22. Sept.
Rating:4

Sabine Weiß hat mit „Gold und Ehre“ den zweiten Band veröffentlicht, der in und um Amsterdam spielt. Mit Hamburg und seinem Michel ist allerdings ein weiterer Ort mit in den Fokus gerückt. Die Geschichte der Architektenfamilie Aard wird im 17. Jahrhundert weitererzählt. Erschienen ist der Roman im November 2021 bei Lübbe. Amsterdam, 1650: Der junge Benjamin Aard liebt die Architektur, aber auch die Wissenschaften reizen ihn sehr. Nachdem eines seiner Experimente außer Kontrolle gerät, wird er von seinem Vater nach Hamburg geschickt. Dort soll er sich beweisen und erwachsen werden. Nach einigen Rückschlägen lernt er schließlich Menschen kennen, auf die er sich verlassen kann. Unter ihnen ist die junge Lucia, die in ärmlichen Verhältnissen lebt und ihre kranke Mutter pflegt. Um sich über Wasser zu halten, muss sie auch zu Mitteln greifen, die nicht in Ordnung sind, dennoch entsteht eine zarte Liebe zwischen ihr und Benjamin, die auf eine harte Probe gestellt wird, als dieser wieder zurück nach Amsterdam gerufen wird. Zumindest die historischen Romane der Autorin sind bei mir immer gesetzt, erst recht, wenn eine Stadt wie Hamburg einer der zentralen Handlungsorte ist. Ich lebe in der Nähe dieser wunderbaren Stadt und bin immer begierig darauf etwas über die Vergangenheit von Orten zu lernen, in denen ich häufiger verweile. Zunächst werden wir allerdings wieder nach Amsterdam entführt, denn dort beginnt die Geschichte und Sabine Weiß versteht es direkt wieder Bilder vor dem inneren Auge entstehen zu lassen. Die Beschreibungen von Orten faszinieren mich jedes Mal wieder aufs Neue und oftmals habe ich direkt Lust, die Orte zu besuchen, wenn es sie denn heute noch gibt. Sowohl Amsterdam als auch Hamburg wurden wunderbar eingefangen. Mit Nieuw Amsterdam, dem heutigen New York, haben wir allerdings noch einen interessanten, wenn im Umfang auch kleineren, Schauplatz. Die Themenvielfalt dieses Romanes ist enorm. Es geht natürlich wieder um Architektur. Der Bau des kleinen Michel spielt eine große Rolle, aber auch Bauten in und um Amsterdam. Die Wissenschaft gewinnt an Bedeutung, die Niederlande sind eine wichtige Größe auf den Weltmeeren, es geht um Seeschlachten, Kolonien und Sklavenhandel, die politische Lage jener Zeit ist sehr angespannt, der Adel ist im Niedergang begriffen, Werte wie Freiheit gewinnen an Bedeutung, aber der Weg dorthin ist auch von Rückschlägen geprägt. Für mich war das eine sehr spannende Mischung und ich verstehe das manche Themen nur angerissen werden konnten, dennoch hat mir der Gesamtüberblick, den das Buch gibt, sehr gut gefallen. Mit den Personen im Roman habe ich mitgefiebert, auch wenn es keine Person gab, die mich so richtig für sich einnehmen konnte. Benjamins Entwicklung hat mir gefallen, ich fand es schön, dass er Fehler machen durfte und aus diesen lernen konnte, obwohl es mir manchmal fast ein bisschen zu einfach ging. Die Liebesgeschichte zu Lucia kam nicht so wirklich bei mir an, insgesamt spielt diese im Gefüge des Romanes keine so große Rolle, was mir wiederum gut gefällt. Ich mochte Lucia und ihre Wissbegierde, insgesamt betrachtet war sie für mich etwas zu blass. Theos Geschichte mit der Seefahrt hat mir gut gefallen. Mit ihm hat man die Weltmeere bereist und interessante Orte kennengelernt. Ich verstehe, warum Sabine Weiß einen bestimmten Weg nicht gegangen ist, hätte es mir allerdings dennoch insgeheim gewünscht. So kennen wir nur die Folgen, wenn man erwischt wird. Insgesamt hat mir der Personenmix sehr gut gefallen, da dieser die Vielfalt der Themen unterstützt hat und man sich so in verschiedene Sichtweisen versetzen konnte. Der Spannungsbogen war insgesamt gut gewählt, allerdings ging es für mein persönliches Empfinden am Anfang ein bisschen zu langsam und am Ende deutlich zu schnell. Gerade zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse regelrecht und es fiel mir schwer noch richtig zu folgen. So manche Entwicklung war mir fast ein wenig zu leicht. Hier ist es glaube ich recht schwer die richtige Balance zu finden, ohne dass es am Ende dann doch zu dramatisch wirkt, manchmal hätte ich es mir dennoch etwas dramatischer gewünscht. Das Nachwort der Autorin gibt nochmal einen guten Überblick über den gesamten Roman, seine Themenvielfalt und was das für eine wahnsinnige Recherche bedeutet haben muss. Wer sich weiter informieren will, findet im Nachwort schon einige Lesetipps, kann aber auch auf der Homepage der Autorin noch einiges zu den Hintergründen des Romanes erfahren. Ich werde dort mit Sicherheit vorbeischauen. Ich bin ein Fan von Nachworten. Für mich rückt das die Arbeit, die in so einem Roman steckt, nochmal in den Fokus und steigert meine Wertschätzung dafür. Fazit: Ein toller Roman über Hamburg und Amsterdam im 17. Jahrhundert, der die wichtigen Ereignisse und Veränderungen wunderbar einfängt und mit einer großen Themenvielfalt aufwartet. Wer historische Romane mit tollen Ortsbeschreibungen liebt und es mag, wenn statt des Adels, Bürger, Kaufleute und Architekten in den Mittelpunkt rücken, ist hier genau richtig. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für diesen Roman, auch wenn der letzte kleine Funke zur totalen Begeisterung gefehlt hat.

