9. Aug.
Rating:4

Lil Cutting ist eine überaus erfolgreiche Unternehmerin in New York um 1880, die sich großer Missgunst gegenübersieht, besonders von ihrem eigenen Sohn Robert. Er versucht mithilfe seiner Freunde aus der Oberschicht sie zu entmündigen um an ihr Geld und ihren Besitz zu kommen. Eine Frau die sich ein solches Verhalten anmaßt, geschäftstüchtig zu sein wie es nach gesellschaftlicher Meinung nur einem Mann zusteht, muss ja geisteskrank sein. Solchen Frauen muss man klarmachen wo ihr Platz ist. So denken Robert und seine Komplizen. Da läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter. Aber Lil lässt sich nicht so leicht kleinkriegen und sie sinnt nach Rache...und die habe ich ihr von Herzen gegönnt. Erzählt wird das Ganze, mit einer guten Prise Humor, von Lils Ururururenkelin Sarah (ihre Hündin Miss Brontë feiere ich, aber lest selbst). Angesichts des überschaubaren Umfangs des Buches, hat es am Anfang ein bisschen gedauert bis die Geschichte Fahrt aufgenommen hat, dann aber richtig. Es ist eine Geschichte über eine starke und eigensinnige Frau, die Ihrer Zeit schon weit voraus war und sich furchtlos gegen alle gesellschaftlichen Konventionen stemmt. Sehr mutmachend und mitreißend und eine klare Lesempfehlung!

Lil
Lilby Markus GasserC.H.Beck
9. Dez.
Rating:4.5

Eine willensstarke Frau, die im 19. Jahrhundert weiß sich trotz Widerstände durchzusetzen. Eine Frau, die nach dem Tod ihres Mannes erfolgreich das Unternehmen weiterführt, entspricht für einige Zeitgenossen nicht dem „Naturell einer Frau“. Die durch sie - insbesondere von ihrem Sohn- inszenierte Intrige führt zu einer unfreiwilligen Hospitalisierung und die darauffolgende Rache. Obwohl mich anfänglich das Gespräch mit dem Hund verwirrt hat, hat es mich mit der Zeit nicht mehr gestört, da die Handlung mich mitgerissen hat. Gerne hätte ich ein paar mehr Seiten gehab, um viele angerissene Themen/ Geschichten fortzuführen. Jedoch ein Herausragendes Buch

Lil
Lilby Markus GasserC.H.Beck
19. Juni
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Rating:4

Lil hat nicht nur ein, wie ich finde, hübsches Cover und einen vielversprechenden Klappentext, sondern auch eine kleine Besonderheit: Die Erzählerin erzählt ihrer Hündin Miss Brontë die Geschichte ihrer Ururururgroßmutter Lillian »Lil the Kill« Cutting – und ihre Hündin formuliert durchaus an der einen oder anderen Stelle Einwände. Falls ihr eher der Einstellung seid, dass sprechende Tiere in Disneyfilme gehören: Hier kam es mir weder albern noch unpassend vor.🤞🏼 Anhand verschiedener Situationen in unterschiedlichen Lebensbereichen wird schnell deutlich, dass es Konsequenzen hat, sich nicht gemäß der gesellschaftlichen Erwartungen (gemessen an z. B. Geschlecht & Herkunft) zu verhalten. Bleiben wir bei Lil, auch wenn es viele weitere Beispiele im Buch gibt: Lil ist nicht nur selbstbewusst und unabhängig (schlimm genug), sondern (was ein Skandal!) auch erfolgreich und sogar erfolgreicher als manch anderer (das kann es gar nicht geben). Ihre Weitsicht und Investitionen sind selbstverständlich wahnsinnige & irrsinnige Unterfangen (immerhin ist sonst niemand darauf gekommen) und damit ein Zeichen ihres geschundenen geistigen Zustands (was ein Elend, dass sie sich als clevere Schachzüge erweisen). Kurzum, man ist sich einig: Sie stört, muss weg und mit rechten Dingen geht hier auch nichts zu! Aber was, wenn sie plötzlich nicht mehr alleine dasteht? Auf unter 300 Seiten werden wir mit vielen Themen konfrontiert: Macht, Moral, Gerechtigkeit, Würde, Emanzipation, Feindseligkeiten und Ungleichbehandlungen in vielen Formen, die Bedeutung von Geld… Ich habe mich zwischendurch durchaus aufregt. Ein wenig schade fand ich, dass wir viel über Lil erzählt bekommen, aber keine Szenen „mit ihr“ erleben. Vom Klappentext aus war ich von einer größeren Nähe zur Figur ausgegangen. Diese gewisse Distanz ergibt sich im Übrigen bei allen Figuren. Mein Lesevergnügen blieb davon aber letztendlich ungetrübt, man muss sich nur darauf einlassen. Für mich ein überraschend gutes, wenn auch emotional nicht ganz einfaches, Buch!

