20. Mai
Rating:5

In seinem neuesten Buch erzählt Kermani, der vor Kurzem Ostafrika bereist hat, von seinen dortigen Begegnungen und Gesprächen mit den unterschiedlichsten Menschen: Unter Dürre und Hunger leidende Dorfbewohner in Madagaskar, Fischer, die die Zerstörung der Korallenriffe beklagen, Sufis auf den Komoren, die sich vor dem Einfluss der Wahhabitischen Imame aus Saudi-Arabien fürchten, Imame und Patres in Mosambik, die über Massaker durch Dschihadisten berichten. Besonders bewegend die Gedanken des Enkels eines von deutschen Kolonialherren ermordeten Widerstandskämpfers und wie dieser sich Wiedergutmachung vorstellt. Kermani sammelt Berichte von Bauern in Nairobi, dem Musiker Mulatu Astatke in Äthiopien, Angehörigen des vom arabischen Kolonialismus verfolgten Volk der Nuba im Sudan, worüber ich vorher aus den Medien noch nichts erfahren hatte. Warum eigentlich nicht? Überhaupt glaube ich, dass wir Westeuropäer leider viel zu wenig über Ostafrika wissen. Durch Kermanis Interviews erfährt man viel über Hunger, Bürgerkrieg, Gewalt durch ausländische Mächte, die krankmachende Entwurzelung der unterworfenen Bevölkerung, das Wegsehen und die Passivität des Westens, den Zusammenhang von Rohstoffreichtum und Korruption, Armut und internationaler Hilfe. Die Stärke des Buches ist, dass der Autor nicht von außen über die Afrikaner berichtet, sondern dass diese zu 100% selbst zu Wort kommen mit ihren Erfahrungen und vor Allem mit ihren Meinungen. Definitiv bereichernd.

In die andere Richtung jetzt
In die andere Richtung jetztby Navid KermaniC.H.Beck