Gold und Ehre
Gold und Ehreby Sabine WeißLübbe
15. Sept.
Rating:4

Die Autorin Sabine Weiß hat mit ihrem historischen Roman „Gold und Ehre“ die Geschichte der fiktiven Architektenfamilie Aard weitergeführt. Dieses Buch spielt im 17. Jahrhundert und knüpft nur locker an den Vorgängerroman „Krone der Welt“ an. Es ist also nicht zwingend erforderlich, dass man dieses Werk bereits gelesen hat - man kann „Gold und Ehre“ auch ohne Vorkenntnisse daraus durchaus genießen. Klappentext: Nach einem verunglückten Experiment wird Benjamin von seinem Vater nach Hamburg geschickt. Anfangs tut sich der junge Architekt schwer so fern der Heimat. Er wird belogen und betrogen, doch bald lernt er Menschen kennen, auf die er zählen kann - allen voran Lucia, die stehlen muss, um das Überleben ihrer Familie zu sichern. Sie fasziniert ihn, auch weil sie blitzgescheit ist. Als Benjamin von seinem Vater zurück nach Amsterdam gerufen wird, bleibt sie zurück. Kann dennoch mehr aus ihrer Verbindung werden? Ich hatte vor einiger Zeit (im Dezember 2020) schon „Krone der Welt“ aus der Feder von Sabine Weiß gelesen, welches mir damals gut gefallen hat und mich gut unterhalten hat. Daher war mein Interesse auf ihr neustes Werk natürlich geweckt und zu gerne wollte ich mich wieder mit Familie Aard nach Amsterdam begeben. Auch Hamburg als Handlungsort empfand ich reizvoll, sodass ich mich voller Vorfreude in dieses historische Abenteuer gewagt habe. Ein erster Blick ins Buch zeigt mir, dass dieses mit hilfreichem Bonusmaterial ausgestattet ist. Ein umfangreiches Glossar ist beigefügt wurden und auch die historische Stadtkarte von Hamburg habe ich gerne zu Rate gezogen. Der Schreibstil ist, wie ich es bereits aus vorangegangenen Büchern von Sabine Weiß gewohnt war, wieder sehr angenehm und bildgewaltig. Flüssig lassen sich die Seiten lesen und schnell ist man mitten im Geschehen. Weiß schafft es auch, dass Bilder vor dem geistigen Auge entstehen und man kann sich die damaligen Lebensumstände gut vorstellen und bekommt ein Bild von der damaligen Zeit, wie es gewesen sein könnte. Dennoch ist mir der Einstieg in den historischen Roman ein bisschen schwer gefallen. Durch die ersten Seiten musste ich mich ein bisschen durchkämpfen. Leider kann ich nicht genau festmachen, woran dies gelegen hatte – die ersten Seiten konnten mich nicht hundertprozentig packen. Das Setting in Amsterdam hat mir gefallen, auch die Charaktere waren vielversprechend. Dennoch musste ich mich durch die ersten 50 – 100 Seiten etwas durchkämpfen. Nachdem ein Ortswechsel nach Hamburg anstand, hat sich dieses Gefühl gelegt und ich hatte das Gefühl, dass das Buch jetzt erst so richtig in Fahrt kommt und hatte damit auch ein besseres Lesegefühl. In „Gold und Ehre“ begleitet der Leser wieder die Familie Aard, welche mancher Leser schon aus „Krone der Welt“ geläufig sein könnte. Aber in der Fortsetzung wird quasi eine Generation übersprungen, sodass es nicht zwingend erforderlich ist, dass man den Vorgänger kennt. Die Charakterdarstellung ist umfangreich und realistisch, mir persönlich hat diese gefallen und konnte mich erneut vom Talent der Autorin überzeugen. Benjamin ist einer der Protagonisten und wir lernen ihn als junger Erwachsener kennen. Er war mir schon auf den ersten Seiten sympathisch. Er ist wissbegierig und hinterfragt auch gewisse Gegebenheiten, welche andere hinnehmen. Benjamin will die Umstände dahinter in Erfahrung bringen und macht daher so seine eigenen Experimente, welche nicht immer gelingen. Besonders zu Beginn des Buches ist er teilweise noch recht naiv, dies äußert sich vor allem, als er alleine nach Hamburg geschickt wird und dort ohne fremde Hilfe zurechtkommen muss. In Hamburg lernt er die junge Frau Lucia kennen, dessen Vater hat ein Steinhof betreiben. Nach seinem Tod