26. Mai
Rating:4.5

🌙🌙🌙

Bay Ridge - muslimische Enklave in New York und Zuhause von Amira und ihrer Familie. Es ist heiß, es ist Ramadan, der Highschoolabschluss ist in der Tasche und die Zukunft? Offen für alles. Zumindest bis Samiras großer Bruder Sami vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird, Amiras Zwillingsschwester Lina falschen Versprechungen hinterherläuft und Amira selbst einen Mann kennenlernt. Unheil droht und sie selbst droht sich bei dem Balanceakt zwischen Liebe, Solidarität, Familie und der Frage, wer sie selbst eigentlich sein will zu verlieren. Ein tolles Buch. Ich war mit Amira mittendrin. Ich saß mit auf der Couch, auf Dachterrassen und Motelzimmern. Ich habe Tomaten geschnitten, war in der Moschee und in Clubs. Habe gehofft, gebangt und gezweifelt. 🫶🫶🫶 Einzig das Ende lässt mich etwas ratlos zurück. 🕊️

Zwischen zwei Monden
Zwischen zwei Mondenby Aisha Abdel GawadBlumenbar
5. Mai
Identität, Erwartung, Verbindung – ein kraftvolles Buch über Ramadan in New York 🌙🌃
Rating:4.5

Identität, Erwartung, Verbindung – ein kraftvolles Buch über Ramadan in New York 🌙🌃

„Ich wartete auf etwas, das keinen Namen hatte. Einen Ruck, ein Kribbeln, ein Gefühl der Erfüllung. (…) Ich würde die Welt ins Wanken bringen.“ Summer in the City. Durch die Augen von Amira tauchen wir ein in die Hitze der Stadt, die Rituale und Mythen rund um Ramadan, die Ängste und Sorgen der Community im New Yorker Stadtteil Bay Ridge, aber auch in ihre individuelle Auseinandersetzung mit sich selbst, dem was sie sein möchte, wie andere sie sehen und wie sie sich verbunden und gleichzeitig unabhängig fühlen möchte. Im besonderen Fokus steht die tiefe Vertrautheit zu ihrer Zwillingsschwester Lina – aber auch die Abgrenzung und Entfremdung der beiden. Aus diesem Prozess entfaltet sich immer wieder Energie, die die Geschichte voran bringt. Das Schicksal des Bruders Sami, der plötzlich wieder auftaucht und der Spalt zwischen Unschuld und Schuld, ist Ausdruck für das tiefe Unbehagen und die Trauer in der Gemeinschaft, die sich bei den Charakteren in unterschiedlichen Umgang entlädt. Ich mochte genau diese Grautöne und dieses Eintauchen ins Ungewisse sehr. Die Verbindung zwischen den Schwestern, das zaghafte Annähern mit dem Bruder und den klassischen Coming of Age mit den Eltern fand ich toll erzählt. Sprachlich fand ich das Buch ebenfalls wunderbar gestaltet.

Zwischen zwei Monden
Zwischen zwei Mondenby Aisha Abdel GawadBlumenbar
25. Okt.
Post image
Rating:5

