Einiges war mir schon bekannt. Sehr gut und verständlich geschrieben. Macht leider sehr wütend! Empfehlung für jeden!

Eva Biringers Großmutter hat Schmerzen, schon ihr ganzes Leben lang. An vielen Tagen kann sie wenig tun, um sich von diesen Schmerzen abzulenken, doch der Gang zum Arzt bringt immer nur spöttische Sprüche, Fehldiagnosen und Medikamente, die nur oberflächlich oder gar nicht wirken. Ausgehend von der Geschichte ihrer Großmutter beschäftigt sich Eva Biringer in ihrem neuen Sachbuch mit weiblichem Schmerz, wie er immer wieder verkannt, ignoriert oder gar fetischisiert wird. Nach einer kurzen Einführung zum Begriff Schmerz im Allgemeinen widmet sich Biringer verschiedenen Formen weiblichen Schmerzes: Geburt, PMS, Endometriose und chronische Schmerzen, aber auch Femizide, partnerschaftliche Gewalt oder emotionaler Schmerz und verletzende Verhaltensweisen stehen in Mittelpunkt. Das Sachbuch ist somit sehr umfassend und verknüpft für mich verschiedene feministische Spektren, mit denen ich mich bereits beschäftigt habe, miteinander. Eva Biringer legt immer wieder den Finger in die Wunde unserer Gesellschaft. "Unversehrt - Frauen und Schmerz" ist ein durchweg interessantes, sehr gut recherchiertes und leicht zugängliches Sachbuch, das ich allen empfehlen möchte, auch als Hörbuch. Es hat außerdem in diesem Jahr den NDR Sachbuchpreis gewonnen - in meinen Augen sehr verdient, greift es doch ein unglaublich wichtiges Thema auf!
Sehr frustrierend aber sehr spannend.
"Frauen werden mit integrierten Schmerzen geboren. Es ist unser körperliches Schicksal: Regelschmerzen, wunde Brüste, Sie wissen schon. Wir tragen ihn [den Schmerz] unser ganzes Leben lang in uns, Männer nicht." - Kristin Scott Thomas in "Fleabag" (S. 92) Als ich vierzehn war, kam ich mit Verdacht auf Blinddarmentzündung ins Krankenhaus. Turned out: Er war es nicht - es war meine erste Regelblutung, die sich ankündigte. Und das tat sie von da an über viele Jahre mit denselben bekannten, unerträglichen Schmerzen. Willkommen im Leben als Frau - Wärmflasche drauf und entspannen. Weiblichkeit geht einher mit etlichen Gender-Gaps. Einer davon ist der Gender-Pain-Gap, der weiblichen Schmerz anders bewertet als männlichen. Oder sollte ich lieber sagen: abwertet? Denn immer wieder wird Frauen ihr Schmerzempfinden abgesprochen. Medical Gaslighting - so der Fachbegriff. Aber wie kann das sein, dass Frauen quasi von der Natur bereits mit Schmerzen und deren Toleranz "ausgestattet" und dennoch als das schwache Geschlecht bezeichnet werden? Wohingegen das starke Geschlecht bereits durch eine "Männer-Grippe" dahingerafft werden kann. Die Vermutung liegt nahe, dass ein falsches Maß angesetzt wird. Doch welches ist das richtige und lässt sich etwas so individuelles wie das körperliche und auch das seelische Leiden überhaupt skalieren? In ihrem Buch "Unversehrt - Frauen und Schmerz" schreibt Eva Biringer über körperliche, psychische und strukturelle Schmerzen – über die, die wir spüren, und jene, die uns von außen zugefügt werden. Dabei bleibt sie nicht im Medizinischen stehen, sondern schafft ein umfassendes Bild weiblicher Verletzlichkeit und Widerständigkeit. Es geht um die Summe der Erfahrungen, an denen Frauen leiden – an ihrem Körper, an gesellschaftlichen Erwartungen, an einer Kultur, die Schmerz bei Frauen als normal und unvermeidlich einstuft. Statistisch leben Frauen länger als Männer, doch realistisch ist das Leben einer Frau lebensgefährlich! Frauengesundheit ist weit mehr als Zyklus, Schwangerschaft, Geburt und Menopause. Und doch bekommt sie erst Aufmerksamkeit, wenn sie ökonomisch relevant wird. Steuersenkung für Hygieneprodukte - am besten noch kostenlos?! Arbeitsausfall wegen Zyklusbeschwerden - geht's noch?! Da ist es wieder, das schwache Geschlecht. Biringer beschreibt ein Paradox: Die