Professor Gelfert versucht in seinem Lehrfach ein populärwissenschaftliches Buch zu schreiben. Es ist immer ein schwieriges Unterfangen, wenn man als Spezialist versucht, sein umfassendes Wissensgebiet ein einfache Wort zu packen und den Kern allgemein verständlich herauszuarbeiten. Im Klappentext verspricht der Fachbuchverlag, dass hier „ohne wissenschaftliches Jargon“ die „geläufigen Bewertungskriterien“ dargestellt werden. Da erwartet ich als interessierter Laie eine Einführung in die Literaturwissenschaft, von mir aus im Mittelteil mal ein paar theoretische Grundlagen und zum Schluss eine Antwort auf die Frage des Buchtitel: Was ist gute Literatur? Und wie kann man gute von schlechten Büchern unterscheiden. Das gelingt dem Buch überhaupt nicht. Zu Beginn hat man das Gefühl, dass der Autor noch sehr bemüht ist, einen einfachen Schreibstil und eine verständliche Sprache zu wählen, um Sinn und Aufgabe der Kunst zu erklären. Doch mit zunehmendem Eindringen in die Materie theoretisiert der Professor in einer Art und Weise, dass er höchstens seine Studenten oder das von ihm oft vermisste Bildungsbürgertum anspricht. Es werden eine Reihe von Kriterien aufgeführt, aber immer kommt der Autor zum Schluss, dass das jeweilige Kriterium nicht geeignet sei, um eine trennscharfe Linie zwischen gut und schlecht zu ziehen. Gute Literatur muss also nicht ernst sein, muss nicht schwierig sein, muss nicht vollkommen oder welthaltig sein, originell wäre allerdings schön und Unterhaltsamkeit ist eh nur für die Trivialliteratur wichtig. Gegen Ende wird es dann noch richtig hochnäsig, wenn er beklagt, dass die Hochliteratur von der Unterhaltungsliteratur immer weiter zurück gedrängt wird. Gute Literatur ist gesunde Nahrung, die das kulturelle Wachstum fördert, Trivialliteratur ist Fastfood und deckt bestenfalls den Minimalbedarf an Fantasieanregung. Das ist also die Antwort auf die Frage des Buchtitels? 200 Seiten wissenschaftlicher Tiefgang und dann diese lapidare Quintessenz? Das ist wirklich billig, zumal für Herrn Gelfert Harry Potter und Herr der Ringe ebenfalls zur Trivialliteratur gehören. Ist also der Grad der Fantasieanregung der Maßstab für die Qualität von Literatur. Dann muss sich also die Fantasy eine andere Genrebezeichnung geben, da sie Fantasie vorgibt und nicht anregt? Na ja, das soll jeder für sich entscheiden, ob das zutrifft. Zu guter Letzt dann noch das gehaltvolles Fazit des Autors im Original: In meinem Buch habe ich versucht, das Wesen der ästhetischen Lust von der allgemeinen Wahrnehmungslust abzugrenzen. Mein Ergebnis lautet kurz so: Während die gewöhnliche, physiologisch erregte und psychisch erlebte Lust im Anheben und Absenken des Erregungsniveaus besteht und deshalb mit einer Befriedigung endet, die im besten Fall als schöne Erinnerung zurückbleibt, gelingt es der Kunst, Erwartungslust stillzustellen und Befriedigungslust zu ritualisieren. Oh je, genug davon. Man reiche mir bitte einen Groschenroman zur Absenkung meines Erregungsniveaus...
Professor Gelfert versucht in seinem Lehrfach ein populärwissenschaftliches Buch zu schreiben. Es ist immer ein schwieriges Unterfangen, wenn man als Spezialist versucht, sein umfassendes Wissensgebiet ein einfache Wort zu packen und den Kern allgemein verständlich herauszuarbeiten. Im Klappentext verspricht der Fachbuchverlag, dass hier „ohne wissenschaftliches Jargon“ die „geläufigen Bewertungskriterien“ dargestellt werden. Da erwartet ich als interessierter Laie eine Einführung in die Literaturwissenschaft, von mir aus im Mittelteil mal ein paar theoretische Grundlagen und zum Schluss eine Antwort auf die Frage des Buchtitel: Was ist gute Literatur? Und wie kann man gute von schlechten Büchern unterscheiden. Das gelingt dem Buch überhaupt nicht. Zu Beginn hat man das Gefühl, dass der Autor noch sehr bemüht ist, einen einfachen Schreibstil und eine verständliche Sprache zu wählen, um Sinn und Aufgabe der Kunst zu erklären. Doch mit zunehmendem Eindringen in die Materie theoretisiert der Professor in einer Art und Weise, dass er höchstens seine Studenten oder das von ihm oft vermisste Bildungsbürgertum anspricht. Es werden eine Reihe von Kriterien aufgeführt, aber immer kommt der Autor zum Schluss, dass das jeweilige Kriterium nicht geeignet sei, um eine trennscharfe Linie zwischen gut und schlecht zu ziehen. Gute Literatur muss also nicht ernst sein, muss nicht schwierig sein, muss nicht vollkommen oder welthaltig sein, originell wäre allerdings schön und Unterhaltsamkeit ist eh nur für die Trivialliteratur wichtig. Gegen Ende wird es dann noch richtig hochnäsig, wenn er beklagt, dass die Hochliteratur von der Unterhaltungsliteratur immer weiter zurück gedrängt wird. Gute Literatur ist gesunde Nahrung, die das kulturelle Wachstum fördert, Trivialliteratur ist Fastfood und deckt bestenfalls den Minimalbedarf an Fantasieanregung. Das ist also die Antwort auf die Frage des Buchtitels? 200 Seiten wissenschaftlicher Tiefgang und dann diese lapidare Quintessenz? Das ist wirklich billig, zumal für Herrn Gelfert Harry Potter und Herr der Ringe ebenfalls zur Trivialliteratur gehören. Ist also der Grad der Fantasieanregung der Maßstab für die Qualität von Literatur. Dann muss sich also die Fantasy eine andere Genrebezeichnung geben, da sie Fantasie vorgibt und nicht anregt? Na ja, das soll jeder für sich entscheiden, ob das zutrifft. Zu guter Letzt dann noch das gehaltvolles Fazit des Autors im Original: In meinem Buch habe ich versucht, das Wesen der ästhetischen Lust von der allgemeinen Wahrnehmungslust abzugrenzen. Mein Ergebnis lautet kurz so: Während die gewöhnliche, physiologisch erregte und psychisch erlebte Lust im Anheben und Absenken des Erregungsniveaus besteht und deshalb mit einer Befriedigung endet, die im besten Fall als schöne Erinnerung zurückbleibt, gelingt es der Kunst, Erwartungslust stillzustellen und Befriedigungslust zu ritualisieren. Oh je, genug davon. Man reiche mir bitte einen Groschenroman zur Absenkung meines Erregungsniveaus...
Eine hervorragende Zusammenfassung über den Begriff der Literatur, die Definition von guter Literatur, Erläuterung diverser Kriterien anhand von zahlreichen Beispielen.