Lil
Lilby Markus GasserC.H.Beck
27. Mai
Rating:5

Ich kann es nicht anders sagen - es ist durch und durch ein tolles Buch. Salopp und zackig geschrieben, entfaltet sich ‚Lil the Kill‘ s Welt Seite um Seite vor dem Leser. Erzählt aus der Sicht der krebskranken Ururenkelin und ihrer Dobermann Hündin Miss Brontë (ja, sie spricht mit ihrem Hund oder ihr Hund kann sprechen, genau weiß ich das nicht) wird man mitgenommen in die Welt eines Manhattans, welches kurz vor Glühbirne und nach der Eisenbahn noch fest in den Händen einiger weniger reicher, weißer Männer liegt. Brutal und doch mit viel Witz führt einem dieses geistreiche Buch vor Augen, wie hart das Los sein kann, als Frau zur Welt zu kommen. Und dann auch noch um 1880 und mit viel Intelligenz, Trotz und Eigensinn wie Lil und ihre Enkelin Libby, die wir auch kennen lernen. Die Verbrecher im Gewand schicker Geschäftsmänner, triefend vor Selbstherrlichkeit, haben mich beim Lesen abwechselnd wütend und fassungslos gemacht und der Ausgang dieser Erzählung dann mit Genugtuung erfüllt. Aber auch dass es gute Männer in Lils Leben gab, die ihrer Zeit weit voraus waren (wie ihr verstorbener Mann Chev) war stimmig in die Geschehenisse verflochten. Insgesamt hat dieses Buch alles mit mir gemacht, was es vermutlich auch sollte: es hat mich unheimlich unterhalten, mich moralisch einiges gelehrt und mich zum Nachdenken angeregt. Unbedingte Leseempfehlung mit wundervollen starken Frauenfiguren, feministisch und unkonventionell und einfach gut!

Lil
Lilby Markus GasserC.H.Beck
20. Mai
Ein Roman über Emanzipation, Toleranz und die Rache der Frauen.
Rating:4

Ein Roman über Emanzipation, Toleranz und die Rache der Frauen.

