Über den Kunsttischler Georg Elser aus Königsbronn war lange nicht viel mehr bekannt als die Tatsache, dass er es fast geschafft hätte, Hitler mit einer Bombe im Münchner Bürgerbräukeller zu töten. In dieser Biografie kommen wir dem Mann näher, der konsequent den Hitlergruß verweigerte und den Raum verließ, wenn Hitlerreden abgespielt wurden. Elser war überzeugter Antifaschist, ohne Politikstudium oder überhaupt viel gelesen zu haben. Als Widerstandskämpfer stand (und steht) er im Schatten von Stauffenberg und den Geschwistern Scholl. Im Unterschied zu denen, war Elser allerdings von Anfang an gegen Hitler. Er war Kommunist, wenn auch ohne herausgehobene Stellung in der Partei. Wolfgang Benz erzählt das Leben und die Tat Elsers und nähert sich der historischen Figur auf Basis der wenigen Zeitzeugnisse, die ihm zur Verfügung standen. Die Vorbereitungen des Bombenanschlags kosteten Elser Monate, Benz beschreibt sie minutiös. Teilweise liest es sich wie eine True Crime Geschichte, doch Benz verzichtet auf jede Art von Sensationshascherei. Interessant ist vor allem auch Benz' Blick auf die Nachkriegszeit, in der Elser lange Zeit verleumdet und vergessen wurde. Eine wichtige Rolle in der Verleumdung Elsers spielte auch Pastor Martin Niemöller, der nach dem Krieg ohne jeden Beleg behauptete, Elser sei in Wahrheit bei der SS gewesen. "Allein gegen Hitler" ist eine unbedingt lesenswerte Biografie, die in den Zeiten des erstarkenden Faschismus dazu anregt, sich mit der eigenen Rolle in der Geschichte auseinandersetzen.
23. Apr.Apr 23, 2025
Allein gegen Hitlerby Wolfgang BenzC.H.Beck
