Leseempfehlung! Eva Biringer erzählt ungeschönt ihre Geschichte, die von Alkohol geprägt ist. So oft fand ich mich darin wieder. War ich vor ein paar Jahren noch der Ansicht, dass es kaum eine Gelegenheit gibt, zu der ein Glas Wein nicht passt (egal ob zum Apéro, zum Essen oder zum Yoga und Lesen), kann ich heute meine Gläser Alkohol pro Jahr an zwei Händen abzählen. Ich bin beeindruckt und dankbar, wie offen Biringer über das Thema spricht, und empfehle es definitiv weiter.
Leseempfehlung! Eva Biringer erzählt ungeschönt ihre Geschichte, die von Alkohol geprägt ist. So oft fand ich mich darin wieder. War ich vor ein paar Jahren noch der Ansicht, dass es kaum eine Gelegenheit gibt, zu der ein Glas Wein nicht passt (egal ob zum Apéro, zum Essen oder zum Yoga und Lesen), kann ich heute meine Gläser Alkohol pro Jahr an zwei Händen abzählen. Ich bin beeindruckt und dankbar, wie offen Biringer über das Thema spricht, und empfehle es definitiv weiter.
„Wer nicht trinkt, macht sich verdächtig.“ (S. 64) Wer denkt, die Zeiten von "Frauengold" seien passé – als sich die gute Hausfrau mit einem kleinen Schluck ihrer trüben Stimmung entledigte, um den Hausherrn strahlend im trauten Heim zu empfangen –, weit gefehlt. Das heutige Marketing ist sogar richtig auf die Zwölf. "Mommy’s Time Out" zum Beispiel vertreibt fruchtige Weine für eine wohlverdiente Pause vom harten Mama-Job. Nach dem guten alten Motto: Wer Kummer hat, hat auch Likör. Seitdem Spirituosen spritzig, süß, pastellig und offenbar wie gemacht für Frauenherzen und -gaumen sind, spricht man mittlerweile gar von einer "Feminisierung der Trinkkultur". Daydrinking sei Dank kommt so Farbe und Leichtigkeit in den Alltag: Stößchen! Die Emanzipation ist längst in den Schnapsregalen angelangt. Das war natürlich keineswegs erstrebenswert. Und doch feiern wir diese Form der Freiheit. Hoch die Hände, Wochenende! Nicht selten offenbart sich der weibliche Perfektionismus in Sucht- und Zwangsverhalten. Alkohol- und Magersucht bilden z.B. oft ein zerstörerisches Dreamteam. Gibt's sogar beim Bartender des Vertrauens im Glas: "Skinny Bitch" – Wodka, Soda, Zitronenscheibe, schlanke 86 Kalorien pro 250 Milliliter. Wer das geschmacklos findet, liegt gleich zweimal richtig. All diese mal fun, mal weniger fun facts versammelt Eva Biringer in „Unabhängig – Vom Trinken und Loslassen“ zu einer autobiografischen Analyse. Sie beschreibt ihren eigenen Weg durch ein Leben, in dem Alkohol früh selbstverständlich wird, beruflich wie privat. Als Gastronomie-Journalistin machte sie ihr Laster zeitweise zur Profession – und ist dieser Branche auch in der Abstinenz bis heute treu geblieben. Parallel zur persönlichen Geschichte beleuchtet sie Alkohol als Wirtschaftsfaktor, Tradition, gesellschaftlichen Kitt – und als Mitspieler bei Gewalt, Krankheit und Selbsttäuschung. Die Vielzahl sich widersprechender Studien, ob Alkohol nun gesundheitsfördernd oder -schädigend sei, sorgt dabei weniger für Klarheit als für komfortable Ausreden. Vor allem jene fühlen sich bestätigt, die abends routiniert zum Glas Rotwein greifen. Mir gefällt, dass Biringer diese Widersprüche nicht auflöst, sondern entlarvt. (Bitte unbedingt auch die Fußnoten lesen – in ihren wenigen Zeilen steckt oft richtig Zunder.) Besonders überzeugt hat mich der Ton: ein bisschen selbstironisch, nie als vor Jammer triefende Alkohol-Beichte. Kein Zeigefinger, keine