In "Lil" erzählt uns Markus Gasser die Geschichte der überaus brillanten und eigensinnigen Unternehmerin Lillian Cutting, die sich gegen alle gesellschaftlichen Konventionen stellt und sich gegen die Männerwekt zu behaupten weiß. Wobei, eigentlich erzählt Lillians Nachfahrin Sarah die Geschichte ihrer Urururgroßmutter ihrer Dobermannhündin Miss Brontë. Es ist die Geschichte einer Frau im späten 19. Jhd., die um die Anerkennung, die jeder Mann sofort und ungefragt bekommen würde, kämpfen muss. Lillian ist nicht nur der New Yorker Upper Class ein Dorn im Auge, sondern auch ihrem Sohn Robert. Als Lils Mann stirbt, entlädt sich die Abneigung und der Neid der anderen auf Lil und so findet ihr Sohn einen Weg Lillian in die Psychiatrie einweisen zu lassen. Doch Lil wäre nicht Lil, würde sie nicht um ihre Freiheit kämpfen. Und so bietet Lil ihren Feinden raffiniert die Stirn und dreht den Spieß um ... Mit dem Schreibstil von Markus Gasser werde ich irgendwie nicht so ganz warm und ich denke nicht, dass ich noch ein drittes Buch von ihm lesen werde. Trotzdem hat mir diese Geschichte über Emanzipation und Toleranz - vor allem Toleranz der Männer den Frauen gegenüber - recht gut gefallen. Lillian Cutting, sowie auch einige andere weibliche Charaktere, haben mir in ihrer Stärke und Unabhängigkeit doch sehr imponiert. Und Sarahs Hund Miss Brontë hat durch ihre Zwischenfragen, den doch eher ernsten Ton des Buches vergnüglich aufgelockert. Hier und da lässt Gasser ein wenig schwarzen Humor aufblitzen, den ich auch sehr genießen konnte. Für Gasser Fans sicherlich ein absolutes Muss.

Lil
Lilby Markus GasserC.H.Beck
7. Mai
Rating:5

Rasant & originell

„Lil the kill“ hat ihren Namen nicht von ungefähr. Als erfolgreiche Geschäftsfrau des 19. Jahrhunderts in New York ist Lillian Cutting mit ihrer Unabhängigkeit vielen ein Dorn im Auge - allen voran den Belmorlas und den Vandermeers. Selbst ihr eigener missratener Sohn Robert intrigiert gegen sie. Doch so leicht lässt Lil sich nicht unterkriegen. 
Welch Ironie! Welch Witz! Welch Dramatik! Lil Cuttings Geschichte wird uns von ihrer Nachfahrin Sarah berichtet. Diese erzählt die Geschichte ihrer Hündin Miss Bronte und allein dieser Rahmen, der vom Autor immer wieder durch kurze Wortgeplänkel zwischen den beiden eingeschoben wird, ist von so amüsanter Komik gespickt, dass ich das Buch schon deswegen liebe. Die Schwere der eigentlichen Thematik gleicht Gasser durch stetig gut dosierten und intelligentem Witz aus. Kernessenz des Romans ist der Umgang, der mit Frauen gepflegt wird, die den gesellschaftlichen Gender-Konzepten nicht entsprechen. Dabei spielen Machtmissbrauch, Geldgier, Antisemitismus, Rassismus und Gewalt eine Rolle. Gasser bindet diese Themen gekonnt in die Handlung ein und schreibt derart authentisch und ausgefeilt dass man meint, Lil Cutting wäre eine reale historische Figur. Doch dem ist mitnichten so (ich habe recherchiert ;)) Sprachlich ist „Lil“ ein ganz besonderes Buch und sicher nichts für Minimalist:innen. Trotz der verschachtelten, teils sich über mehrere Zeilen erstreckenden Sätze, ist es ein echter Pageturner. Gefühlt sitzt man in einem Film der New Yorker High Society des 19. Jahrhunderts. Für mich war „Lil“ ein originelles, außergewöhnliches und rasantes Buch, das zu lesen ich nur empfehlen kann. Highlight!

Lil
Lilby Markus GasserC.H.Beck
10. Apr.
Rating:4

Ein spannender Roman über die Wichtigkeit von Aufarbeitung der Vergangenheit und wie eine Familiengeschichte noch Generationen später die Welt bewegen kann.

