7. Dez.
Die Geschichte eines Helden, der eigentlich ein Schurke war
Rating:4

Die Geschichte eines Helden, der eigentlich ein Schurke war

Stratus erinnert sich an nichts, als er auf einem Feld irgendwo im Nirgendwo erwacht. Während er noch versucht, sich zurecht zu finden, gerät er immer wieder mit Menschen aneinander, die in ihm einen Dämon und eine Bestie sehen. Stratus selbst versteht kaum, wer oder was er ist, doch schon bald findet er sich, gejagt und in Bedrängnis, mitten in einem Krieg wieder, der das ganze Land mit Blut und Tod überzieht. Er ahnt noch nicht, wie sehr er selbst in eben diesen verstrickt ist… Wer Lust auf eine klassische epische Fantasy hat, der wird mit „Der Fluch des Feuers“ auf jeden Fall fündig. Allerdings erzählt und Mark de Jager keine klassische Heldenreise, verkauft uns keinen tapferen, unerschrockenen Helden. Im Gegenteil: Stratus ist eher ein Bösewicht als ein Ritter in glänzender Rüstung. Er wird irgendwie zur Heldenfigur dieser Geschichte, das schafft er aber nicht durch strahlende Taten, sondern eher durch Zufall und Macht und den Fakt, dass der wahre Bösewicht zufälligerweise auch sein eigener Feind ist. Mit anderen Worten: Das Buch erzählt seine Geschichte auf eine eher ungewöhnliche Weise. Die Perspektive des Protagonisten ist unbedarft und manchmal fast schon urkomisch, während er langsam lernt und sich erinnert, wie die Welt funktioniert, wie seine Fähigkeiten wirken. Tatsächlich hat der Autor es geschafft, den wahren Hintergrund des Protagonisten recht lange im Dunkeln zu halten, sodass erst recht spät ans Licht kommt, wer sich wirklich hinter unserem ungewöhnlichen Protagonisten versteckt. Stratus Reise selbst war unterhaltsam, wenn auch schonungslos. Die Geschichte spielt in einer mittelalterlichen Welt, die von Kriegen und einer machtgierigen Kirche heimgesucht wird und das zeigt sich, wenn der Autor die Brutalität ebendieser Welt mit schonungsloser Ehrlichkeit in Worte fasst. Ja, dieses Buch ist brutal und blutig, manchmal fast schon zu detailliert, sowohl die Bedrohung als auch der Protagonist. Auch wenn sich das am Ende erklärt, man muss die Nerven dafür haben, sonst wird einem dieses Buch überhaupt keine Freude sondern nur Ekel bereiten. Ansonsten kann man aber sagen: Der Fluch des Feuers ist ein vielversprechendes Debüt mit viel Potenzial und einem ungewöhnlichen, aber durchaus faszinierenden Ansatz, einer durchweg spannenden Geschichte (auch wenn die ganz anders ist, als der Klappentext glauben lässt) und voller düsterer Magie, die sich in den Schatten wendet. Nun bleibt abzuwarten, ob Stratus Geschichte noch eine Fortsetzung findet…