gelernte Unsichtbarkeit weiblichen Schmerzes führt zu einem Mangel an Verständnis und Hilfe. Die überempfindliche Frau muss ruhiggestellt, die nicht funktionierende (ob im Bett oder im Haushalt) wieder in die Spur gebracht werden. Überzeugungen und Mythen dieser Art legt sie schonungslos offen: Geburten müssen schmerzhaft sein; Menstruierende sind unrein; von den Wechseljahren wollen wir erst gar nicht sprechen, denn ab da ist eh alles zu spät. Die Autorin spart auch die schmerzhaftesten Stellen nicht aus. Es sind erschütternde Beispiele von Fehlgeburten, Verstümmelung und Selbstverletzung, die fassungslos machen. Wie skrupellos die Schönheitsindustrie Profit aus weiblichem Schmerz schlägt und wie Notlagen kriminalisiert werden. Selbst die Kunst spielt unaufhörlich ihr Lieblingsmotiv des sterbenden Mädchens. Bemerkenswert ist Biringers Blick auf Sprache. Schon in der Art, wie wir über Schmerz sprechen, spiegelt sich Macht. Wer benennt ihn, wer darf ihn haben, wer wird gehört? Historisch führt Biringer zurück in die Antike, in der Grundsteine für Jahrhunderte medizinischer Irrtümer gelegt wurden. Auch die "Hexenverfolgung" zerstörte wertvolles Wissen über weibliche Körper. Und noch heute hallt die alte Diagnose „Hysterie“ nach – das vermeintlich überreizte Nervenkostüm der Frau, das sie angeblich dazu verleitet, „Zipperlein“ zu erfinden. Dass Frauen bis heute nicht ernst genommen werden, liegt auch an der Maskulinisierung der Medizin: Lehrpläne, die kaum geschlechtssensible Inhalte vermitteln, und Medikamente, die überwiegend an Männern getestet werden. Die Folge: falsche Diagnosen, unpassende Therapien – und Schmerzen, die bleiben. "Unversehrt" ist kein leichtes Buch. Es ist ein notwendiges, das zeigt, was unsere Gesellschaft Frauen seit Jahrhunderten zumutet – und wie tief dieses Erbe in uns wirkt. Biringer verbindet persönliche Beobachtung mit journalistischer Recherche und feministischer Analyse. Der Ton ist wütend, klug, oft schonungslos. Sie erinnert uns daran, dass Heilung erst dort beginnt, wo Schmerz ernst genommen wird. Und genau deshalb brauchen wir dieses Buch. Wir brauchen es, um zu heilen!
Sehr belastend. Empfehle es trotzdem allen es zu lesen…
Ein wichtiges Buch, welches über den weiblichen Schmerz und dessen Benachteiligung in verschiedenen Bereichen des Lebens aufklärt. Eva Biringer schafft es dieses komplexe Thema mit all seinen Facetten aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und die Relevanz dahinter zu verdeutlichen. Hierbei verbindet sie sowohl eigene Erfahrungen, als auch generationsübergreifende Berichte mit wissenschaftlichen Fakten. Es macht wütend, verdammt wütend. Klare Empfehlung!
Pflichtlektüre 🙇🏼♀️
Hier geht es um den, Frauen schon immer begleitenden, Schmerz und wie dieser seine Rolle im Patriarchat gefunden hat. Ich konnte dort so viele interessante Sachen mitnehmen und Zusammenhänge ziehen, danke für diese tolle Aufklärung 🩷

Wir müssen reden. Darüber wie normal es für viele Frauen es ist, Schmerzen zu haben.
Sei es, aufgrund der Periode, sei es aufgrund von Endometriose oder sei es aufgrund von anderen Erkrankungen, deren Ursache nicht gefunden wird. Aufgrund fehlender Forschung, weil es „ja nur die Nerven seien“ oder Stress. Anstatt wirklich nach Lösungen, Ursachen und Heilungsmethoden zu suchen, wird dann gerne die Pille oder andere Beruhigungsmittel verschrieben. Welche Auswirkungen das haben kann, macht die Autorin eindrücklich an der Lebensgeschichte ihrer Großmutter fest und vermischt die Darlegung von Fakten mit persönlichen Anekdoten. Sie thematisiert unterandere Themen wie Geburt, Femizide, chronische Erkrankungen, Endometriose und vieles mehr. Eindrücklich macht die Autorin deutlich, wie sich das Patriachart und Misogynie negativ auf die Gesundheit von Frauen auswirkt. Eine große Empfehlung!