Dogmen. Trotz dessen verliert der Text die Brisanz des Themas nie aus den Augen und streut immer wieder Zahlen, Studien, Zusammenhänge ein. Ab und zu war es mir eine Statistik zu viel – aber ich bin halt einfach kein Zahlenmensch. Biringer arbeitet sich durch Altersschichten, Milieus und Nationen und macht dabei eines sehr klar: Es gibt nicht DEN Alkoholismus. Zwischen Abstinenz und Abhängigkeit liegen mindestens 50 shades of Trunkenheit. Und auch die Formen des Festhaltens beschränken sich nicht bloß auf Flaschen und Gläser. Da wären etwa Männer, die Biringers Gefallsucht anstachelten und sie sich selbst vergessen ließen. Mit dieser Gefallsucht ging der kritische Blick auf den eigenen Körper einher – er mündete in einer Essstörung. Welche Sehnsüchte sie zum Trinken verführten – popkulturelle Vorbilder, Leistungsdruck, der Wunsch dazuzugehören, schlichte menschliche Bedürfnisse –, schildert die Autorin in sehr intimen Anekdoten, ganz ohne Eitelkeit. So trinken wir uns mit Eva Biringer durch Festzelte, Berliner Clubs und WG-Partys, wachen zerknirscht in fremden Betten auf und bekommen immer wieder dieses Gefühl von "Panikherz". (Das ist ausdrücklich als Kompliment gemeint.) Am Ende geht es vor allem um das, was wir gewinnen, wenn wir etwas loslassen, das mehr Schaden als Glück auf dem eigenen Lebenskonto hinterlässt: Klarheit. Würde. Selbstbestimmung – jenseits des Glases. Du glaubst nicht, dass sich ein Leben komplett neu sortieren lässt, ohne etwas zu verlieren? Eva: Hold my Negroni.
In einem Wort: wow. Eva Biringer verknüpft ihre eigene Trink-Vergangenheit mit ganz vielen Fakten über Alkohol und schaut auch darauf, warum Frauen anders trinken als Männer, was Feminismus und das Patriarchat damit zu tun haben. Ich selbst trinke seit vier Jahren nicht mehr und las das Buch zum vierten Soberversary- und muss sagen, es ist eins der besten zu dem Thema. Meine Geschichte ähnelt der von Eva sehr. Es fühlte sich an, wie mit einer Freundin über die toxische Ex-Liebe zu sprechen und sich dann zusammen darüber zu freuen, dass diese keine Rolle mehr im eigenen Leben spielt. Danke Eva für dieses Buch!
Vier Gläser Wein…
Manchmal liest man ein Buch und merkt plötzlich: wow, das trifft mich mehr, als ich gedacht hätte. 🍷 Unabhängig von Eva Biringer hat mir so viele Spiegel vorgehalten – Situationen, in denen ich mich selbst erschreckend oft wiedergefunden habe. Gestern hatte ich vier Gläser Wein, und beim Einschlafen kam mir der Gedanke: eigentlich hätten eins oder sogar keins gereicht. Dieser leise Moment hat mich sehr nachdenklich gemacht. Es geht nicht um Verzicht oder Zeigefinger, sondern um Bewusstsein. Um die Frage: was tut mir wirklich gut?
Für mich thematisch etwas weniger interessant als das andere Buch der Autorin. Ich mag ihre Art zu Schreiben und wie verschiedene Themen miteinander verwoben werden. Dieses autobiografische Werk war für mich eine große Bestätigung weiterhin ohne Alkohol mein Leben zu verbringen.
Spannendes Sachbuch mit interessanten Fakten und teilweise auch tollen Tipps für Restaurants etc. Es lässt sich schon relativ leicht lesen, wenn es einen interessiert, aber es ist eben keine Geschichte, die sich steigert.
Eine Biographie, die ein wichtiges Thema beleuchtet. Das Buch lässt sich aufgrund des angenehmen, klaren Schreibstils schnell lesen. Einige Dinge wiederholen sich, aber das fand ich nicht störend.