Lil
Lilby Markus GasserC.H.Beck
2. Apr.
Rating:5

Markus Gasser lässt hier die Journalistin Sarah, die Geschichte ihrer Vorfahrin, der brillanten Unternehmerin Lillian Cutting, erzählen. Genaugenommen erzählt Sarah ihrer Hündin, die auf den Namen Miss Brontë hört, diese Geschichte. Das besondere dabei ist, dass die Hündin immer wieder Zwischenbemerkungen einwirft. Diese kleinen, humorvollen und sarkastischen Wortwechsel zwischen den beiden sind großartig. Die Geschichte von Lillian Cutting hat mich sehr beeindruckt. Eine feministische Vorreiterin, die bereits 1880 als Unternehmerin tätig war und damit gegen die Konventionen der Gesellschaft verstößt. Die von ihrem eigenen Sohn in eine Psychiatrie eingewiesen wurde, weil dieser der Meinung war, das Erbe seines Vaters stehe ihm zu. Die sich daraus befreit hat, sich vor Gericht vorwerfen lassen musste, sie handle wider die gottgegebene Natur der Frau. Und die am Ende durch einen schlauen Schachzug ihre Gegner Schachmatt gesetzt hat. Das Buch ist spannend, macht wütend, wühlt auf, gibt Hoffnung und lässt einen schmunzeln. Großartig geschrieben und sehr originell.

Lil
Lilby Markus GasserC.H.Beck
29. März
Rating:5

“Lil” von Markus Gasser lässt uns eintauchen in die Welt der gesellschaftlichen Konventionen um 1880 in New York. Die Unternehmerin Lilian Cutting besitzt Macht, Geld und einen scharfen Verstand. Ihr etwas älterer Ehemann Chev steht voll und ganz hinter seiner außergewöhnlichen Frau, sein Respekt und seine Achtung ihr gegenüber sind vorbildlich. Nur die herrschenden Familien der Stadt sind mit der extravaganten, vorlauten und geschäftstüchtigen Lil nicht begeistert. Als ihr geliebter Mann stirbt, setzt ihr Sohn Robert all sein Geschick ein und bringt mit Hilfe von seinem Bekannten, dem Psychiater Dr. Fairwell seine Mutter in dessen Anstalt. Hier werden ihr unter dem Mantel der Heilung Menschen verachtende und würdelose Behandlungen angetan. Ihre neidvollen Peiniger schrecken vor nichts zurück und die Highsociety der Stadt feiert es, diese starke Frau zermürbt in einer geschlossenen Anstalt zu sehen. Und hoffen, dass sie dort für immer bleiben muss. Erzählt wird diese Geschichte von Sarah, einer späten Nachfahrin von Lil, ihrer Hündin Ms. Brontë. Sarah kämpft mit einer Krebserkrankung und spricht mit ihrem Hund; was an sich noch nicht verwundert. Jedoch, dass die Hündin auch mit ihr spricht, lässt Sarah schmunzeln und über Irrsinn und psychische Probleme nachdenken. Genau diese Thematik wurde in der Vergangenheit missbraucht und auch in der Gegenwart ist man davor nicht gefeit. Der Autor baut eine unglaublich intensive Bindung zum Leser auf, seine Figuren sind authentisch und die bildliche Sprache zeichnet den Roman aus. Die Macht der Gesellschaft wird hervorgehoben und zeigt auf, was “normal” sein sollte und verbindet die Verfehlungen der Vergangenheit mit der Gegenwart. Emanzipation, Würde, Respekt und Achtung werden auf 238 Seiten unglaublich gut verarbeitet und dem Leser hallt der Machtmissbrauch, der Verrat und auch die geschickte Wendung in der Geschichte nach. Der süße Geschmack von stilvoller Rache einer kultivierten, intelligenten Frau lässt uns atemlos der Geschichte folgen. Ein Lesehighlight mit einer großen Leseempfehlung.

