13. Aug.
Rating:4

Marie Seebach, 68jährige Schauspielerin und Weltstar, nun im Ruhestand, hat eine Stiftung gegründet. Ein Altenheim für mittellose ehemalige Schauspieler. Dort stimmt etwas nicht. Da sie nicht selbst hinreisen kann, schickt die resulute alte Dame Lotte, eine 25jährige Pflegerin, nach Weimar. Die Charaktere sind wundervoll beschrieben. Man meint fast, die herrische Dame vor sich zu sehen und die selbstbewusste Lotte, die sich gegen Marie nicht durchsetzen vermag. Die Sprache des Romans passt perfekt in die Zeit um 1895, die Dialoge sind teilweise einfach nur entzückend, ein Spaziergang durch das Weimar damaliger Zeit ist anschaulich geschildert und interessant sind auch die Moralvorstellungen und der Umgang der Menschen mit denen eines anderen gesellschaftlichen Rangs. Das alles ist authentisch geschildert, die Sprache angelehnt an diese Zeit, erinnert etwas an Marlitt oder Hedwig Court-Mahlers. Obwohl das Buch die erhoffte Spannung für mich nicht aufbauen konnte und die Storry langsam erzählt wurde, habe ich gespannt und interessiert auf die Auflösung gewartet. Nette Unterhaltung in einer schönen Stadt mit Literaturvibs. Intensive Recherchen der Aurorin haben ein realistisches Bild gezeichnet und wurden gut in Romanform umgesetzt. Und beeindruckend, dass dieser fiktive Roman gekonnt an die weltbekannte Schauspielerin Marie Seebach erinnert und an das von ihr gegründete Haus, das auch heute noch - 130 Jahre später - existiert.

Die Villa in Weimar
Die Villa in Weimarby Michelle MarlyHarperCollins Paperback
12. Juni
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Rating:4

Lotte in Weimar Weimar 1897: Marie Seebach war einst eine gefeierte Schauspielerin und verdiente, anders als viele ihrer KollegInnen, sehr gut. Aus sozialem Engagement stiftete sie 700.000 Goldmark, mit denen ein Altenheim für sechs bedürftige ehemalige Bühnenkünstler errichtet wurde. Die Verwaltung der Stiftung hat eine Anwaltskanzlei übernommen, die Leitung des Hauses ein Hausmeisterehepaar. Während Marie zur Sommerkur in St. Moritz weilt, erhält sie mehrere anonyme Briefe mit dem Verdacht, das Stiftungsgeld werde veruntreut. Ihre Schwester Wilhelmine, die sich um das Problem kümmern soll, erreicht leider nichts. Also bittet Marie die Krankenschwester Lotte Wernitz, nach Weimar zu fahren und sich in dem Haus um eine Stelle zu bewerben – mit Erfolg. Zwar wird Lotte nicht als Krankenschwester gebraucht, die Bewohner sind noch zu rüstig, aber als Mädchen für alles. Schon bald bestätigt sich der Verdacht: Auf Hausrechnung bestellte Waren verschwinden „Der Keller birgt anscheinend eine Menge Schätze, die nicht ihrer ursprünglich geplanten Verwendung zugeführt werden.“ (S. 206). Dabei wollte Lotte, die ursprünglich aus der Nähe von Potsdam stammt, eigentlich gar nicht aus der Schweiz weg und hat auch keine Ahnung, wie sie in Weimar Nachforschungen anstellen soll. Doch Marie bleibt hartnäckig, und so findet sich Lotte auf einer anstrengenden 24-stündigen Zugreise nach Weimar wieder, die an ihren Nerven und Kräften zehrt. Im Heim gelingt es ihr rasch, das Vertrauen der Bewohner zu gewinnen, einer illustren Runde einstiger Theater- und Operngrößen, die ihre Marotten und Auftritte nicht verlernt haben. Eine frühere Sopranistin liebt noch immer Rosenbouquets, eine Schauspielerin rezitiert als Gretchen aus dem „Faust“, obwohl sie die Tageszeit vergisst. Ein anderer hat stets das passende Goethe-Zitat parat, während sein Kollege die Rolle als Lüstling nie ganz abgelegt hat. Lotte bewahrt Ruhe und Übersicht – und vergisst dabei nie Maries Auftrag. Unterstützt wird sie vom Anwalt der Stiftung, Bernhard Gaspari. Ihm imponiert, dass sie nicht gefallen will oder sich verstellt – und auch privat findet er sie sehr reizvoll. „Eine junge Frau, die als Lotte in Weimar unterwegs ist, regt jedermanns Fantasie an.“ (S. 71) Doch Lotte ist diesbezüglich ein gebranntes Kind. Michelle Marlys „Die Villa in Weimar“ ist ein gelungener Mix aus historischem Krimi und Romanbiografie. Marie Seebach, die Stiftung und das Altenheim gab / bzw. gibt es wirklich in Weimar, es war das erste seiner Art, während Lotte und ihre Ermittlungen der Fiktion entspringen.

Die Villa in Weimar
Die Villa in Weimarby Michelle MarlyHarperCollins Paperback