Prototypenbildung von romantisch-tugendhaften Abenteuern im fiktiven gesellschaftlichen Rahmen einer vergangenen Epoche
Ein abenteuer- und duellsüchtiger Jüngling mit immer mächtigeren Kontakten innerhalb einer aufgeblasenen Gesellschaft, eine sequentielle Hauptstory, die in gleichwohl triviale, leichtsinnige und völlig halsbrecherische Quests aufgeteilt ist, und das zivilisatorische Korsett des überspitzten und fiktiven Rollen- und Tugendgebildes des 17. Jahrhunderts, ergeben zusammen einen der kurzweiligsten Romane, die ich aus einer Feder des 19. Jahrhunderts bisher gelesen habe. Die in sich geschlossene Logik der aus moderner Sicht völlig absurden Ehrenmotive und der einzelnen Checkpoints, die von d'Artagnan mithilfe seiner Musketier-Bros, einer nach dem anderen abgeabenteuert werden, machen es leicht dem roten Faden der Handlung zu folgen. Die Unsicherheit wie der Erzählende und der Lesende zur ganz klar spätmittelalterlichen wenn auch verklärten und romantischen Form der toxischen Männlichkeit, des Patriarchats und des Royalismus stehen soll, führen zu gedanklicher Anregung und wirft etliche Fragen auf, wie zum Beispiel was eigentlich in nachfolgenden Jahrhunderten von diesen dominierenden Konventionen übrigbleiben würde, wenn die im Hintergrund ehrlichen Motive einmal verblassen und vergessen werden und die Form des Etablierten halber bestehen bleibt. Die Figuren sind so eindrücklich und stark gezeichnet, dass sie einen fortbestehenden Prototyp begründen. Der Fokus ist bis auf die zwischenzeitlichen Verschiebung hin zur Lady Winter konsistent, die sie vielleicht als Gegenspielerin betonen soll. Das Momenterleben ist zeitlich kongruent und betont damit die Plötzlichkeit mit denen Ereignisse Wendungen hervorrufen, die genauso angemessen zur Agilität der Handlung passen wie zum romatischen Bild des galanten, im Degenkampf fechtenden Musketier, welcher jedoch in der Realität genauso roh und brutal ist wie er notwendigerweise sein muss um ein Kampf zu sein. Im Gesamteindruck mischen sich daher bloße Unterhaltung, Faszination und Aufregung mit der Reflektion und Erleichterung, dass Zivilisation ein entwickelbars Konzept ist, dessen Stadium innerhalb des Buches wir zum Glück nicht in unser Realität aber durch dieses fiktive Werk der Weltliteratur betrachten dürfen.












