2. Nov.
Rating:5

2020, Pandemie, Lockdown, das Leben ist praktisch auf Null heruntergefahren. Sarah Bancroft hat eine Verabredung mit Viktor Orlov und findet ihn tot an seinem Schreibtisch. Das ruft Gabriel auf den Plan, nicht nur, um seinen Freunden Sarah und Julian zur Seite zu stehen, sondern weil er und Chiara dem Russen ihr Leben verdanken. Orlov wurde mit dem Nervengift Nowitschok getötet, womit klar ist, wer den Mord in Auftrag gegeben hat. Orlov stand in Kontakt mit einer Journalistin, die ihm Informationen von einem gewissen Mr Nobody zugespielt hatte. Gabriel und sein Team machen Mr Nobody ausfindig, eine junge Bankerin, bei ihrem Arbeitgeber auf dem Abstellgleis, weil sie zu viele Fragen stellt. Außerdem ist sie eine talentierte Cellistin, daher der Buchtitel. Ihr Arbeitgeber betreibt Geldwäsche in großem Stil, vor allem für den Mann im Kreml, der sich hinter einem Strohmann versteckt. Gabriel und sein Team beschließen, den „russischen Waschsalon“ zu schließen, den Kleptokraten im Kreml das Handwerk zu legen und auf diese Weise die Ermordung Orlovs zu rächen. Nicht alles läuft wie gewünscht, natürlich entzieht sich der russische Präsident Gabriels Fängen - etwas anderes wäre an dieser Stelle auch unglaubwürdig. Doch es geht in diesem Thriller nach typischer Allon-Manier nicht nur um Einflussnahme durch unbeschreiblich viel Geld, sondern auch um die Manipulation der öffentlichen Meinung durch russische Trollfabriken. Während Gabriel den Mörder Orlovs jagt, wird in den USA gewählt und einer dieser Trolle macht sich die Unsicherheit der Menschen durch die Pandemie und die unkontrolliert wütenden Verschwörungstherien zu Nutze, jemanden zur Ermordung des neuen demokratischen Präsidenten aufzuhetzen. Nach Gabriels Einmischungen ändert sich der Plan und Gabriel wird zum Ziel. Ein typischer Gabriel Allon, im Aufbau sind sich die Bände ähnlich, doch das stört in keinster Hinsicht, es ist wie bei Lee Childs Reacher immer wieder spannende Unterhaltung, dieses Mal mit Bezug zur jüngeren Vergangenheit. Wie immer ordnet Daniel Silva am Schluss seine Fiktion ein, erläutert die realen Zusammenhänge und hier ruft die Macht der Einflussnahme durch Geld und Trollfabriken ziemliche Beklemmungen hervor. Ich hatte beim Lesen häufig das Gesicht des russischen Präsidenten vor Augen, mit diesem extrem unangenehmen Lächeln, das einem in einer Endlosschleife „Ihr habt ja alle keine Ahnung, wozu ich tatsächlich fähig bin“ entgegen ruft.

Die Cellistin
Die Cellistinby Daniel SilvaHarperCollins Paperback