Familie, Äpfel und noch mehr Merle ist Scheidungskind und als solches hat sie Probleme, ihre Beziehung richtig festzulegen. Da kommt ihr der 30. Geburtstag ihres Bruders gerade recht, um vor dieser Festlegung zu fliehen. Als sie dann noch ihre Großmutter im Alten Land besucht, beginnt sie sich um die alte Dame zu sorgen. Zeitgleich wird sie mit der Vergangenheit ihrer Familie konfrontiert. Das alte Land und seine wunderbaren Apfelplantagen stehen im Mittelpunkt des Familienromans „Apfelzeit am Deich“ von Frieda Lamberti. Für mich war es das zweite Buch der Autorin, die es auch hier wieder schaffte eine wunderschöne Wohlfühlatmosphäre mit ihrem Schreibstil zu zeichnen. Dieser Roman ist dabei nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen, sondern vielmehr wird der Leser hier mit einer sehr holprigen Familiengeschichte konfrontiert. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Merle, die ich manchmal sehr ungerecht und zickig empfand. Allerdings ist sie ein absoluter Familienmensch und zeichnet sich trotz ihrer Zickereien als sehr emphatischer und vor allem kinderlieber Mensch. Man muss sich Zeit mit ihr nehmen, um ihr Verhalten zu verstehen. Im Roman werden mehrere Familien beleuchtet. Es geht um Merles Großmutter Grete, deren Familiengeschichte im Laufe des Romans näher beleuchtet wird. Ich glaube, dass diese Geschichte zum Teil stellvertretend für die Geschichte vieler Familien nach dem 2. Weltkrieg steht. Sie sind geprägt von dem Wunsch einer erfolgreichen Zukunft, die aber verbunden ist mit einer Beziehung, die unter keinem guten Stern steht. Weiterhin lernt man die heutzutage sehr übliche Patchworkfamilie mit all ihren Facetten kennen. Es sind Vorwürfe, Empfindungen, Vorhalte und Klischees, die hier dargestellt werden und letzten Endes aufzeigen, wie wichtig es ist, als Familie zu reden und aufeinander zuzugehen. Schwierig empfand ich dabei Merles Eltern Hauke und Wiebke. Sie geben dem Roman das Auf und Ab. Ich fand es sehr schwer, mit ihren Charakteren zurecht zu kommen. Alles in allem liegt hier ein Roman über die Geschichte einer Familie vor, in der es viel Ungesagtes gibt. Dadurch kann der Leser so einiges mitnehmen. Gleichzeitig lernt man auch Vieles über Familienbande und vor allem kann man sich ins wunderschöne Alte Land träumen und sich gedanklich gerne mal auf Gretes Insektenwiese legen. Wer also Romane über Familiengeschichten liebt, ist hier genau richtig.
Grete, Hauke und Merle- drei Generationen, drei Sichtweisen, verbunden durch Familienbande aber auch durch viele Verletzungen in der Vergangenheit. Als Merle klar wird, dass ihre Großmutter im Alten Land Unterstützung benötigt, versucht sie ihre Familie zu mobilisieren um sich um die alte Dame zu kümmern. Wird es Merle gelingen die verhärteten Fronten aufzubrechen, um ihr Familiengeflecht zu kitten oder ist jeder so sehr mit seinem eigenen Leben beschäftigt, dass der Plan misslingt? **************************************************** Was direkt ins Auge sticht, ist das wunderschöne Cover: Ein altes Fachwerkhaus umgeben von Apfelbäumen. Es macht Lust sich einen Korb zu schnappen und selbst Äpfel pflücken zu gehen, um daraus im Anschluss viele Leckereien zu zaubern. Besonders prädestiniert wäre dafür natürlich das Alte Land, das für seine Obstanbaugebiete bekannt ist und das die Autorin in den buntesten, anschaulichsten Bildern beschreibt. Man hat die Farben vor seinem inneren Auge und die süßen Düfte direkt in der Nase. Frieda Lamberti beweist ein tolles Gespür die Umgebung und das Setting für den Leser einzufangen. Der flüssige, bildliche Schreibstil mit kurzen, prägnanten Sätzen lässt einen durch die Seiten fliegen. Das Buch wird aus drei Perspektiven erzählt- den drei Generationen um die es in dieser Geschichte geht: Großmutter Grete, ihr Sohn Hauke und dessen Tochter Merle. Es war sehr interessant auf diese Weise Einblicke in die Gedankenwelt dieser drei Protagonisten zu bekommen, die alle einen anderen Blickwinkel auf den Familienstreit haben und auf andere Lebenserfahrungen zurückgreifen können, was das ganze