Traurige Bilanz…
Das Cover hat mich zunächst sehr angesprochen. Als Endometriose-Vereinigung Patientin fühlt man sich direkt angesprochen und ich war spannend, was mich darin erwartet. Zu Beginn hätte ich mir eine Triggerwarnung gewünscht, denn es wird berichtet von Vergewaltigungen, Verstümmelungen und dem Umgang mit der Frau in den Jahrhunderten vor unserer Zeit. Dies wurde gut beschrieben und erläutert, jedoch kann ich mir vorstellen, dass einige sich davon getriggert fühlen. Insgesamt hat sich das Buch auch mehr wie eine Erzählung von der Situation der Frau in den letzten Jahrhunderten angefühlt, besonders dieser Teil hat sich sehr gezogen. Als traurige Bilanz empfinde ich, dass wir immernoch so weit hinten sind, was eine Gleichberechtigung der Frau im medizinischen Bereich angeht. Da war ich teilweise wirklich geschockt, und das Buch hat mir die Augen bei manchen Themen geöffnet.
Ein so wichtiges Buch, das aufklärt und für Sichtbarkeit sorgt. Evas schreibt angenehm flüssig über schwierige Themen, die viel Wut in mir ausgelöst haben. Bin gespannt darauf, ihr anderes Buch zu hören.
Eva Biringer verbindet in ihrem Buch »Unversehrt« eigene Erfahrungen und generationsübergreifende Berichte (zum Beispiel Einbezug der eigenen Großmutter) mit wissenschaftlichen Erkenntnissen! Durch diese Mischung finde ich direkt einen lockeren Zugang zum Thema, gleichzeitig schafft es die Autorin mit wichtigen Fakten das Thema auch wissenschaftlich zu unterfüttern. Die Themen die Biringer aufgreift sind vielfältig und die Autorin schafft es einen guten Rahmen zu schaffen, damit ein Überblick gelingt, ohne zu tief in einem Gebiet zu versumpfen. Ich kann zwar nicht uneingeschränkt allen Punkten zustimmen (beispielsweise schreibe ich in meine Tätowierungen einen ästhetischen Hintergrund zu und nicht wie die Autorin allgemein unterstellt den Wunsch nach Schmerzen), trotzdem konnte ich viel aus dem Buch mitnehmen.
Weiblicher Schmerz
Dieses Buch macht wütend. Es schmerzt. Weil es uns im Nacken packt und uns nach unten drückt um uns erkennen zu lassen, wie benachteiligt man als Frau immer noch durchs Leben läuft. Wie lautlos und still viele (auch ich) genau das immer noch hinnehmen. Wie wenig ernst unsere Schmerzen genommen werden. Es schmerzt, aber es bestärkt auch. Weil es uns weniger allein fühlen lässt, weil es uns verstehen lässt, dass wir als Frauen eine starke Gemeinschaft sind, die es verdient haben laut zu werden, die es verdient haben, sich gesehen zu fühlen und ihre eigenen Bedürfnisse über die der Männer zu stellen. Diesen Schmerz zu fühlen und sich ihm hinzugeben ist nichts schlechtes, denn er öffnet die Augen, er macht uns wütend und laut. Und das sollten wir sein.

2023_#95 🤕
Absolute Empfehlung. Natürlich macht das Buch an vielen Stellen unfassbar wütend, aber das ist auch gut so. Neben der Wichtigkeit des Themas fand ich es auch toll geschrieben und hatte das Gefühl, dass es richtig gut recherchiert war. ✨
Frauen und Schmerz. Eva Biringer schafft es in diesem Buch ein sehr komplexes und riesiges Thema gut zu beleuchten.
Das Buch war definitiv keine leichte Lektüre. Ich musste Pausen machen. Ich hatte Tränen in den Augen, weil die Schmerzen von Generationen an Frauen* so greifbar waren. Ich wollte das Buch durch die Gegend schmeißen, weil mich das System, was dahinter steckt so sauer macht. Absolute Leseempfehlung, besonders für alle Feminist:innen da draußen und die, die sich mehr mit dem Thema beschäftigen wollen.