Lil
Lilby Markus GasserC.H.Beck
4. März
Ein Buch dass es in sich hat
Rating:5

Ein Buch dass es in sich hat

Ach Lil, wärst du nur nicht so eine starke und selbstbewusste Frau gewesen. Wärst du nicht so schlau und hättest mit Wertpapieren und Geldgeschäften so gut umgehen können wie ein Mann, ja dann, dann wäre dir vielleicht nicht widerfahren, was du erleiden musstest. Vielleicht wäre es auch besser gewesen, Lil, wenn du Hundert Jahre später geboren worden wärst. Oder wenn du von Anfang an, deinem Sohn beigebracht hättest auf eigenen Füßen zu stehen, sinnvoll zu handeln und nicht zu einem verwöhnten Söhnchen zu werden. Oder liegt es daran, dass in deiner Zeit, 1880, Frauen nur hübsch anzusehen waren, als Gebärmaschinen möglichst reich verheiratet wurden und immer still neben ihrem Mann zu stehen hatten? Was auch immer der Fehler war, du hast einen Weg gefunden dich zu rächen! Ja, Lilian ist eine starke Frau. Doch zu ihrer Zeit war das nicht gewollt und so schaffte es ihr Sohn Robert, sie in einem Sanatorium, einer psychischen Klinik unterzubringen, um sich dann ihr gesamtes Vermögen unter den Nagel zu reißen. Am liebsten wäre es Lil's Sohn auch gewesen, seine Mutter wäre einfach verschwunden. Nachdem Lilians Ehemann und Roberts Vater verstorben war, trauerte Lil sehr. Sie ließ sich nicht überreden, ihre schwarze Kleidung gegen bunte, überteuerte einzutauschen. Für Robert ein weiteres Zeichen dafür, dass seine Mutter verrückt sein muss. Und so wurde sie in der Klinik eingesperrt. Der angebliche Psychologe Fairwell fand in allen Äußerungen Lilians Symptome, die zu behandeln wären. So wurde sie, weil sie sich gegen die Behandlung sträubte, mit Morphium gefügig gemacht. Zum Glück gab es da aber noch Roberts Tochter, Lilians Enkelin, die ebenfalls eine mutige junge Frau war. Sie befreite ihre Großmutter, damit diese zu einem Gegenschlag ausholen konnte. Es ist kompliziert Lil ist wieder mal ein Buch, das mich an meine Grenzen gebracht hat. Es ist toll geschrieben und zum Glück ist es auch nur ein kleines Buch mit 238 Seiten. Die Grundgeschichte fand ich schon beim Klappentext richtig gut. Frau macht nicht, was Mann will und muss sich unterwerfen, um sich dann zu befreien und zum Gegenschlag auszuholen. Und auch die meisten Sätze des Autors Markus Grasser sind richtig ausgefeilt und schwarzhumorig geschrieben. (Ich mag schwarzen Humor!) Zwischen all den Sätzen sind auch versteckte Hinweise auf andere literarische Kostbarkeiten versteckt, wer sich mit Literatur auskennt, der stolpert immer wieder darüber. Ich habe nur wenige dieser Hinweise gefunden. Und damit nicht genug, es geht um Emanzipation, Anerkennung, Toleranz und alles, was in einer Gesellschaft wichtig sein sollte. Sarah, die Urururenkelin Lilians, erzählt die Geschichte von ihrer Ahnin ihrer Dobermannhündin, die immer wieder Zwischenfragen stellt und was manchmal den sehr (bedrückende) Roman auflockert. Ja, der Hund kann sprechen! Und manchmal liefert es auch ein paar Erklärungen zur Geschichte, wenn Sarah antwortet oder mit der Hündin herumalbert. Diese Zwischenrufe sind am Anfang des Romans noch etwas anstrengend, aber zum Schluss hin wird es besser. Ob mir der Roman gefallen hat? Um ehrlich zu sein, ich habe ihn verschlungen! Schwer fällt es mir eine Rezension zu schreiben, weil ich nicht die Vielfältigkeit treffen kann, in der dieses Buch geschrieben ist. Ich werde es noch einmal lesen müssen, damit ich die Feinheiten sehe und genießen kann.

