
Ein Sachbuch wie ein Sprung ins kulturhistorische Wasser
Wasser, Geschichte und ein Buch, das einen ziemlich charmant daran erinnert, dass Baden nie einfach nur Baden war. Klingt erstmal nach nassem Handtuch und Chlorgeruch, ist aber viel spannender, als man denkt. Bernd Brunner nimmt einen mit auf eine Reise durch Badekultur, Körperbilder, Hygiene, Moral und diese herrlich menschliche Sehnsucht, sich einfach mal treiben zu lassen. Antike Rituale, Seebäder, Schwimmbäder, Bademoden und sogar diese robusten Dippern tauchen auf. Allein bei dem Wort hatte mein Kopf kurz ein eigenes kleines Historienkino. Besonders schön ist, dass das Buch nicht trocken wirkt, obwohl es ein Sachbuch ist. Eher so, als würde jemand mit Ahnung neben einem sitzen und erzählen: Pass auf, Wasser war schon immer viel mehr als nur nass. Und plötzlich denkt man über Schwimmbäder, Baderegeln und Badeanzüge nach, als hätte man nie etwas anderes getan. Für mich ist das genau diese Sorte Buch, bei der man nicht hektisch Seiten verschlingt, sondern eher gemütlich eintaucht. Mal staunt man, mal schmunzelt man, mal denkt man: Ach guck, selbst beim Baden hatten die Menschen früher schon Meinungen, Vorschriften und ziemlich viele seltsame Ideen. Die zahlreichen Abbildungen machen das Ganze zusätzlich lebendig. Das passt einfach, weil Geschichte hier nicht nur erklärt, sondern sichtbar gemacht wird. Kein Buch für alle, die nur schnelle Unterhaltung suchen. Aber für alle, die kluge, besondere Sachbücher mögen und gerne mal abseits der üblichen Themen schwimmen, ist das hier ein richtig schöner Fang.