"Jahrtausendelang wurde der weibliche Körper per se als schwach, krank und behandlungsbedürftig angesehen. Daran hat sich nur wenig geändert. Wenn Frauen ihre körperliche Versehrtheit offenbaren, wird ihnen oftmals nicht geglaubt." (Seite 189 - Buchzitat) Eva Biringers Sachbuch „Unversehrt. Frauen und Schmerz“ beleuchtet eindringlich, wie weiblicher Schmerz in unserer Gesellschaft systematisch abgewertet, ignoriert und fetischisiert wird. Die Autorin, geboren 1989 in Albstadt-Ebingen, studierte Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft und schreibt als freie Autorin über Stil- und Kulturthemen für renommierte Zeitungen wie "Die Zeit" und "Welt am Sonntag". Biringer, die in Wien und Berlin lebt, bringt ihre Expertise und persönliche Erfahrung in dieses wichtige Buch ein. Worum geht’s genau? Das Buch setzt sich mit der gesellschaftlichen, medizinischen und kulturellen Wahrnehmung von weiblichem Schmerz auseinander. Frauen, die häufiger unter chronischen Schmerzen leiden und stärkeren Belastungen wie Menstruationsbeschwerden, Endometriose oder häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, erfahren oft weniger Verständnis und Unterstützung als Männer. Ihre Schmerzen werden schneller als psychosomatisch abgetan, weniger intensiv erforscht und oft einfach medikamentös ruhiggestellt. Eva Biringer zeigt anhand persönlicher Erlebnisse, wie ihrer Großmutter, deren lebenslanger Schmerz ignoriert wurde, und einer beeindruckenden Fülle an Studien, wie patriarchale Strukturen diese Missstände fördern. Sie beleuchtet außerdem die Fetischisierung von Schmerz und wie Männerkörper weiterhin als medizinische Norm gelten. Meine Meinung Für mich ist „Unversehrt“ eines der eindringlichsten Bücher des Jahres. Die Lektüre ist wie ein Schlag in die Magengrube – nicht wegen Effekthascherei oder sprachlicher Tricks, sondern durch die gut recherchierten Fakten, die sowohl erschütternd als auch wütend machen. Biringer nähert sich dem Thema Schmerz aus unterschiedlichsten Perspektiven: philosophisch, gesellschaftlich, medizinisch und autobiografisch. Besonders berührend fand ich den roten Faden des Buches – den Schmerz und die gesundheitlichen Probleme ihrer Großmutter, der nie ernst genommen wurde. Dieses Element schafft Nahbarkeit und eine (persönliche) Verbindung zur Autorin. Der Autorin gelingt es, komplexe medizinische und gesellschaftliche Zusammenhänge verständlich zu erklären, ohne dabei den feministischen Kern der Botschaft zu verlieren: Schmerz bei Frauen wird nicht nur bagatellisiert, sondern systematisch übersehen, was tödliche Konsequenzen haben kann. Die Darstellung, dass chronische Erkrankungen wie Endometriose oder Menstruationsbeschwerden immer noch kaum erforscht sind, macht mich fassungslos – ebenso wie die Tatsache, dass patriarchale Gewalt und der Ausschluss von Frauen aus medizinischen Standards bis heute existieren. Trotz meines eigenen Vorwissens konnte ich aus dem Buch viel Neues lernen, denn Biringer hat eine Fülle an Studien und historischen wie aktuellen Beispielen zusammengetragen. Die Stärke des Buches liegt in seiner Klarheit und Eindringlichkeit. Es ist ein feministisches Plädoyer, das mit Fakten überzeugt, ohne zu polemisieren. Fazit „Unversehrt“ ist ein tief bewegendes, faktenreiches und unverzichtbares Buch, das sich mit einem wichtigen, oft vernachlässigten Thema auseinandersetzt. Es regt zum Nachdenken an und ruft zum Handeln auf. Eva Biringer hat hier ein Meisterwerk geschaffen, das feministisches Bewusstsein schärft und einen unverzichtbaren Beitrag zur Diskussion über weiblichen Schmerz leistet. Nicht weniger als 5 von 5 Sternen.
Danke an Vorablesen und den HarperCollins Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig. „Unversehrt“ gehört zu dem Genre von Büchern, die zwischen Sachbuch und Memoir stehen. Uns erwartet hier eine gut recherchierte Abhandlung über weiblichen Schmerz in all seinen Facetten, die eingerahmt wird durch die schmerzlichen Erfahrungen der Großmutter der Autorin. Dadurch ist das Buch nicht zu steril, sondern gewinnt an persönlicher Note, obwohl die Struktur etwas wirr erscheint. Wie bereits erwähnt fand ich das Buch sehr gut recherchiert, und auch das Literaturverzeichnis und die Quellenempfehlungen am Ende waren sehr ausführlich und aussagekräftig. Inhaltlich sind die Kapitelnamen wenig aussagekräftig, aber es werden grob folgende Themen behandelt: Sprechen über Schmerz, Schmerz (Gewalt) an Frauen, Schmerzen haben, Schmerz betäuben (Betäubungsmittel), dem Körper Schmerz hinzufügen (Beautystandards z.B.), Emanzipation von Schmerz. Nicht alles davon hat mich gleich interessiert, und nicht mit allem davon habe ich gerechnet. Dem Buch fehlt eindeutig eine Triggerwarnung bezüglich sexualisierter Gewalt, da dieser Abschnitt super überraschend und sehr explizit daherkommt. Auch die Kapitel rund um Gewalt bei Schwangerschaft und Geburt haben mich echt geschockt, da sie mich unvorbereitet erwischt