Lil
Lilby Markus GasserC.H.Beck
17. Feb.
Rating:5

«Bist du hier, gehörst du hierher und kommst nur raus, wenn du nicht mehr rauswillst» sagte eine, «Kannst jede Behandlung brauchen, weil du alle Krankheiten hast, die sie dir anbieten» eine andere. - Buchzitat (S. 71) Markus Gasser entführt uns mit seinem Roman "Lil" in das New York des 19. Jahrhunderts, wo die Protagonistin Lillian Cutting sich mit unerschütterlichem Willen gegen die rigiden gesellschaftlichen Konventionen auflehnt. Der Autor, Essayist und Universitätsdozent präsentiert nicht nur eine mitreißende Geschichte, sondern auch eine eindringliche Gesellschaftskritik, die die Leser:innen tief in die düsteren Abgründe einer misogynen Epoche führt. Er selbst ist bekennender Feminist. Die Geschichte folgt der erfolgreichen Unternehmerin Lillian Cutting, die sich gegen alle Widerstände behauptet und dabei New York gegen sich aufbringt. Nach dem Tod ihres Mannes Chev versucht ihr Sohn Robert, sie mit Hilfe eines Psychiaters zu entmündigen. Doch Lil kämpft gegen eine Gesellschaft an, die Eigenständigkeit (der Frau) als Krankheit betrachtet. Markus Gasser entfaltet eine universelle Erzählung über den Kampf um Freiheit, Würde und das Recht auf den eigenen Lebensentwurf. Gassers Erzählstil ist von Anfang an packend und einzigartig. Sein direkter, humorvoller Schreibstil hat mich sofort begeistert, während die Charaktere mit einer Mischung aus Überzeichnung und Realismus lebendig werden. Das Cover, geheimnisvoll und ansprechend, spiegelt die Atmosphäre des Romans wider. Die Geschichte von Lil ist nicht nur eine individuelle Rachegeschichte, sondern ein eindringliches Porträt der damaligen Frauenrolle. Gasser konfrontiert die Leser:innen mit dem toxischen Frauenbild des 19. Jahrhunderts, das leider bis heute seine Schatten wirft. Lil ist eine Ausnahmeerscheinung, die sich in einer männerdominierten Welt behauptet, was sowohl bewundernswert als auch erschreckend realitätsnah dargestellt wird. Die Misogynie, der Lil und andere Frauen begegnen ist schwer zu ertragen, aber genau darin liegt die Stärke des Romans. Gasser schafft es, die Empörung der Leser:innen zu wecken und gleichzeitig eine Botschaft der Ermächtigung zu vermitteln. Die Racheakte von Lil und ihren Verbündeten gegen die frauenverachtende High Society sind gleichermaßen erhebend wie verstörend. Die Struktur des Romans, die zwischen dem 19. Jahrhundert und der Gegenwart wechselt, verleiht der Geschichte eine zusätzliche Tiefe. Die Verbindung zwischen Lil und ihrer Nachfahrin Sarah, die durch einen wiederentdeckten Brief hergestellt wird, fügt dem Roman eine zeitlose Dimension hinzu. Ein besonderes Highlight ist der sarkastische Ton, mit dem die Erzählerin Sarah ihre Familiengeschichte präsentiert. Gassers Humor ist beißend und klug, was dem Buch eine einzigartige Atmosphäre verleiht. Die Dinnerparty-Szene, in der Gäste als Tiere metaphorisiert werden, ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch eine subtile Kritik an der Dekadenz der High Society - eine meiner Highlight Szenen des Buches. "Lil" ist nicht nur ein Roman über Rache, sondern auch über Gier, Frauenrechte, und den Kampf gegen gesellschaftliche Normen. Die detaillierten Beschreibungen von Lil's Erfahrungen in der Nervenklinik und während des Gerichtsprozesses sind erschütternd. Die Darstellung von Fairwell als Quacksalber und Frauenfeind ist beängstigend realistisch. Die Offenlegung der Frauenfeindlichkeit durch angeblich wissenschaftliche Erkenntnisse ist verstörend, aber notwendig, um die Absurdität dieser Überzeugungen zu entlarven. Markus Gasser gelingt es, mit "Lil" eine universelle Geschichte zu erzählen, die auch heute noch relevante Themen wie Rassismus, Frauenrechte und den Kampf gegen toxische Männlichkeit anspricht. Der Roman ist literarisch anspruchsvoll, fesselnd und regt zum Nachdenken an. Insgesamt verdient "Lil" ohne Zweifel eine Bewertung von 5 von 5 Sternen. Der Roman überzeugt nicht nur durch seine packende Handlung und den außergewöhnlichen Schreibstil, sondern auch durch die tiefgreifende Auseinandersetzung mit zeitlosen gesellschaftlichen Problemen auf seine ganz eigene Art. «Ist es ein Mann, meine Damen und Herren, oder eine Frau oder beides oder keines von beidem oder etwas dazwischen? Oder etwas Drittes oder Viertes? Gibt es das über- haupt? Oder ist das die falsche Frage? Das entscheiden Sie, meine Damen und Herren, Sie und nur Sie allein!» - Buchzitat (S. 237) Bei dem Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar. Dies hat die Bewertung jedoch nicht beeinflusst.