„In dem Moment auf der Couch - eigentlich den ganzen Sommer lang - hing ich wie aufgespannt zwischen zwei Monden. Mit dem linken Arm wurde ich zu dem verschwommenen, blutigeren Mond gezerrt: Sami. Und mein rechter Arm streckte sich nach dem helleren, runderen Mond aus: Lina.“ (S. 360 f.) Es ist der Monat des Ramadan. Der letzte Sommer, bevor Amira und ihre Zwillingsschwester Lina zum College gehen und somit ihre Kindheit endgültig hinter sich lassen werden. Eigentlich steht ihnen eine ausgelassene, wenn auch etwas langatmige Zeit (des Fastens) bevor. Doch mit dem Herannahen der Entlassung ihres Bruders und seinem Wiedereinzug in ihr gemeinsames Zuhause spürt Amira immer deutlicher, dass ihrer Familie ein Unheil droht. War doch alles irgendwie im Gleichgewicht, solange nur über manche Dinge einfach weiter geschwiegen wird. Über ihren Bruder zum Beispiel, Sami, dieser inzwischen eigentlich doch völlig Fremde. Er sollte hier nicht sein, da ist sie sich sicher. Hier in seinem alten Kinderzimmer. Und doch steht er plötzlich vor der Tür mit genau diesem unlesbaren Gesichtsausdruck, den auch sie - so wird sie später erfahren - ihrem Bruder gegenüber hat. „Zwischen zwei Monden“ ist eine Erzählung über das Erwachsenwerden als Muslimin inmitten einer arabisch amerikanischen Enklave New Yorks. Aisha Abdel Gawad, die wie die Protagonistin Amira selbst in einem Gemeindezentrum in Bay Ridge, Brooklyn gearbeitet hat, gibt mit dieser Geschichte wahnsinnig viel preis über die Lebensrealität derer, die am sogenannten gesellschaftlichen Rand leben. Im Fokus der Erzählung steht immer Amira, doch gibt es auch Stellen, in denen die Erzählperspektive unvorhersehbar wechselt, dabei heran- oder herauszoomt - und somit immer wieder nicht ahnbare Details ans Licht bringt. „Zwischen zwei Monden“ erzählt vom Erwachsenwerden, vom sich selbst Finden, von Nähe und Fremdheit, von Glaube und religiöser Praxis, von Verwundbarkeit, aber auch von Rassismus, Sexismus, sexuellem Missbrauch, polizeilicher Gewalt, Armut (TW!). Bei alledem ist „Zwischen zwei Monden“ auch und vor allem eine tiefgreifende, nuancierte Geschichte über die Verbindung von Geschwistern, die mein Herz sehr bewegt hat. Wir erinnern uns alle an den noch frischen „Cleopatra und Frankenstein“-Hype. Manche sag(t)en (ich eingeschlossen), das sei ein gutes Buch - andere Leser:innen hatten wiederum einiges daran auszusetzen. Unter anderem, dass diese Geschichte zu wenig relatable sei. Was ich an dieser Stelle einfach nur sagen will: Seht her, denn auch das ist die Realität! Auch das ist eine Facette von New York - wie auch vielen anderen Orten dieser Welt: Ethnische Communities, in deren Leben eben kein Highlife angesagt ist, sondern deren Alltag aus alldem wie oben aufgelistet (so oder so ähnlich) besteht. „Zwischen zwei Monden“ hat mich nicht mehr losgelassen und sich als kleines Jahreshighlight erwiesen. Ein grandioses Debüt in Form eines Porträts über eine Familie. Eine Familie, die ich so schnell wohl nicht mehr vergessen werde. (Übrigens war es für mich auch total spannend, dass ich so einige Ecken dank meines erst kürzlichen Urlaubs bildlich vor Augen hatte. Damit will ich auf keinen Fall sagen, dass ich die porträtierten Lebensrealitäten nur im Ansatz nachempfinden kann; aber zumindest den ein oder anderen Vibe meine ich verstanden zu haben.) Ein herzlicher Dank geht an Aufbau für die Bereitstellung dieses wunderbaren Rezensionsexemplars.

Zwischen zwei Monden
Zwischen zwei Mondenby Aisha Abdel GawadBlumenbar
11. Okt.
Rating:4