haben. Besonders gut fand ich die Kapitel zu Frauen im Gesundheitssystem, wo es um Falschdiagnosen und weibliche Krankheiten wie Endometriose ging – tatsächlich hatte ich vom Titel des Buches her auch gedacht, dass es eher vermehrt um solche Themen gehen wird, und nicht um die „Schmerzen“ des Balletttanzens und Schönheits-OPs, die ja im Bereich der Ästhetik verordnet sind. Im Großen und Ganzen habe ich die Kapitel über die anderen schmerzvollen Themen auch als interessant empfunden, eben weil es einen als Frau dann doch betrifft. Trotzdem finde ich, dass das Buch besser mit konkreten Kapitelnamen oder zumindest Triggerwarnungen auf seine Themenvielfalt hätte aufmerksam machen sollen. Ein weiterer Kritikpunkt, den ich habe, sind die immer wieder aufkommenden Pauschalisierungen über „die Frauen“ – eine andere Rezensentin nannte es „Pseudo-Feminismus à la Sophie Passmann“ und irgendwie fand ich das treffend. „Stöckelschuhe“ werden per se abgewertet und sind ein Ausdruck von „Gewolltwerden“, so wie Tattoos, und nur wütende Frauen sind emanzipierte, also gute Frauen… Solche Aussagen sind nicht feministisch (wie die Autorin meint), sondern ganz im Gegenteil misogyn. Das fand ich schade und hätte ich nicht gebraucht. Insgesamt ist „Unversehrt“ ein aufrüttelndes Buch, welches sich mit Frauen und Schmerz in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen auseinandersetzt und die Augen öffnen kann. Der Stil ist einfach und modern, aber schießt manchmal mit der Wortwahl am Feminismus vorbei. Die Struktur und Themenwahl hätten besser sein können und ich bin ehrlich – ich habe auch eher andere Inhalte erwartet. Ich schreibe diese Rezension übrigens erst ca. 1 Monat nachdem ich das Buch gelesen habe (ein Glück für meine guten Notizen haha), und ich muss zugeben, dass es kaum in mir nachgehallt hat. Nachhaltig mitgenommen habe ich so gut wie gar nicht, weil ich schon viele der angesprochenen Dinge wusste, sodass ich „Unversehrt“ eher als Einstiegslektüre in das Themengebiet verorten würde. Und so lande ich bei 3.5-4 Sternen.
Die Autorin erzählt am Beispiel ihrer Großmutter, wie Frauen in der Medizin vergessen und ruhiggestellt werden. Möglichst soll der Schmerz und die Beschwerden von Frauen verdrängt werden. Wer schon andere "bekannte" Literatur zu dem Thema gelesen hat, wird hier einige Fakten wieder sehen ( "Die Kranke Frau" & "ungleich behandelt" sind mit besonderen aufgefallen). Praktisch für alle, die a) dieses Buch an Freunde empfehlen wollen, da dieses Buch relativ gebündelt Fakten darlegt und die b) andere Literatur gelesen haben und diese auf innovative Art und Weise in aktueller deutscher Literatur eingeordnet bekommen + eigene Ausarbeitungen der Autorin. Einzig negativ aber doch für mich recht einschneiden war, dass vorne keine Triggerwarnungen waren und ich beim Thema / Klappentext nicht mit Esstörungen und detailliert Beschreibung von Selbstverletzenden Verhalten gerechnet habe. Weder vorne noch kurz bevor die Themen angerissen wurden. Ich musste deswegen einige Seiten überspringen und mein Lese-Erlebnis wurde dadurch getrübt.

Wow, das war nicht ohne... Die Autorin Eva Biringer erzählt uns in ihrem feministischen Werk 'Unversehrt' über Frauen und ihre Schmerzen. Ihren vielen unterschiedlichen Schmerzen. Sei er von anderen angetan, selbst zugefügt oder naturgegeben. So viele Frauen es gibt, soviel Schmerz gibt es auch. Schade ist nur wie oft der Schmerz nicht ernst oder wahrgenommen wird. Der rote Faden des Buches bildet der Leidensweg der Großmutter der Autorin. Viele Jahre hat Sie gelitten und nie fand jemand raus woran eigentlich. Diese Tatsache nutzt Eva Biringer und macht auf die vielen ähnlichen Schicksale aufmerksam und versucht noch im Nachhinein dahinter zu kommen was die Großmutter wohl gehabt haben könnte. Es werden etliche Fakten auf den Tisch geknallt. Die medizinische, kulturelle und historische Schmerzakte der Frauen wird durchleutet. Fakten rund um Misogynie und Femizide. Die schockierend Wahrheit das weiblicher Schmerz sogar oftmals als attraktiv wahrgenommen wird. Das zartbesaitete weibliche Wesen welches mit schlechter Konstitution, aber mit attraktiver blasser Haut und schmaler Silhouette Hilfe benötigt oder der kleine Stich zuviel beim nähen der Geburtswunden etc. Auf oftmal sarkastische Art und Weise erfahren wir das Männer wirklich krank sind, aber Frauen meist 'Psyche haben', das schwache Geschlecht Schmerz von Natur aus auszuhalten hat und gynäkologische Probleme sehr viel weniger erforscht werden als zum Beispiel männliche Erektionsprobleme. Kein Wunder, ist ein 'ordentliches rannehmen' der Frau doch schon oftmal die Lösung ihrer Probleme... oder die der Männer 🤮. Einige Fakten waren mir aus anderen Werken bekannt, einiges habe ich neu dazu gelernt und wie sooft bei solch einer Lektüre kam ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. Ich finde das Buch richtig wichtig und richtig gut und kann nur empfehlen...Lest es!

