Schlüssige Analyse der Wechselwirkung zwischen Deals mit Diktaturen und der Entwicklung der Bundesrepublik - am Ende doch eine Nichterfolgsgeschichte?
In "Deals mit Diktaturen" werden am Beispiel des bundesdeutschen Umgangs mit elf Autokratien zu unterschiedlichen Zeiten einerseits Einfluss und "das fortbestehende polare Denken des Kalten Krieges [aufgezeigt], das rechte Diktaturen als Bollwerk gegen den drohenden Marxismus verteidigte". Andererseits gelingt es Bösch nachzuweisen, wie die BRD aus wirtschaftlichen Opportunitätserwägungen autokratisch geführte Staaten unterstützte -nicht selten mit der Lieferung von Waffen- um sich wiederum aus ebenjener Umklammerung befreien zu können und sich von den USA zu emanzipieren. Die Schattenseite dieser Erfolgsgeschichte ist die jedoch die Stützung und Aufbauhilfe jener Autokratien. Gleichzeitig erzählt der Autor die Geschichte des sich entwickelnden zivilen Ungehorsams und der öffentlichen Debatte über die Wahrung von Menschenrechten innerhalb der BRD. Der Untertitel der "andere[n] Geschichte" greift etwas hoch: Die Geschichte der BRD ist zweifelsohne eine Protestgeschichte; dies unterstreicht Frank Bösch vorliegend - allerdings belegt er diese Deutung ausschließlich über das Wechselspiel zwischen skandalösen "Deals mit Diktaturen" und den Wirkungen nach innen. Inwiefern es sich bei dieser Geschichte der BRD um eine Erfolgsgeschichte handelt, bleibt hingegen mindestens fraglich. Schließlich hörte die Zusammenarbeit mit autokratischen Regimen nie auf - und die gesellschaftliche bundesdeutsche Empörung der 60er und 70er-Jahre wandelte sich im 21. Jahrhundert vermehrt hin zu Akzeptanz und Offenheit für Deals mit Diktaturen, während jene sich zunehmend von jeglichen demokratischen Errungenschaften abwenden.
