Zwischen Dunkelheit und Wahrheit
Ben Escher liefert einen Thriller, der mit einer vielversprechende Prämisse startet. Viel Nächte im Wald als Teambuilding Maßnahme einer renommierten Anwaltskanzlei. Verbunden mit herausfordernden Challenges, psychischem Druck und alten, nie verarbeiteten Traumata. Im Zentrum steht Marc, ein junger Anwalt, dessen gescheitertes Start Up ihn in eine massiven Schuldenkrise gestürzt hat. Doch statt eines sanften Einstiegs in die Kanzlei erwartet ihn sofort eine extreme Bewährungsprobe. Das mehrtägige Outdoor Event im Wald... Besonders gelungen ist die Atmosphäre. Die Dunkelheit, das Gefühl der Ausgeliefertheit und die unterschwelligen Spannungen innerhalb der Gruppe sorgen gerade zu Beginn für eine Dichte, fast klaustrophobische Stimmung. Sehr eindrücklich sind zudem die Rückblenden in eine gewaltgeprägte Kindheit. Allerdings verliert die Handlung im Verlauf spürbar an Intensität. Die sehr langen Kapitel bremsen den Lesefluss und die wiederkehrenden Szenen aus dem Kanzleialltag unterbrechen die Waldhandlung immer wieder, wodurch die Bedrohung weniger greifbar wird. Es wirkt stellenweise überladen und nimmt dem Thriller die klare Linie. Zwar gibt es gegen Ende überraschende Enthüllungen, doch insgesamt wirkt das Finale etwas konstruiert und unnötig komplex. Hier hätte eine klarere, kompaktere Lösung deutlich mehr Wirkung entfaltet. Leider werden insgesamt Spannung und psychologisches Potenzial nicht konsequent ausgeschöpft, und die Auflösung wirkt eben etwas überladen. Daher 3 Sterne und die Chance auf das nächste Buch des Autors im Anschluss