< 300 Seiten | Auf jeden Fall lesenswert 🪻
Das war mein erstes Buch der Autorin und ich würde weitere lesen mögen. Darum geht es: Der weibliche Schmerz wird weniger ernst genommen, schnell gelten wir als hysterisch und müssen beruhigt werden. Nicht zuletzt mit gefährlichen, abhängig machenden Medikamenten - mit dem Ergebnis, dass doppelt so viele Frauen schmerzmittelabhängig sind… Eva Biringer hat ein beeindruckendes, feministisches Werk geschrieben, das uns alle angeht. Ziemlich sicher wird sich jede in dem einen oder anderen Kapitel wiederfinden. Es geht nicht nur um körperlichen Schmerz, den der eigene Körper Frauen antut. Es geht z.B auch um den Schmerz, den bestimmte Industrien erst erzeugen (Beauty, Schönheitschirurgie, Fitness Culture usw.). Es geht um Misogynie, um Religionen und Kulturen, in denen Frauen weiterhin weltweit Unvorstellbares angetan wird („dry sex“ im afrikanischen Raum oder die Witwenverbrennung in Indien um nur 2 schreckliche Beispiele zu nennen.) Das Buch lässt einen etwas verstört zurück und auch sehr wütend. Es ist sehr lesenswert und darf in keiner Bibliothek fehlen meiner Meinung nach. Ich persönlich wusste bereits viel, weil es für mich nicht das erste Buch dieser Art war, es hatte mich überrascht wie viele Facetten des Schmerzes eingebracht wurden, hatte ich doch im Vorfeld eher damit gerechnet, dass es „nur“ um körperlichen Schmerz gehen würde. Daher ergaben sich für mich Überschneidungen mit anderen spannenden Werken, was aber dem Leseerlebnis keinen Abbruch getan hat. Leseempfehlung! 4/5⭐️⭐️⭐️⭐️ Danke schön für das Rezensionsexemplar!

Macht furchtbar wütend, aber so wichtig
„Entweder werden die reproduktiven Funktionen der Frau als von Natur aus abnormal pathologisiert […] oder aber es wird behauptet, dass sie normal sind, und wenn sie Symptome verursachen, dann nur, weil die Reaktion der einzelnen Frau darauf abnormal ist – sie ist einfach besonders empfindlich oder reagiert über. Kurz gesagt: Entweder sind alle Frauen krank, oder einige Frauen sind verrückt.“ (S. 120) Die Lektüre von unversehrt hat mich wütend gemacht, sehr wütend. Es war super informativ und augenöffnend und dann wusste ich wiederum oft nicht, ob ich lachen oder doch lieber weinen soll, weil vieles einfach nur absurd ist. Manche Stellen musste ich überspringen, weil mir das Geschilderte nur zu bekannt und es zu lesen zu schmerzhaft war. Kurz gesagt: Lest es! In dem Buch geht es um Schmerz. Schmerz, der Frauen zugefügt wird. Schmerz, den sie sich selber zufügen und den Schmerz, der ihr Körper ihnen verursacht. Es geht darum, wie die Gesellschaft und die Medizin mit dem Schmerz der Frauen umgeht und woher das historisch gesehen kommt. 5/5 Sterne
Unfassbar wertvoll und krass recherchiert!
Ich bin ehrlich gesagt immer noch ein wenig sprachlos, weil Eva Biringer so unfassbar viel Schmerz und Wut mit ihren Worten erzeugt hat. Mit einer sehr persönlichen Schmerz-Geschichte ihrer Oma leitet sie das Buch ein und Anekdoten und Beispiele ihrer Oma führen uns wie ein roter Faden durchs Buch. Dazwischen: unfassbar viele Informationen, Belege, Beispiele und Quellen ihrer Recherche. Ich habe einiges schon gewusst/ schon mal gehört, aber auch gleichzeitig wirklich viel Neues gelernt. Ich kann euch dieses Buch nur ans Herz legen, auch wenn es keine leichte Kost ist und eben ein Sachbuch, kein Romance oder Fantasy. 🤭 Aber, Frauen und Schmerz, Frauen in der Medizin und Frauen beim Arzt ist ein super wichtiges Thema und hier wird deutlich, dass wir noch lange nicht in einer Welt leben, in der alle aufgeklärt und gleichberechtigt sind!
