31. Mai
Rating:3.5

Unterhaltend, aber sehr überladen 

Ein Tyrann der seine Macht insofern missbraucht, dass er alle seine Wünsche befriedigt bekommen möchte, sich selbst bereichert, Menschen benutzt für seine Zwecke und Gesetze passend für ihn macht, und der rumjammert wie ein Baby, wenn es mal nicht nach seiner Nase geht, an wen müsst ihr da sofort denken? Also, ich denke da sofort an einen Mann, der nicht altern kann und der relativ orange durchs Leben läuft. Ich denke an – Surprise Surprise – seine Majestät Heinrich VIII. von England! Die Parallelen zu gegenwärtigen Despoten sind mir relativ schnell ins Auge gefallen. Henry Tudor, war sechs mal verheiratet. Er sagte sich von der katholischen Kirche los und schuf die anglikanische, bei der König gleichzeitig oberstes Mitglied war, dem Papst gleichgesetzt, und von vielen als Gott behandelt. Seinen Frauen entledigt er sich, sobald sie nicht mehr seinen Bedürfnissen entsprachen, und die kreisen um den größten Wunsch, einen gesunden Sohn und Erben auf die Welt zu bringen. Wie er seine Frauen losgeworden ist, kann man sich einfach merken: geschieden, enthauptet, gestorben, geschieden, enthauptet, überlebt! Relativ lang gab es wohl eine konstante Person, die seinen Frauen beistand - Jane Boleyn, Schwägerin der bekannten Anne, die maßgeblich daran beteiligt war, dass Henry mit allen Regeln brach und sich sogar den Zorn der katholischen Kirche zuzog (auch hier wieder eine Parallele, oder?) Die ICH Erzählerin Jane nimmt mehrere Positionen ein. Sie umhegt die jeweilige Königin, und hilft ihr mit den Launen des Gatten klarzukommen, so richtig Erfolg hat sie dabei allerdings nicht. Sie spioniert für Thomas Cromwell und ihren Onkel die sich allerdings einen Teufel darum scheren, wie es ihr damit geht und welche Konsequenzen das für sie haben kann. Sie ist auch sowas wie eine Vertraute des Königs, sofern er es denn zulässt. Und sie bezahlt am Ende eine hohe Rechnung für Ihre, zugegebenermaßen manchmal sehr naive, Treue. Henry kommt überhaupt nicht gut weg. Je älter er wird, desto jünger werden, seine Frauen. Sein physischer Verfall ist nicht mehr aufzuhalten, und das kompensiert er mit sofortiger Bedürfniserfüllung. Manchmal sehr spontan und unüberlegt und immer zum Schaden anderer. Ich glaube er hat alle zehn Gebote mehrfach gebrochen. Wenn er wirklich so war, gehört er sicherlich zu den unsympathischsten Regenten auf dieser Welt. Ob sich der Clown aus Washington da was abgeguckt hat? Philippa Gregory gilt als die Königin der historischen Romane. Mir war sie bisher nicht bekannt. Ich verstehe aber wie sie zu diesem Titel gelangte. Detailgenau wirft sie einen Blick auf. Historische Persönlichkeiten, die vielleicht in Vergessenheit geraten sind, wie zum Beispiel Jane. Natürlich ist hier vieles erdacht, und die Dialoge wirken manchmal auch zu modern, doch bekommen wir hier einen differenzierten Einblick in das Leben bei Hofe um 1540. Im Nachwort erklärt die Autorin, dass sie bei manchen Einschätzung nur mutmaßen konnte. Sie begründet ihre literarischen Entscheidungen aber nachvollziehbar. Bei der Länge des Romans, der auch noch sehr kleingeschrieben ist, wundert es nicht, dass ich das Buch wirklich sehr lange gelesen habe und es hat echt gebraucht, bis ich drinnen war. Aber irgendwann hatte es mich. Trotzdem glaube ich, dass hier manche Dialoge sehr ausufernd waren und sich teilweise auch wiederholten. Es werden viele Dinge erzählt, die überhaupt nicht relevant für die Geschichte sind. In den Romanen anderer Autor*innen, die sich dem gleichen Genre widmen, passieren oft interessante und realistisch belegte Wendungen, die den Plot spannend machen, etwas, was in diesem Buch nicht so häufig passiert. Vielleicht fehlt dann doch eine fiktive Figur, um die sich eine eigene erfundene Geschichte rankt und die für die Lebendigkeit eines Romans einen wertvollen Beitrag leistet. Das was hier drin steht, konnte man mehr oder weniger bei Wikipedia nachlesen. Nur eben nicht so schön ausgeschmückt. Was ich nicht richtig verstanden habe, ist, warum Jane auch nach der vierten Königin immer noch daran glaubte, dass alles für die fünfte gut ausgehen wird. Man hätte sie zu einer Heldin machen können, aber an einigen Stellen empfand ich sie nur unglaublich einfach gestrickt. Sehr deutlich wird hier dargestellt, wie Frauen als Ware benutzt wurden, um Bündnisse zu stärken und Thronfolger zu produzieren. Und um Zugang zu den Tätigkeiten in den Gemächern der Frauen zu bekommen. Und wenn sie nichts mehr taugen, dann wird sich ihrer entledigt. Ein hartes Leben dem dann die Tochter Henrys, Elisabeth l, zwar kein Ende gesetzt hat, die sich aber nahm, was ihr zustand (oder auch nicht) und für mich eine der frühen Feministinnen ist. Aber das ist eine andere Geschichte. Insgesamt ist der Roman eine gelungene Erzählung historischer Ereignisse, lebendig und nahbar, und eine Empfehlung für alle die Geschichte in unterhaltsamer Form aufbereitet haben möchten und Lust haben, mal wieder in so einen richtig dicken Schinken zu versinken.