führt ihn die Mutter übergangsweise weiter. Jedoch muss sich die Familie eine Lösung für die Zukunft einfallen lassen, denn um die Zukunft des Steinhofes steht es nicht zum Guten. Als roter Faden für die Hamburger Perspektive ist die Erbauung des Hamburger Wahrzeichens Michels. Immer wieder wird der Fortschritt des Bauobjektes mit eingebunden. Dem Leser sollte aber klar sein, dass dies nicht der Fokus der Handlung ist – es fließen lediglich kleine Abschnitte über dessen Fortschritt in die Story mit ein. Gut gefallen hat mir auch der Charakter Theo. Dieser will Medizin studieren. Als er jedoch bei einer unüberlegten Handlung von seinem Vater erwischt wird, schickt dieser ihn auf ein Schiff. Auf der Schiffsfahrt soll er dem Schiffsarzt zur Hand gehen und durch die Praxis einiges lernen. Durch seine Erzählperspektive erfährt man viel Interessante über die Schifffahrt zur damaligen Zeit, aber auch medizinisches Wissen wird vermittelt. Sein Strang hat mir überraschenderweise richtig gut gefallen, gebannt habe ich sein Schicksal verfolgt. Ein wesentlicher Charakter in diesem Buch ist auch Samuel. Er ist der Onkel von Benjamin und betreibt Handel, auch ist er in der gehobenen Gesellschaft Zugängen und möchte sich in dieser einen Namen machen. Sein gesellschaftlicher Stand ist ihm wichtig und nur zu gerne würde er sich in die obersten Reihen mit einreihen. Durch seinen Erzählstrang werden die politischen Ereignisse mit in die Handlung integriert und die historischen Gegebenheiten werden näher beleuchtet. Einige historisch relevante Persönlichkeiten lernt man durch Samuel kennen, teilweise werden auch nur die Namen genannt, welche eine wichtige Rolle in der Geschichte gespielt haben. Ich persönlich weiß eigentlich ziemlich wenig über die Geschichte der Niederlande. Daher hat es mir gut gefallen, dass man durch seinen Strang ein wenig was erfährt. Dennoch fand ich manchmal den Schwerpunkt ungünstig gewählt. Teilweise wird hier sehr intensiv über das Geschehen berichtet, man hat das Gefühl, dass man als Leser mitten drin ist. Dann jedoch werden viele Namen erwähnt, welche zuvor noch keine Rolle gespielt haben. Mir ist es manchmal schwer gefallen, die ganzen Namen zu sortieren oder auch einzuordnen. Viele Informationen bekommt man nur häppchenweise und muss sich den Rest als interessierter Leser selber erarbeiten. Auch merkt man in diesen Kapiteln die umfangreiche Recherche am intensivsten. Dennoch ist sie meiner Meinung nach nicht immer gelungen eingesetzt wurden. Hier hätte ich mir mehr Zusammenhänge oder auch Erklärungen gewünscht. Auch hätte ich einen beigefügten Zeitstrahl sinnvoll empfunden, dadurch wäre der Leser vielleicht ein bisschen mehr im Bilde über die historischen Ereignisse gewesen. Etwas ungünstig empfand ich auch das letzte Drittel des Buches. Zuvor wurde das Tempo eher gemächlich gehalten, man hat einen fundierten Einblick in das Leben der Charaktere bekommen. Lediglich im letzten Drittel wird zeitlich enorm gestrafft. Vielen Zeitsprünge erfolgen – auch Szenenwechsel sind nicht unüblich. Dies hat dazu geführt, dass die letzten Seiten auf mich nicht ganz harmonisch gewirkt haben. Sie haben einen gehetzten Eindruck hinterlassen. Manche Szenen wurden nur kurz angerissen. Nur um daraufhin in der Zeit zu springen, sodass man sich aus den Zusammenhängen heraus das Resultat des vorangegangenen Ereignis zusammenbasteln muss. Hier hätten ein paar Seiten mehr dem Buch gut getan. Insgesamt konnte mich Sabine Weiß mit ihrem historischen Roman „Gold und Ehre“ gut unterhalten. Ich habe einiges über die damalige Zeit und die Geschichte der Niederlande im 17. Jahrhundert dazugelernt. Auch die Charaktergestaltung und die Handlung an sich konnte mich überzeugen. Auf Grund von ein paar Kritikpunkten möchte ich jedoch 4 Sterne vergeben.

