
Großartige Geschichte - unbedingt lesen
Ich habe das Buch nicht mehr weglegen können. Es war ein Gefühl zwischen Aufbruch und Stillstand. Die Geschichte hat Tiefgang und ist kein historischer Unterhaltungsroman aus den 70ern. Der Schreibstil ist packend und ist einfach runter geschrieben und dennoch fühlt man jedes Wort. Es wird klar, wie wenig Rechte eine Frau damals in der Bundesrepublik hatte. Nach einer Trennung hatten sie kaum Chancen auf das Sorgerecht für die Kinder. Das Gericht entschied oft zugunsten des Vaters, besonders wenn die Frau als "Schuld" an der Ehekrise galt. Scheidungen waren gesellschaftlich tabu und Frauen brauchten die Zustimmung ihres Mannes, um arbeiten gehen zu können. Innerhalb der Ehe waren Frauen stark abhängig, sowohl rechtlich als auch wirtschaftlich. Der Roman zeigt deutlich, wie selbstverständlich damals der Mann über der Frau stand. Und welche Belastung dies für Kinder wie Stefan mit sich brachte. Auch wenn die Geschichte fiktiv ist, wirkt sie erschreckend realistisch. Besonders die Reaktion des Dorfes und der eigenen Familie, das Gerede, die Ausgrenzung und der enorme soziale Druck, zeigen eindrucksvoll, wie schwer es damals war, gegen gesellschaftliche Normen zu stoßen. Die Geschichte macht deutlich, welchen Preis Frauen früher für ein selbstbestimmtes Leben zahlen mussten. Eine große Leseempfehlung von mir und ich hoffe, das Buch bekommt noch mehr Aufmerksamkeit.