Der letzte Verrat der Boleyns
Der letzte Verrat der Boleynsby Philippa GregoryHarperCollins Hardcover
27. Apr.
Rating:4.5

„Um einen Tyrannen zu besiegen, ist lediglich der Mut vonnöten, »Nein« zu sagen.“ So viele Bücher gelesen & doch nimmt die Faszination für die Tudors nicht ab. ✨ Doch diesmal lernen wir Geschichte aus einem anderen Blickwinkel. Indem wir Jane Boleyn begleiten, erleben wir Geschichte nicht aus der Sicht einer Königin oder Lady der Königin, nicht aus der Sicht einer Gemahlin oder Schwester - wir begleiten die Erste Hofdame. Wir sind mittendrin, ganz vorne dran, erleben 5 Königinnen aus erster Hand. Wir verleumden Katherina, bewundern Anne, verehren Jane, bemitleiden Anna & träumen mit Kitty. Wir lachen mit George, spionieren für Cromwell, belächeln Cranmer & vor allem fürchten wir uns mit jeder Seite vor Henry, vor seinen Sinneswandeln, seinen Launen. Jane Boleyn erfährt ehrlich die Wiedergutmachung, die ihr zusteht. Jahrhundertelang wurde ihr übel mitgespielt, doch nach & nach wird sie in ihr gerechtes Licht gerückt. ❤️‍🩹 Henry kommt … nicht gut weg, sagen wir es wie es ist. & es geschieht ihm recht. Henry ist der Inbegriff von „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“. Ewig im Streben nach Bestätigung, wenn nicht durch Recht, dann durch Tyrannei. Ohne ihm seine Errungenschaften, Veränderungen & Siege abzusprechen, doch darf man die Augen nicht vor seiner Tyrannei & dem Missbrauch vieler Arten verschließen. Besonders des Nachwort sollte Beachtung finden: hier findet die Autorin nochmal sehr eindrückliche Worte zum Thema Tyrannei & politische Willkür, zieht passende Parallelen zwischen heutiger Zeit & der Tudor-Zeit & weist auf die Wichtigkeit des Wörtchens „Nein“ hin. ❗️Als Einsteigerbuch in dieses Zeitalter eignet es sich wahrscheinlich nicht, da es durchaus sehr viele Namen sind, die sich auch sehr ähneln & es gibt keine Agenda.

Der letzte Verrat der Boleyns
Der letzte Verrat der Boleynsby Philippa GregoryHarperCollins Hardcover
15. Apr.
Rating:4

👑 🏴󠁧󠁢󠁥󠁮󠁧󠁿 🐴 🏰

Diese fiktionale Geschichte basiert auf historischen Ereignissen und wird jeden Tudor Fan begeistern. Wir lernen Jane Boleyn kennen, aus deren Sicht die Jahre am königlichen Hof unter Heinrich VIII beschrieben werden. Sie begleitet dabei nicht nur die verschiedenen Königinnen, sondern erlebt auch die Intrigen und Schrecken des englischen Hofes. Ganz ohne bunte und romantische Beschreibungen (wie zum Beispiel bei Bridgerton) erleben wir die Geschichte fast schon nüchtern. Besonders gut hat mir auch das Nachwort gefallen, weil es einen schönen Bogen zur heutigen Zeit bildet. Zwischendrin kann es allerdings schon mal kompliziert werden mit all den Namen. Eine absolut tolle Geschichte für alle, die historisch begeistert sind. 👑

Der letzte Verrat der Boleyns
Der letzte Verrat der Boleynsby Philippa GregoryHarperCollins Hardcover
6. März
Rating:5