Gold und Ehre
Gold und Ehreby Sabine WeißLübbe
17. Juli
In "Gold und Ehre" erweckt Sabine Weiß nicht nur Amsterdam zum Leben, sondern auch Hamburg. An der Seite des jungen Architekten Benjamin erleben wir wie der kleine Michel entsteht. Dies ist aber nur ein Thema von vielen. Die Veränderungen des 17. Jahrhunderts werden in diesem Roman spürbar. Architektur, Wissenschaft, Seefahrt, Sklaverei, Kolonien, der Niedergang des Adels und das Erstarken neuer Werte spielen eine große Rolle. Ich habe glaube ich selten ein Buch mit vielfältigeren Themen gelesen. Ich habe nur wenig auszusetzen an diesem Roman. Die Liebesgeschichte hat nicht so wirklich bei mir verfangen und vom Spannungsbogen her, ging es mir am Anfang zu langsam und am Ende zu schnell. Insgesamt kann ich diesen Roman allerdings guten Gewissens empfehlen.

Habt ihr schon einen Roman von Sabine Weiß gelesen? Oder auch schon Gold und Ehre? Was schätzt ihr an den Romanen der Autorin? Für mich sind es defintiv die Beschreibungen der Orte. Bei mir entstehen da immer Bilder im Kopf.

In "Gold und Ehre" erweckt Sabine Weiß nicht nur Amsterdam zum Leben, sondern auch Hamburg. An der Seite des jungen Architekten Benjamin erleben wir wie der kleine Michel entsteht. Dies ist aber nur ein Thema von vielen. Die Veränderungen des 17. Jahrhunderts werden in diesem Roman spürbar. Architektur, Wissenschaft, Seefahrt, Sklaverei, Kolonien, der Niedergang des Adels und das Erstarken neuer Werte spielen eine große Rolle. Ich habe glaube ich selten ein Buch mit vielfältigeren Themen gelesen. Ich habe nur wenig auszusetzen an diesem Roman. Die Liebesgeschichte hat nicht so wirklich bei mir verfangen und vom Spannungsbogen her, ging es mir am Anfang zu langsam und am Ende zu schnell. Insgesamt kann ich diesen Roman allerdings guten Gewissens empfehlen. Habt ihr schon einen Roman von Sabine Weiß gelesen? Oder auch schon Gold und Ehre? Was schätzt ihr an den Romanen der Autorin? Für mich sind es defintiv die Beschreibungen der Orte. Bei mir entstehen da immer Bilder im Kopf.

Gold und Ehre
Gold und Ehreby Sabine WeißLübbe