
Fantasievolle Reise in eine andere Welt
Aus der Haustür treten und direkt in ein Abenteuer stolpern? Das passiert Sam in „Not the Hero“ von Jeremy C. Gotzler, als er sich auf dem Weg zur Schule in der Welt von Hangaia wiederfindet und recht schnell den ersten magischen Wesen begegnet. Darunter auch ein mürrischer Dämon, der mit dem Menschen aus einer anderen Welt erstmal so gar nichts anfangen kann, den jedoch bald eine tiefe Freundschaft mit dem sorglosen Kerl verbindet. Und die beide tief in ein wildes Abenteuer voller Magie führt, indem es um nichts weniger als die Zukunft Hangaias geht. Die Welt von Hangaia hat mich sofort in ihren Bann gezogen und strotzt nur so vor seltsamen Wesen und magischen Geschöpfen. Dabei findet man wenig althergebrachtes wie Elfen oder Trolle, dafür aber Bienenfische und andere Lebewesen, die einen frischen Blick auf das Genre werfen. Sams Geschichte nimmt sehr schnell Fahrt auf und zeigt ihm früh, dass auch in Hangaia ein Leben schneller zu Ende sein kann, als man blinzeln kann - und dennoch verliert er nur selten seinen Humor, sein großes Mundwerk und seine Loyalität. Eigenschaften, die dem Charakter von Yujin entgegenstehen und aus den beiden ein lustiges Duo machen - wenn auch auf Yujins Seiten nicht immer freiwillig. Dabei spielt ihre beginnende Freundschaft eine starke Rolle und zeigt nicht nur dem Dämon, dass soziale Beziehungen wichtig sind. Hinzukommt ein starker Konflikt zwischen magischen und nichtmagischen Bewohnern der Welt, der der Geschichte auch eine politische und gesellschaftskritische Komponente gibt. Sam weicht vom klassischen Heldentum ab, überzeugt aber gerade durch seine Fehler und Schwächen. Dadurch liest sich „Not the Hero“ nicht wie eine übliche Heldenreise, sondern als das, was es ist: Ein Normalo, der sich plötzlich in einer fremden und magischen Welt zurechtfinden muss und oft mir mehr Glück als Verstand von einem Problem ins nächste stolpert. Doch Sam wächst an seinen Erfahrungen und kämpft für das, was ihm wichtig ist. Das liest sich nicht nur flüssig, sondern macht großen Spaß. Vor allem, wenn neue Figuren oder Geschöpfe auftauchen und man sich einmal mehr wünscht, auch mal einen Abstecher nach Hangaia machen zu können. Das Worldbuilding ist sehr gut gelungen und hebt sich positiv von ausgetretenen Pfaden ab. Positiv ist auch, dass „Not the Hero“ eine abgeschlossene Geschichte erzählt, obwohl Band 2 bereits in den Startlöchern steht. Dadurch lässt sich das Buch gut lesen, ohne mit einem Cliffhanger zu Enden oder zu viele lose Enden offen zu lassen. Dennoch habe ich nach Band 1 große Lust auf Band 2, um wieder in der Welt zu versinken und neue Geheimnisse der Insel und ihrer Fauna und Flora zu entdecken. Absolute Empfehlung für alle Fantasy-Abenteuer-Fans, die eine spannende Geschichte rund um Freundschaft und den Kampf für das Gute lesen möchten und kreativ umgesetzte magische Wesen und Geschöpfe kennenlernen wollen.