Schmerz in seinen vielen Facetten
In diesem Sachbuch schreibt Eva Biringer über den Schmerz der Frau, sowohl den körperlichen als auch den psychischen Schmerz und seine Facetten. Sie beleuchtet geschichtliche Entwicklungen und zitiert viele, auch teils sehr bekannte, Persönlichkeiten. Thematisch war in diesem Werk viel mehr verpackt, als ich beim Lesen des Klappentextes vermutet habe. Ich habe dazugelernt und konnte an manchen Stellen vor Unglauben nur den Kopf schütteln. Sie spricht wahnsinnig wichtige Themen an und beleuchtet unterrepräsentierte Fakten. Nichtdestotrotz habe ich mich während des ganzen Buches nicht recht mit dem Schreibstil anfreunden können. Ich habe schon viele Sachtexte gelesen, ein Buch wie dieses, in dem Fakt dicht gepaart mit eigener Meinung wiedergegeben wird, habe ich bisher jedoch nicht gelesen. Genau das hat mich aber gestört - beim Lesen erschloss sich mir häufig nicht, wo der Fakt endet (also das in Studien belegte) und die eigene Bewertung dessen beginnt. Dass ich mit ihrer Meinung nicht an allen Stellen übereinstimme, ist nur natürlich und überhaupt nicht mein Anspruch. Trotzdem hätte ich es bevorzugt, wenn Studienergebnisse und die Meinung der Autorin eindeutiger voneinander abgegrenzt worden wären. Frauen haben ihr gutes Recht, ihren Raum einzufordern, das halte ich für enorm wichtig und notwendig, um in Zukunft weiteren Fortschritt zu erzielen. Es ist schon viel geschehen, aber noch nicht genug. Ich halte dieses Buch für einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. -Rezensionsexemplar-
“Frauen empfinden Schmerzen. Männer auch, allerdings nicht auf die gleiche Art. […] Liegt es daran, dass sie auf andere Art leiden oder das Leben andere Arten von Schmerz für sie bereithält? (S. 18) Mit dieser Frage setzt sich Eva Biringer in ihrem Buch ‘Unversehrt’ intensiv auseinander. Und gerade diese Frage war für mich ein ausschlaggebender Grund, das Buch zu lesen, denn Schmerz prägt nicht nur meinen Alltag, sondern auch den vieler meiner Freundinnen und weiblichen Bekannten. Biringer eröffnet das Buch mit einem persönlichen Einstieg: dem Schmerz ihrer Großmutter, die ihr Leben lang unter gesundheitlichen Problemen litt, Medikamente als treue Begleiter sah und Tagebuchseiten voll mit Leiden schrieb. "Der Bauch meiner Großmutter sprach seine eigene Sprache. Warum hörte niemand zu?" (S. 16) Dieser Satz verdeutlicht die zentrale Problematik: Wie oft bleiben die Schmerzen von Frauen unsichtbar, weil niemand hinhört? Mit einer großen Vielschichtigkeit zeichnet Biringer ein Bild von all den verschiednen Formen des Schmerzes, die Frauen erleben – körperlicher und seelischer Schmerz, ob durch Krankheiten, Menstruation, Geburt oder selbstzugefügte Verletzungen. Und vor allem der Schmerz, der Frauen vom Patriarchat zugefügt wird. So wird der Schmerz von Frauen nicht nur anders bewertet als der von Männern, sondern auch anders behandelt. Das Buch wird durch aktuelle Studien und zahlreiche Fakten untermauert, aber auch durch eine historische Perspektive auf weiblichen Schmerz – von antiken Vorstellungen bis hin zu biblischen Bezügen, die bis heute noch die Medizin beeinflussen. Auch wenn mir viele Fakten bereits bekannt waren, kann ich ‘Unversehrt’ absolut empfehlen – für Frauen als empowerndes Buch und für Männer, um besser zu verstehen, wie es ist, als Frau mit Schmerz im Patriarchat zu leben.