natürlich nachhaltig beeinflusst. Leider konnte ich mit keinem der Protagonisten wirklich sympathisieren, da jeder von ihnen Charaktereigenschaften an den Tag gelegt hat, die meinen eigenen Anschauungen und meinem eigenen Verhalten anderen gegenüber sehr widersprechen. Sie waren zum Großteil sehr unreflektiert, Ich-bezogen und grob im Umgang mit ihrem Gegenüber. Ich habe gehofft, dass die Charaktere im Laufe der Geschichte eine Entwicklung vollziehen, das war aber leider nur bedingt der Fall und wenn, dann nicht unbedingt in die Richtung, wie ich es mir erhofft habe. Die Familienverhältnisse waren derart verhärtet, dass nur in wenigen Ausnahmefällen eine Wohlfühlatmosphäre entstanden ist, wie ich es mir erhofft hatte. Es herrschte viel Negativität, eine destruktive Art miteinander umzugehen und es gab diverse Konfliktsituationen. Da sich jeder in der Opferrolle sieht, ist es schwierig zusammenzukommen und die Enttäuschungen aus der Vergangenheit aus dem Weg zu räumen. Zwar bekommen wir als Leser zu einem späteren Zeitpunkt Einblicke in die Biografie der einzelnen Charaktere, um ihr Handeln besser verstehen zu können, doch waren sie für mich alle keine Entschuldigung für ihr Verhalten in den Gegenwart. Immer wieder blitzt bei den Beteiligten der Wunsch nach Nähe zur Familie auf, aber keiner springt über seinen Schatten und macht den ersten Schritt. In einzelnen Szenen zeigte die Autorin, wie toll sie eine angenehme Atmosphäre für den Leser schaffen kann und dass man sich beim Lesen wohlfühlt- aber das war wohl leider nicht die Intention des Romans. Vielleicht bin ich mit den falschen Vorstellungen an diese Geschichte herangegangen- auch wenn mir klar war, dass das Hauptaugenmerk auf den Familienstreit gelegt wird, hatte ich mir erhofft, dass schon früher eine Klärung erfolgt und wir als Leser etwas mehr Harmonie und Leichtigkeit genießen dürfen. Meine persönliche Reise mit Familie Börnsen ist nach diesem Buch vorbei, doch wer erneut Einblicke in das Leben der Familie im Alten Land haben will, kann sich freuen, da die Autorin bereits Folgebände angekündigt hat.

Wunderschön für entspannte Lesestunden!
Ein Apfelhof im Alten Land Merle liebt ihre Oma Grete über alles und besucht sie so oft wie möglich auf ihrem Apfelhof in der Kleinstadt Jork im Alten Land. Doch diesmal spürt sie schnell, dass ihre Oma langsam Hilfe braucht. Deshalb spricht Merle nicht nur mit ihrer Mutter Wiebke und ihrem Bruder Paul, sondern nimmt sogar Kontakt zu ihrem Vater Hauke auf, obwohl sie ihn in den letzten Jahren gemieden hat. Denn die Familie ist nicht mehr vereint, sondern durch viele Streitereien und unglückliche Umstände in der Vergangenheit in viele Kleinteile zersprengt. Für Grete wird es allerdings immer wichtiger, Frieden mit allen zu schließen und die alten Fehden endlich zu beenden. Doch nur mit einigen Tricks gelingt es ihr, in kleinen Schritten an einer Familienzusammenführung zu arbeiten. Frieda Lamberti hat für diesen Roman die wunderschöne Kulisse des Alten Landes gewählt. Der Apfelhof ist malerisch gelegen und bietet die perfekte Gelegenheit, um langanhaltende Streitereien endlich zu klären. So ist der Roman geprägt von Grete, die endlich mit den Missverständnissen der vergangenen Jahre aufräumen will und das in Form von vielen Gesprächen und einigen Tricksereien tut. Da sich der Erzählstil der Autorin sehr flüssig liest, kommt es nie zu Längen und die Handlung schreitet zügig voran. Ich mochte den Roman wirklich gerne und hatte einige unterhaltsame Lesestunden. Da die Handlung keine allzu großen Dramen bietet, sondern eher wie eine realistische, aber dennoch schwierige Familiengeschichte anmutet, passt sie perfekt für eine kurzweilige Lesezeit in entspannter Stimmung.
Ich mag die Bücher der Autorin. Der Schreibstil ist so angenehm zu lesen und auch diese Geschichte hat mir wieder gut gefallen.
Wohlfühlen
Apfelzeit am Deich - ist wie das Alte Land selbst. Gemütlich. Leicht lesbar, sprachlich einfach gehalten, genau wie der Inhalt. Kein großartiges Drama, keine Spannung und keine Romantik. Ein Wohlfühlroman eben.