Der Fluch des Feuers
Der Fluch des Feuersby Mark de JagerLübbe
1. Jan.
Rating:2

"Der Fluch des Feuers" hat es mir im Dezember letzten Jahres überhaupt nicht leichtgemacht und hat sich im Endeffekt wohl auch als mein Jahresflop 2017 herausgestellt. Ich habe in der Vergangenheit sehr selten Bücher gelesen, mit denen ich überhaupt nicht klarkam. Es ist mir eigentlich immer recht leichtgefallen, etwas Positives an einem Buch zu finden, etwas, an dem ich mich orientieren kann, aber auch das fiel mir dieses Mal wesentlich schwerer als sonst. Natürlich weist auch das Werk von Mark de Jager ein paar positive Facetten auf, die meiner Meinung nach aber leider im Strudel der Langatmigkeit und dem wenig überzeugenden Plot untergehen. Mir persönlich hat beispielweise der Spannungsbogen in "Der Fluch des Feuers" gefehlt. Die Plotidee ist gut und hat mich aufgrund des Klappentextes auch überzeugen können, nur hat mir die Umsetzung einfach nicht gefallen. Der Plot ist zäh und langatmig, und auch die kleinen Wendungen oder Spannungsmomente (die durchaus vorhanden waren!) haben das nicht wirklich ändern oder ausgleichen können. Dabei hatten die Geschichte und die Idee wirklich Potenzial. Sie hätte so gut werden können. Aber im Endeffekt hat sie mich überhaupt nicht erreicht, überhaupt nicht fesseln können und auch überhaupt keinen Reiz für mich gehabt. Ich kann auch nicht mal wirklich benennen, woran es gelegen hat. Es ist nun mal gefühlt einfach nichts passiert außer Gemetzel und es machte auf mich auch den Eindruck, als würde der Autor sich an Kleinigkeit aufhalten und die Passagen, die es auszuschmücken galt, mit einem kleinen Satz abarbeiten. Den Plot, den ich gerne gelesen hätte und den ich durch die Leseprobe und durch den Klappentext erwartet hatte, habe ich schlichtweg einfach nicht bekommen. Zum anderen hatte ich so meine Probleme mit der Schreibweise. Ich kenne keine Bücher von Mark de Jager, weswegen ich mir im Vorfeld die Leseprobe durchgelesen habe. Den Anfang fand ich toll und spannend, weswegen ich mir auch überhaupt nicht erklären kann, wieso die Schreibweise in späteren Abschnitten so zäh und befremdlich wirkte. Ich habe auf jeden einzelnen Dialog hin gefiebert, weil die Gespräche den Plot zumindest ein bisschen aufgelockert haben und mir zumindest das Gefühl gaben, dass ein bisschen was passiert. Stratus' Gedankengänge waren durchgehend mühsam zu lesen und durch die Schreibweise hatte ich fast den Eindruck, dass ich 464 Seiten ohne Inhalt lese. Der Plot kommt auch nur langsam in Fahrt und im Allgemeinen passiert eher wenig oder wird nur gemächlich geschildert. Dazu muss ich sagen, dass ich davon ausgehe, dass ich das Buch nach den ersten 100-150 Seiten vermutlich abgebrochen hätte, wenn ich es nicht im Rahmen einer Leserunde geschenkt bekommen und mit anderen zusammen gelesen hätte. Unstimmigkeiten habe ich auch bei den Charakteren festgestellt, denn zum Hauptprotagonisten Stratus habe ich keinerlei Bindung aufbauen können. Zwar konnte ich viele seiner Gedanken verstehen, aber seine Art, Probleme zu lösen, ist mir eher negativ aufgestoßen. Denn er ist rücksichtslos, brutal und egoistisch. Er tötet jeden, der ihm im Weg steht, teilweise auf blutreiche und unnötig gewaltbereite Art. Ich mag blutige und brutale Geschichte in der Regel sehr gerne, aber für mich wirkte es eher so, als sollte die Brutalität und die ekelhaft genauen Beschreibungen der Ermordungen von den Schwächen des Plots ablenken. Zusätzlich betont Stratus auch immer wieder, dass es die Bestie in ihm ist, die ihn dazu bringt, so zu handeln, was mir unglaublich schwer fiel zu glauben, dann den richtigen Stratus lernt man eigentlich nicht kennen. Wer ist Stratus ohne die Bestie? Welchen Charakter hat er? Wie würde er ohne sie handeln? Das sind Fragen, die mir zu wenig beantwortet wurden und weswegen ich Stratus als das sehen musste, was er uns zeigt: Ein skrupelloser, gefährlicher Protagonist. Seine ahnungslose Seite, die manchmal sehr amüsant wirkte und mich teilweise zum Schmunzeln gebracht hat, konnte das meiner Meinung nach auch nicht wirklich aufwiegeln. Zusätzlich ist mir auch keiner der anderen – zahlreichen – Charaktere positiv oder besonders in Erinnerung geblieben (außer Tatyana, aber dazu gleich). Ich will nicht sagen, dass diese wie aus dem Baukasten wirkten, aber erinnerungswürdig waren sie leider für mich nicht. Zumal ich auch keinen zu sehr in mein Herz schließen wollte, denn ich musste davon ausgehen, dass Stratus ihn oder sie im nächsten Kapitel sowieso in Stück reißt, aufisst, verbluten lässt oder auf eine sonstige Art und Weise umbringt. Allerdings gab es für mich doch zwei positive Faktoren in diesem Buch: Zum einen die Figur Tatyana. Ich fand sie toll und sympathisch (weswegen Stratus im Vergleich mit ihr eigentlich nur noch mehr abstinkt), so dass sie durchweg authentisch wirkte und für mich zum Lichtblick wurde. Sie ist clever, taff und durchsetzungsstark, lässt sich von niemandem auf der Nase herumtanzen, sagt, was ihr in den Sinn kommt und verdient sich dabei mehr als nur einmal meine Bewunderung und meinen Respekt. Ich hätte so gerne die ganze Geschichte aus ihrer Perspektive gelesen, hätte sie gerne als Hauptprotagonistin gehabt und Stratus nur als Nebenfigur. Ich denke, in diesem Fall hätte mir die Geschichte auch wesentlich besser gefallen. Der zweite positive Punkt war für mich die Schilderungen und Beschreibungen der Magie, des Zauberns und des Hexens. Mir hat gefallen, wie Mark de Jager das beschreibt, wie gut ich es mir vorstellen konnte und wie sehr es der Geschichte einen besonderen Reiz gegeben hat. Das waren übrigens auch die Stellen, an denen ich gemerkt habe, dass Mark de Jager auf jeden Fall die Fähigkeit besitzt, einnehmend und schön zu schreiben. Leider konnte er das meiner Meinung nach an anderer Stelle nicht erfolgreich umsetzen. Fazit Eigentlich wäre Mark de Jagers "Der Fluch des Feuers" für mich ein 1-Sterne-Kandidat, da ich aber die gute Plotidee, die überzeugenden Beschreibungen der Hexerei und die einnehmende Tatyana nicht vollkommen außer Acht lassen möchte, vergebe ich gerade noch so zwei Sterne. Mich hat das Buch leider einfach nicht packen können; die Geschichte war nichts für mich. Schade, denn das Buch hätte definitiv gut werden können.

Der Fluch des Feuers
Der Fluch des Feuersby Mark de JagerLübbe