In Unversehrt geht Autorin Eva Biringer dem weiblichen Schmerz auf den Grund. Ein durchaus interessantes Thema, wenn man bedenkt, was wir so alles durchmachen. Viele denken vielleicht direkt an Periode und Schwangerschaft und ja, auch das wird auseinander gepflückt. Es geht aber auch um die Geschichte der Medizin, Beauty und Diät, Frauen, denen nicht geglaubt wird, Selbstverletzung und Gewalt. Das ist manchmal ziemlich heavy, denn es werden konkrete grausame Fälle geschildert, die hässliche Fratze von Misogynie und Sexismus aufgezeigt. Musste da manchmal Pause machen, weil mich all das so mitgenommen hat. Neben Fakten gibt es vor allem auch Meinung. Die ist subjektiv und ich war nicht immer so ganz bei der Autorin - was ich aber auch nicht sein muss. Denn trotzdem habe ich das Buch sehr gern gelesen und noch einiges gelernt. Schade finde ich nur das teils veraltete Vokabular. Trans Menschen werden als “transsexuell” bezeichnet, was natürlich völliger Quatsch ist. Immerhin hat die Geschlechtsidentität nichts mit der Sexualität zu tun und alle anderen sind ja auch nicht die “Cissexuellen” . Transgender ist da deutlich passender, besser noch wäre einfach trans als beschreibendes Adjektiv. Geschlechtsangleichende Operationen sind für die Autorin “Umwandlungen” und trans Frauen “werden zur Frau” (eigentlich waren sie es ja schon immer). Außerdem ist konsequent von sexueller statt von sexualisierter Gewalt die Rede. Das sind sicher Kleinigkeiten, aber in einem feministischen Buch für mich ein No-Go.

»Wenn selbst eine Ausnahmedichterin wie Virginia Woolf beim Thema Schmerz um Worte ringt, wie ergeht es dann erst all jenen, die spätestens im Sprechzimmer verstummen?« 🤐 (S. 24) In ihrem neuen Sachbuch »Unversehrt. Frauen & Schmerz« schreibt die Autorin Eva Biringer ausgehend von dem Wunsch dem Schmerz ihrer Großmutter eine Stimme zu verleihen, darüber, was es heißt in unserer patriarchalen Gesellschaft als Frau Schmerz zu verspüren. Sie legt den Finger gekonnt in unsere Wunde: Wie weiblicher Schmerz übergangen, kleingeredet, abgewertet und abgesprochen wird. ☝🏼 »Problematisch ist […], dass weiblicher Schmerz abgewertet oder übergangen wird und gleichzeitig immer dann interessant ist, wenn er sich als Geschäftsmodell eignet.« 🥵 (S. 54f) Dabei greift sie allgemeine Glaubenssätze genauso auf wie wissenschaftliche Studien & Forschung und andere Autor*innen. Nach einer sehr gelungenen Definition und Annäherung an den Begriff ›Schmerz‹ werden u. a. Themen wie Geburt, PMS, Endometriose, chronische Krankheiten, emotionaler Schmerz, Femizide, verletzende Verhaltensweisen und -Muster, Medical Gaslightning, Eco-Gender-Gap aufgegriffen und in diesem feministischen Kontext beleuchtet und diskutiert. Selbstverständlich kommen so auch Misogynie und das Patriarchat auf ihre Kosten 😮💨 (richtig so 🤝🏼) »Einige Formen des Schmerzes sind unvermeidlich und nur durch die menschliche Natur bedingt. Abr so viele unserer Schmerzen werden durch das gewalttätige Patriarchat, in dem wir leben und das unsere Autonomie und Menschlichkeit abwertet, sinnlos verschlimmert oder verursacht.« (S. 73) Bereits nach den ersten Seiten war ich von dem Schreibstil der Autorin mitgerissen und auch, wenn ich bereits einige der von ihr zitierten Werke und Autor*innen gelesen habe, empfand ich dieses neue Buch als Bereicherung, neue Verknüpfung von feministischen Themen und Gedanken und habe es sehr gerne gelesen. 🩵 Große Empfehlung 💖 für dieses empowernde autobiografische Plädoyer, weiblichen Schmerz als das anzuerkennen, was er ist: Schmerz, unabhängig vom Gender. 💥
Männer reflektieren bei dem Buch, Frauen sehen sich im Spiegel der Erzählung.
Ein wirklich ernstzunehmendes und faktisch gut aufbereitetes Buch! Mir gefiel die sprachliche Vielfalt der Autorin und vor allem, die liebe Weise über ihre Großmutter zu berichten und sie sinnbildlich das Weibliche Leiden & den Weiblichen Schmerz zu verkörpern. Mich amüsierten die Kommentare der Autorin in den Fußnoten immer wieder, war mir dem Inhalt und dessen Ernst im Haupttext aber immer bewusst. Wie denn auch nicht? Denn alles was aufgezählt wurde, an Gründen, an vergebene Möglichkeiten - das alles ist noch immer gegenwärtig Das Buch ist ein Appell an die Gesellschaft: Frauen dürfen leiden, Frauen sind hysterisch vor Wut, sich für ihre Schmerzen rechtfertigen zu müssen.

























