Gefallen hat mir die Erkenntnis des Buches, dass durch Recherche aus zwei Phanomen echte Menschen, für die man was empfinden kann.

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck
6. Juni
Rating:3

Aufarbeitung mal anders

Bei dem Buch "Seinetwegen" von Zora del Buono handelt es sich um einen autobiografischen Text. Es geht um die Suche des Mannes, der vor 60 Jahren del Buonos Vater bei einem Autounfall getötet hat. Dabei arbeitet die Autorin den Verlust und wie sich dieser auf ihr Leben ausgewirkt hat auf. Die Geschichte und der Schreibstil gefallen mir sehr gut, allerdings ist es nicht das was ich erwartet hatte. Eigentlich handelt es sich um ein emotionales Thema, jedoch werden hier viele Anekdoten und sachliche Informationen zusammenhangslos und mit wenig Emotion aneinander gereiht. So werden neben Treffen im Kaffeehaus plötzlich Themen wie die ältesten Bäume der Welt oder die Hexenverfolgung eingeworfen. Das Buch ist interessant und lässt sich gut lesen - allerdings greift es viele Themen auf und ist ingesamt etwas verworren. Obwohl ich mir etwas mehr vom Klappentext erhofft hatte, ist es ingesamt eine interessante Geschichte.

Seinetwegen
Seinetwegenby Zora del del BuonoC.H.Beck