Lil
Lilby Markus GasserC.H.Beck
11. Feb.
Verliebt in die Frauen in diesem Buch! 🤍
Rating:4.5

Verliebt in die Frauen in diesem Buch! 🤍

Sarah erzählt die Geschichte ihrer Ur-Ahnin Lillian Cutting, die Ende des 19. Jahrhunderts eine erfolgreiche, intelligente und selbstbewusste Unternehmerin war. Für die damalige Bevölkerung New Yorks und auch für ihren eigenen Sohn Robert war Lil etwas zu unabhängig für diese Zeit und so geschah es, dass sie unter einem heimtückischen Vorwand in einer Psychiatrie behandelt wurde. Dort wurde ihr Schreckliches angetan, doch Lil beschloss, sich zu rächen. 🐕🐕🐕 Ich habe den knapp 240 Seiten schlanken Roman geradezu verschlungen. Die Erzählerin Sarah berichtet so grandios sarkastisch von ihrer Familiengeschichte, dass ich schon nach wenigen Seiten mit Haut und Haaren von ihr gefangen war. Die absolute Krönung ist ihre Gesprächspartnerin Miss Brontë, womit der Autor zu 100 % meinen Geschmack getroffen hat. Das Buch beinhaltet so viele weiblich gelesene Charaktere, in die man sich nur verlieben kann. Für die damalige Zeit sind Lil, Libby, Eve und Colby so fantastische Vorbilder, dass ich einfach nur dahingeschmolzen bin. Sie bieten ihren Widersachern auf so raffinierte Weise die Stirn, dass ich gerne mehrfach laut gejubelt hätte. Dass ausnahmslos alle Psychiatrien, Psychotherapeut:innen und stationäre Einrichtungen für psychische Erkrankungen im Roman „Lil“ sehr schlecht wegkommen, ist ein bisschen schade und mein einziger Kritikpunkt. Mein absolute Highlight war schließlich die Gerichtsverhandlung. Der Richter Stamford Brook ist dabei zur Höchstform aufgelaufen und hat so heroisch alle Scheusale und alle Ungerechtigkeiten diskreditiert, dass ich bei seiner Urteilsverkündung Gänsehaut bekam und beinahe ein Freudentränchen verdrücken musste. Vom Sprachstil des Autors bin ich sehr beeindruckt. Es gelingt ihm dadurch, den Roman so mitreißend und amüsant zu gestalten, dass das Lesen für mich zur wahren Freude wurde. Ich kann das Buch unbedingt empfehlen, wenn du Lust hast auf geniale Rachefeldzüge, exzellenten Sarkasmus, Kreativität und Genugtuung en masse.

Lil
Lilby Markus GasserC.H.Beck