Also ich finde das Buch nicht so toll.

Gehört neben den DaVinci Code ins Bücherregal.
Eine Prachtausgabe des seinerzeit aufsehenerregenden Sachbuchs von Lincoln/Baigent/Leigh über die von der Prieuré de Sion gehütete Blutlinie Jesu. Durchaus bestechend in der Beweisführung, doch wie man heute weiß, ist die Prieuré eine reine Erfindung des Hochstaplers Pierre Plantard. Ginge es um Tagebücher von Adolf Hitler, hätte das einen gehörigen Skandal gegeben, aber so hat sich die Fälschung, der die Autoren aufgesessen sind, noch immer nicht bei jedem Interessenten herumgesprochen. Trotzdem gehört das Buch in jede gut sortierte Verschwörungsbibliothek. Zum einen ist es eine faszinierende Theorie. Zum anderen ein Lehrstück darüber, dass man im Grunde jeden Unfug mithilfe echter historischer Fakten "beweisen" kann. Das Autoren-Trio hat akribisch recherchiert und durch Auswahl passender Fakten eine stimmige Theorie gezimmert, die trotzdem grundverkehrt ist. Lincoln/Baigent/Leigh wollten die Welt mit Sicherheit nicht betrügen, sie haben selbst an ihre These geglaubt. Peinlich dann allerdings der Versuch von Michael Baigent und Richard Leigh (die nicht mal den Anstoß zu diesem Buch gegeben haben; der kam von Henry Lincoln), von Dan Browns Verlag Schadensersatz zu erhalten, weil der Bestsellerautor sich für den "DaVinci Code" bei ihrem Buch als Ideenfundgrube bedient hatte. Peinlich auch, dass Dan Brown "Der Heilige Gral und seine Erben" nicht korrekterweise im Nachwort erwähnt hatte. Beide gehören ja schon irgendwie zusammen: das Sachbuch ist im Grunde der akribisch ausgearbeitete Hintergrund für einen spannenden Roman. Lübbe hat beide - Sachbuch und Roman - in wundervollen illustrierten Ausgaben herausgebracht, die man nebeneinander als ein Stück populärer Literaturgeschichte im Regal stehen haben sollte. Hochglanzpapier, viele farbige Abbildungen und eine tolle grafische Gestaltung - hier trifft Augenschmaus auf spannenden Inhalt.