Philippa Gregory gehört zu den großartigsen Erzählerinnen unserer Zeit. 💯❤️💯 Der historische Roman Der letzte Verrat der Boleyns von Philippa Gregory spielt am Hof des englischen Königs Heinrich VIII. und wird aus der Perspektive von Jane Parker erzählt. Jane ist mit George Boleyn verheiratet und gehört damit zur einflussreichen Familie der Boleyns. Zu Beginn des Romans steht sie noch im Schatten ihrer berühmten Schwägerin Anne Boleyn, der zweiten Ehefrau des Königs. Der Roman zeigt, wie Jane den Aufstieg der Boleyn-Familie am Hof miterlebt und gleichzeitig in die gefährlichen Intrigen der Tudorzeit hineingezogen wird. Jane versucht am Hof zu überleben, indem sie sich anpasst, beobachtet und manchmal auch Entscheidungen trifft, die andere in große Gefahr bringen. Dadurch wird sie selbst immer stärker in die Machtkämpfe und Verdächtigungen verwickelt. Der Roman konzentriert sich stark auf Jane Parker und zeigt sie als eine widersprüchliche Figur. Sie fühlt sich oft übersehen und machtlos, möchte aber gleichzeitig Einfluss gewinnen und Anerkennung finden. Während am Hof Gerüchte, Rivalitäten und politische Interessen immer wichtiger werden, gerät Jane zunehmend unter Druck. Die Geschichte macht deutlich, wie gefährlich das Leben in der Nähe der Macht sein konnte und wie schnell sich Loyalität in Verrat verwandeln konnte. Besonders gelungen ist die Darstellung des Tudorhofs mit seinen strengen Regeln, politischen Intrigen und ständig wechselnden Bündnissen. Die Atmosphäre wirkt dicht und lebendig, und viele bekannte historische Figuren treten in der Handlung auf. Dadurch entsteht ein eindrucksvolles Bild dieser unsicheren Zeit, in der selbst hochgestellte Personen nie wirklich sicher waren. Am Anfang kann der Roman jedoch etwas unübersichtlich wirken, weil viele Figuren gleichzeitig eingeführt werden. Gerade Leser, die sich mit der Geschichte der Tudorzeit noch nicht so gut auskennen, müssen sich zunächst orientieren und behalten nicht sofort den Überblick über alle Personen und ihre Beziehungen zueinander. Insgesamt erzählt der Roman eine spannende und dramatische Geschichte über Macht, Angst und persönliche Entscheidungen am Hof von Heinrich VIII. Durch die Perspektive von Jane Parker entsteht eine ungewöhnliche Sicht auf bekannte historische Ereignisse und auf das Schicksal der Familie Boleyn. Ein sehr gutes Buch, das ich sehr gerne weiterempfehle.

Der letzte Verrat der Boleyns
Der letzte Verrat der Boleynsby Philippa GregoryHarperCollins Hardcover
5. März
Rating:3.5

Interessant

„Der letzte Verrat der Boleyns“ von Philippa Gregory spielt am Hof von Heinrich VIII. und erzählt die Geschichte aus der Sicht von Jane Parker. Sie ist die Schwägerin von Anne Boleyn und bewegt sich als Hofdame mitten in den Intrigen und Machtspielen des englischen Königshofes. Ich muss dazu sagen: Das war tatsächlich mein erster historischer Roman. Die Tudor Zeit kannte ich vorher eher aus Serien oder Dokumentationen, deshalb war ich sehr neugierig, wie sich so eine Geschichte als Roman liest. Was ich spannend fand, ist der Blick hinter die Kulissen des Hoflebens. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie gefährlich diese Welt damals war. Intrigen, Loyalität und politische Entscheidungen konnten wirklich über das Schicksal der Menschen bestimmen. Besonders interessant fand ich auch, dass hier Jane Parker im Mittelpunkt steht, also eine Figur, die man nicht so oft im Fokus sieht. Der Einstieg ist mir persönlich allerdings etwas schwergefallen. Zum einen, weil es viele Figuren und Verbindungen gibt, und zum anderen wegen des Schreibstils. Ich lese sonst eher Romance oder New Adult, wo man sehr schnell in der Geschichte drin ist. Hier ist der Stil eher klassisch erzählt und teilweise sehr „berichtend“, mit vielen Dialogstellen im Stil von „er sagte, sie sagte“. Dadurch musste ich mich erstmal ein bisschen einlesen und brauchte etwas Zeit, um richtig reinzukommen. Trotzdem merkt man deutlich, dass die Autorin sich intensiv mit der Zeit beschäftigt hat. Wer historische Romane über die Tudor-Zeit und Intrigen am Königshof mag, wird hier sicherlich eine spannende Geschichte finden.

Der letzte Verrat der Boleyns
Der letzte Verrat der Boleynsby Philippa GregoryHarperCollins Hardcover