Wenn es still wird…
„Die Natur wehrt sich. Es wäre fürwahr die größte Ironie, wenn wir bei unseren Bemühungen, die Natur zu unserer Zufriedenheit zu gestalten, so viel aufs Spiel gesetzt und trotzdem unser Ziel nicht erreicht hätten.“ Der Mensch macht sich die Erde untertan. Behutsamkeit und Verhältnismäßigkeit scheinen dabei längst in den Hintergrund geraten zu sein. Was sich wie ein Zitat aus einer Rede des aktuellen Diskurses liest, ist tatsächlich eine Textpassage aus einem 63 Jahre alten Klassiker, der zum Erscheinungstermin die Gesellschaft in Alarm versetzte und sich zum Standardwerk der Umweltbewahrungsbewegung mauserte. „Der stumme Frühling“ von Rachel Carson ist im C.H. Beck erschienen und wurde von Margaret Auer aus dem Englischen übersetzt. Ausgehend von ihrer Analyse der Folgen von Pestiziden auf die Umwelt und letztlich auf den Menschen selbst zeichnet die studierte Biologin ein spannend erzähltes und dystopisch anmutendes Bild eines Frühlings ohne Geräuschkulisse, ohne Fauna. Ihre Ausführungen haben keinerlei Aktualität eingebüßt, deswegen und weil die Schriftstellerin als Person sehr fasziniert und mit „Die Magie des Staunens“ auch hoffnungsvollere Werke erschaffen hat, kann ich euch nur ans Herz legen, sich mit ihren Texten und ihrer Biografie (Romantipp „In uns der Ozean“) weiterführend zu beschäftigen. Hoffen wir insgesamt auf die Anpassungsfähigkeit der Natur, die Carson im angeführten Zitat als Wehrhaftigkeit bezeichnet und trotz allem auch auf die Fähigkeit des Menschen, dazu zu lernen.


