Mythen können gefährlich sein
1955, 11 Jahre nachdem die Republik Island ausgerufen wurde und die Unabhängigkeit von Dänemark endgültig ist, schreibt sich ein isländischer Student an der Universität in Kopenhagen ein. Er will die alten isländischen Schriften studieren, die immer noch dort sind. Ein Professor weiss besonders viel über den Codex Regius, einer Sammlung der ältesten Liedern Islands, die ein dänischer König nach Kopenhagen bringen liess (daher der Name). Durch das Verschulden des Professors ist der Codex verschollen. Er hat sich zur Lebensaufgabe gemacht, es zu finden und nach Island zu bringen. Der Student will in dabei unterstützen. Die alten nordischen Sagen wecken aber auch die Begehrlichkeiten nationalistischer Rechtsextremen, die der Rassenideologie der Nationalsozialisten nachtrauern und in den alten nordischen Helden ideale Vorbilder sehen. Der Roman ist eine Mischung zwischen historischem Roman und Thriller. Für einen Thriller sind gewisse Passagen zu langsam. In seiner gewohnten nichtaufgeregten, nüchternen und leicht melancholischen Art erzählt Indridason nicht nur die Geschichte der beiden und die damit verbundenen Gefahren, sondern thematisiert den Missbrauch von kultureller Identität durch politische Kreise, welche die Wahrheit für sich pachten. Ein politisches Buch, noch mehr als andere Werke des Autors. Wer Arnaldur Indridason gerne liest und historische Zusammenhänge mag, wird dieses Buch lieben. Krimifans und Thrillerliebhaber werden kämpfen, denn das Buch ist noch langsamer als andere Werke des Autors.