Die 17-jährige Amira wächst in Bay Ridge, einem muslimischen Bezirk von New York auf. Gerade hat sie die Schule beendet und startet in den letzten unbeschwerten Sommer, bevor der Ernst des Lebens beginnt. Doch so unbeschwert wird dieser nicht werden. Mit Beginn des Ramadan wird ihr Bruder nach 4 Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Dies zieht Amira den Boden unter den Füßen weg, da schon vor langer Zeit eine Entfremdung zwischen dem Geschwistern stattgefunden hat und sie ihn als Eindringling in der familiären Idylle erlebt. Er verhält sich sehr sonderbar und geheimnisvoll und Amira befürchtet, dass ihre Eltern, die sich sehr um ihn sorgen und möchten das er fortan ein geregeltes Leben führt, daran zerbrechen würden, wenn er wieder in die Kriminalität abrutscht. Auch ihre Zwillingsschwester Lina ist ihr keine große Stütze. Eher im Gegenteil: sie rebelliert gegen die gesellschaftlich und religiös auferlegten Normen, betrinkt sich, feiert gern, trägt knappe Outfits, wirft sich Männern an den Hals und träumt von einer Karriere als Model. Amira fühlt sich wie „zwischen zwei Monden“, denn sie ist das gute Kind, dass versucht sich an alle Regeln zu halten. - Aisha Abdel Gawad hat einen sehr eingängigen, bildlichen Schreibstil und schafft es gut die Atmosphäre des Viertels, in dem die Geschichte spielt, einzufangen. Man hört förmlich die Geräusche, riecht die Gerüche, spürt den Trubel und das Leben, welches in Bay Ridge herrscht. Es ist ein bisschen wie auf dem Dorf… jeder kennt jeden, es wird getratscht, alle passen so ein bisschen auf alle anderen auf. Aber der schöne Schein trügt: das Viertel wird überwacht, durch Kameras und Spitzel, die Anwohner allein auf Grund ihres Glaubens als Bedrohung angesehen. Es ist sicher nicht einfach in einer Welt aufzuwachsen, in der man der permanenten Überwachung ausgesetzt ist und sich nicht den geringsten Fehler erlauben darf. Über die Darstellung der Gemeinschaft hinaus zeichnet die Autorin ein umfassendes Bild der Familie. In Rückblenden oder durch Erzählungen der Eltern erfährt der Lesende, wie es dazu gekommen ist, dass die Eltern in die USA ausgewandert sind. Auch über die Kindheit der Geschwister wird berichtet und schnell wird klar, warum die Beziehung zwischen dem Bruder und den Schwestern angespannt ist. Es zeigt sich auch, dass das Leben des Bruders wahrscheinlich eine andere Richtung genommen hätte, wenn er im Kindesalter Unterstützung bekommen hätte bzw. wenn die Eltern erkannt hätten, dass er diese benötigt. Die Autorin fängt den Zwiespalt zwischen traditionellem/religiösem Bewusstsein und dem Wunsch sich selbst zu entfalten bzw. auszubrechen geschickt ein und verdeutlicht dies vor allem in der sehr gegensätzlichen Entwicklung der Zwillinge. Aber auch in Amira selbst herrscht so ein Kampf. Zum einen ist da der Wunsch eine gute Muslima zu sein, zum anderen möchte sie aber auch einfach nur ein amerikanisches Mädchen sein, welches sich frei entfalten kann. Die Diskrepanz die dahingehend im Elternhaus vermittelt wird ( die Mutter legt die Religion sehr viel stringenter als der Vater aus) hilft ihr dabei auch nicht besonders. Sehr beeindruckt war ich von der Schilderung des Ramadan und den Entbehrungen, die daran hängen. Auch wenn ich prinzipiell weiß wie das Fasten abläuft, so ist es doch etwas anderes darüber zu lesen, wenn an heißen Tagen nicht mal ein Schluck Wasser zu sich genommen werden darf und versucht wird durch Imagination das Durstgefühl zu bekämpfen. Auch sprachlich fand ich das Geschriebene sehr interessant. Der Wechsel zwischen der sich-Perspektive und dem allwissenden Erzähler hat Abwechslung ins lesen gebracht und mehrere Ansichten auf Situationen ermöglicht. - Ein toller Roman, der gern noch ein wenig ausführlicher hätte sein dürfen. Vor allem das Ende kam mir dann doch sehr abrupt und hat mich ein wenig ratlos zurück gelassen. Große Leseempfehlung.

Zwischen zwei Monden
Zwischen zwei Mondenby Aisha Abdel GawadBlumenbar